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33 FRAGEN: «Lieber Melone als Steak»

Der Politsatiriker Andreas Thiel über seine Beziehung zum Bier, Ruhe auf den Bäumen und seine Philosophen-Lektüre, die von Platon zum unpünktlichen Sokrates führt.
Andreas Thiel (Bild: PD)

Andreas Thiel (Bild: PD)

Was ist der Sommer für Sie? Zeit der Musse oder des Müssens?

Ein lauer Sommerabend versetzt mich selten in Aufbruchstimmung.

Gönnen Sie sich in diesen Wochen bewusste Nachlässigkeit? Und wie?

Wenn mir der Sommer zu heiss wird, gönne ich mir ein kaltes Bier.

Was geht, trotz etwas lockerer Sitten, gar nicht?

Warmes Bier.

Für die einen ist der Sommer Traumzeit, für die andern Übergangszeit zwischen Frühling und Herbst. Für Sie?

In keiner anderen Jahreszeit kann man ein Gewitter so sehr geniessen wie im Sommer.

Bleiben Sie überzeugt daheim? Oder gehen Sie unverdrossen in den Süden?

Im Sommer, wenn alle Singvögel im Norden weilen, ziehen wir in den Süden, wo auf den Bäumen Ruhe herrscht.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich die Affenhitze im Ausland besser aushalten lässt als zu Hause?

In den Ferien trinkt man einfach mehr kaltes Bier.

Wohin führt Sie der Sommer heuer?

Wir sind gerade in Ligurien. Die Italiener sind die einzigen, die sich freuen, wenn man die Kinder mitbringt.

Was ist Ihr Sommer-Sehnsuchtsort?

Das Marzilibad in Bern.

Und wohin wollten Sie schon immer einmal?

Keine Ahnung, ich war ja noch nie dort, und anderswo ist es auch schön, aber da war ich schon.

Wenn Sie wählen können: Eistee oder Cüpli? Oder etwas ganz anderes?

Eine frisch aufgeschlagene Kokosnuss.

Gazpacho oder Wassermelone oder...

Gazpacho in Unmengen.

Vitello tonnato, T-Bone-Steak oder Couscous-Salat?

Dann doch lieber die Wassermelone.

Sind Sie der Sonnen- oder der Schattentyp?

Im Schatten bleibt das Bier länger kühl.

Gilt das auch im übertragenen Sinn?

Übertragen auf die Verrohung der Sitten? Ja.

Und wie ist es mit dem Wasser? Lieber drinnen oder draussen?

Ich habe noch nie ein Poesie­album mit so vielen Fragen ausgefüllt.

Sind Sie der Pool- oder Wildwassertyp?

Wer hat sich diese Fragen überhaupt ausgedacht? Muss jemand gewesen sein, der zu lange an der Sonne gelegen ist und zu viel warmes Bier getrunken hat.

«An einem Sommermorgen da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab», schrieb Theodor Fontane. Ein gutes Motto?

«Stell das Bier schon morgens kalt, sonst trinkst du es zu warm dann halt.»

Was ist Ihr Sommermotto?

Make love, not war.

Apropos Lektüre: Haben Sie Thriller, Sommerschnulze oder ernsthafte Gegenwartsliteratur in der Badetasche?

Origenes, Platon und Parthasaraty. Wobei ich überzeugt bin, dass alle drei mit der Beantwortung Ihrer Fragen überfordert wären.

Wenn Sie wählen müssten: «Der Fall Deltschev» von Eric Ambler, «Das kleine Inselhotel» von Sandra Lüpkes oder «Hagard» von Lukas Bärfuss?

Das kommt auf die Dicke an. Das Buch müsste circa 1,2 Zentimeter dick sein, damit ich den Schlafzimmerschrank in unserer Ferienwohnung so unterlegen kann, dass er nicht mehr wackelt.

Konkret: Was lesen Sie gerade?

Platon. Es beruhigt mich ungemein, zu wissen, dass Sokrates, wenn er irgendwo eingeladen war, auch immer zu spät kam.

Sommer – Zeit des Glücks. Des eigenen? Oder jenes der andern? Oder gar niemandes? Die meisten Ehen werden nach den Sommerferien geschieden.

Nach den Sommerferien ist bei uns kein Geld mehr übrig für eine Scheidung.

Umgekehrt: Was braucht es für Sie, damit die Sommerfrische nicht ein Phantom bleibt, das in der schwülen Nacht verdampft?

Jetzt werden Sie auch noch poetisch?

Apropos Illusion am Sommernachthimmel: Möchten Sie im Open-Air-Kino «Die göttliche Ordnung» sehen oder doch lieber wieder einmal «Pretty Woman»?

Ich fürchte mich so sehr vor staatlich subventionierten Filmen, dass ich mich für «Pretty Woman» entscheiden würde.

Hand aufs Herz: Ist die Vorfreude auf den Sommer nicht regelmässig grösser als die Befriedigung darüber, was er am Ende gebracht hat?

Gäbe es das ganze Jahr über Erdbeeren, wären auch diese nur gerade so süss, wie sie eigentlich sind.

Vielen geht es so: Sie kommen scheinbar erfrischt aus den Ferien. Sie wollen so viel wie möglich in den Alltag retten. Und eine Woche später erinnern sie sich kaum daran, wo sie gewesen sind. Wie geht es Ihnen?

Ich weiss nicht einmal mehr, der wievielte Espresso das heute schon ist.

Können Sie in den Sommerferien abschalten von der Arbeit? Oder bleibt es beim Vorsatz?

Abgesehen von Ihrem Fragekatalog?

Beunruhigt Sie die Abwesenheit der Arbeit, des Alltags manchmal?

Ja, bei Menschen, die nicht arbeiten.

Und die Arbeitskollegen, die von einem Tag auf den andern durch Familie und Freunde ersetzt wurden: Sehnen Sie sich insgeheim manchmal nach ihnen?

Bin ich krank?

Verschicken Sie noch Postkarten? Oder haben Sie einen Ferienchat?

Ich finde die PostCardCreator-App der Post ganz lustig.

Frank und frei: Was schreiben Sie Donald Trump auf die Postkarte, die Sie nie abschicken werden?

Liebe Grüsse aus Ligurien.

An welches Sommerferien­erlebnis erinnern Sie sich besonders gern?

An ein heisses Eishöhlenbad in einem thermischen Fluss mit Wasserfall tief unter dem isländischen Gletscher Kverkfjölljökull.

Und an welches erinnern Sie sich mit Schaudern?

An das Krachen der wohnzimmergrossen Eisbrocken, als das Gletschertor hinter uns einstürzte, kurz nachdem wir aus der dampfenden Eishöhle herausgeschwommen waren.

Fragenkatalog: Balz Bruder

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