9. Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb: Nominiert sind Pastellhöllen und Eisbärkostüme

Wie präsentieren sich regionale Bands in ihren Videoclips? Eine Rundschau anlässlich des Ostschweizer Kurzfilmwettbewerbs.

Roger Berhalter
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Wie schludrig animierte Charaktere in einem Videospiel: Die St.Galler Band Stahlberger im Clip zu «Bis i di find».

Wie schludrig animierte Charaktere in einem Videospiel: Die St.Galler Band Stahlberger im Clip zu «Bis i di find».

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Reglos sitzen die fünf Musiker von Stahlberger auf dem Bänkli der Bushaltestelle St.Fiden. Sie wirken künstlich und schemenhaft, so wie schludrig animierte Charaktere aus einem Videospiel. Ein weisser Sportwagen braust heran, stoppt kurz und fährt weiter. Die Musiker auf dem Bänkli rühren sich nicht.

So beginnt der Videoclip zum Song «Bis i di find» der St.Galler Band Stahlberger. Es ist einer von zehn Musikclips, die für den diesjährigen Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb nominiert sind.

Der Wettbewerb prämiert jedes Jahr junge Filmemacherinnen und -macher bis 30 Jahre aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Mehr als 50 Kurzfilme waren zu Beginn im Rennen. Die besten 20 Beiträge sind morgen Sonntag im Palace auf der Leinwand zu sehen.

Crimer mietet ein ganzes Zirkuszelt

«Musikclips sind für Jungfilmer ein sehr spannendes Format, um sich auszutoben», sagt Lukas Hofstetter, Veranstalter des Kurzfilmwettbewerbs. Auch viele kleine, unbekannte Bands könnten heute schon gut produzierte Videoclips vorweisen.

«Ich staune jeweils, wie viel Aufwand die Bands betreiben», sagt Hofstetter und erwähnt als Beispiel den Clip zum Song «Badface» von Crimer, der 2017 den zweiten Platz holte. Der Rheintaler Musiker mietete für die Dreharbeiten extra das Zelt des Circus Knie, damit er allein in der Manege tanzen konnte.

Viel Aufwand steckt auch im Video zum Song «Beuteltier» der Rorschacher Band Panda Lux. Verschiedene Schauplätze, verschiedene Schauspieler, skurrile Bilder mit Kinderwagen, Eisbärkostümen, Pferden, Hunden und einem Bodybuilder. Der Clip stammt vom Fotografen und Filmemacher Gregor Brändli, der schon im vergangenen Jahr mit einem Video für Panda Lux den ersten Platz im Wettbewerb gewonnen hat.

Gleich zweimal nominiert ist dieses Jahr der St.Galler Videokünstler Linus Stiefel. Er hat nicht nur den Clip zu Stahlbergers «Bis i di find» animiert, sondern auch jenen zu «Puer le Printemps» des Duos Crème solaire.

Es sind zwei völlig unterschiedliche Beiträge. Während Stiefel für Stahlberger kühle, computergenerierte Bilder verwendet, hat er für Crème solaire den Stift gezückt. In reduzierten Schwarz-Weiss-Zeichnungen erzählt er in Daumenkino-Ästhetik eine brutale Kurzgeschichte.

Beklemmend wirken die Bilder zum Song «Leaving For Good» des Electropop-Künstlers Suicide Salmon. Im Videoclip ist eine dauerlächelnde Einfamilienhausfamilie zu sehen, eine Hölle getarnt als pastellfarbene Idylle.

9. Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb: 15.12., 17.30 Uhr, Palace