60 Jahre Johnny Rotten: Wut steht ihm noch immer gut

Mit ihrer Punk-Parodie auf «God Save the Queen» schockierten die Sex Pistols 1977 das britische Establishment. Sänger John Lydon alias «Johnny Rotten» schlägt mit 60 Jahren zwar ein wenig freundlichere Töne an als früher - aber keine leiseren. Heute feiert er Geburtstag.

Uli Hesse, dpa
Drucken
Teilen
Bürgerschreck: Johnny Rotten (r.) mit dem 1979 an einer Überdosis gestorbenen Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious. (Bild: Keystone)

Bürgerschreck: Johnny Rotten (r.) mit dem 1979 an einer Überdosis gestorbenen Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious. (Bild: Keystone)

Man könnte ihn ein nationales Kulturgut Grossbritanniens nennen: Der Bürgerschreck John Lydon, besser bekannt als Sex-Pistols-Sänger «Johnny Rotten», mit dem fast wahnsinnig anmutenden Starren und den wirren Haaren. Seine verrotteten Zähne, die ihm den Bühnennamen Johnny Rotten einbrachten, sehen inzwischen besser aus - seitdem er in Los Angeles wohnt, hat er nach eigener Aussage Tausende Dollar in ihre Instandsetzung investiert.


Er ist ein Berufspunk mit Widersprüchen: Gegen eine Einladung der Rock and Roll Hall of Fame wehrte er sich mit den Sex Pistols mit einer krakeligen Botschaft: «Wir sind nicht Eure Affen!» Andererseits verdiente er Geld mit der Teilnahme an Reality-Shows wie dem britischen «Dschungelcamp», wo er mit Flüchen für Aufsehen sorgte.

Permanent wütend
Der Musiker wuchs im Norden Londons als ältester von drei Söhnen einer irischen Familie auf. In seinen Memoiren mit dem passenden Namen «Anger is an Energy» (2014) beschreibt er sich vor allem als Überlebender einer schweren Kinderkrankheit: Mit sieben Jahren erkrankte er an einer lebensbedrohlichen Form von Hirnhautentzündung, lag im Koma und verlor Teile seiner Erinnerung.

Dem amerikanischen Sender CNBC erzählte Lydon, was das für Folgen für die Musikwelt hatte: «Die Ärzte empfahlen meinen Eltern, mich permanent wütend zu machen, und diese Wut brachte mich erst in die Wirklichkeit zurück. Und daher ist bis heute Wut eine Form von Energie für mich.»

Bürgerschreck: Johnny Rotten (r.) mit dem 1979 an einer Überdosis gestorbenen Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious. (Bild: Keystone)

Bürgerschreck: Johnny Rotten (r.) mit dem 1979 an einer Überdosis gestorbenen Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious. (Bild: Keystone)

Das hat sich ausgezahlt. Erst mit den Sex Pistols, später mit der Band Public Image Ltd hat sich Lydon als einer der berühmtesten Antihelden Grossbritanniens etabliert und nebenbei Punkmode weltweit salonfähig gemacht. Angeblich weiss er nicht genau, welche Farbe seine Haare haben, weil er sie dauernd färbt. «Wahrscheinlich grau» vermutete er in einem Interview des «Telegraph».

Hasstiraden und Beschimpfungen
Mit ihrer Punk-Parodie auf «God Save the Queen» zum 25. Thronjubiläum schockierten die Sex Pistols 1977 - vor fast vierzig Jahren - das britische Establishment. Mit dem Album «Never Mind the Bollocks, Here's the Sex Pistols», ihren Hasstiraden und Publikumsbeschimpfungen lieferten die Pistols die Vorlage für die rebellische «No Future»-Jugend der Thatcher-Jahre.

John Lydon wohnt inzwischen in Los Angeles und ist seit bald vier Jahrzehnten mit der Deutschen Nora Forster verheiratet. Gerade hat er eine Nordamerika-Tournee mit Public Image Ltd beendet und bewirbt sein letztes Album «What the World Needs Now ...».

Aktuelle Nachrichten