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1400 Jahre mit Gallus: Neue Dauerausstellung zur Klostergeschichte St.Gallen

Der Stiftsbezirk St. Gallen öffnet sich dem Publikum und zeigt seine Schätze in drei kulturgeschichtlichen Ausstellungen. Die erste wird morgen eröffnet: Die neue Dauerausstellung spannt den Bogen von der Antike über Gallus bis zur Klosterauflösung.
Bruno Knellwolf
Letzte Handgriffe vor der Eröffnung der Ausstellung. (Bild: Benjamin Manser)

Letzte Handgriffe vor der Eröffnung der Ausstellung. (Bild: Benjamin Manser)

Gallus, nicht als alter Mann mit grauem Bart, sondern als tatkräftiger irischer Abenteurer, der als Mönch die Welt erobern will. So ist er auf der grossen Leinwand im Kinoabteil und als lebensgrosse Figur in der neuen Ausstellung «Gallus und sein Kloster. Eine Reise durch 1400 Jahre Kulturgeschichte» zu sehen.

Diese Reise kann man ab 20. Januar im einstigen Weinkeller des barocken ­ St. Galler Klosters antreten. In diesem ist es nicht mehr stickig feucht wie früher – mit Baumassnahmen, die eine Million Franken gekostet haben, ist dieser Klosterkeller museal gediegen und vor allem trocken geworden, damit darin Schätze aus zwei Jahrtausenden gezeigt werden können.

Vom Rückzug der Römer und dem Einzug der Alemannen

Die Kulturgeschichte in der neuen von Peter Jezler gestalteten Dauerausstellung beginnt im Jahr 612 mit Gallus’ Ankunft im Steinachtal. «Doch eigentlich geht sie weiter zurück, bis zum Ende des Römischen Reichs. Das, um zu zeigen, welche Rolle die Klöster gespielt haben bei die Bewahrung von Wissen und Kultur aus der Spätantike», sagt Franziska Schnoor, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stiftsbibliothek. Gezeigt werden deshalb archäologische Funde aus Arbon und römische Münzen aus der Sammlung der Stiftsbibliothek.

Nachdem das Römische Reich seine grösste Ausdehnung erreicht hatte, zogen die Römer um 300 die Grenze zurück an Bodensee und Hochrhein. Von Bregenz über ­Arbon erstreckte sich eine Kette von Kastellen bis nach Basel. Die Römer wurden weiter zurückgedrängt, die römisch-keltische Bevölkerung in der heutigen Deutschschweiz wurde im 6. Jahrhundert zunehmend von einströmenden Alemannen überlagert, welche die alemannische Sprache brachten.

Mönche werden zu Gelehrten

Zur gleichen Zeit entstand auf der irischen Insel eine aktive christliche Kultur. Gelehrte Mönche brachten antike Wissenschaft und christliche Spiritualität zusammen und gaben ihre Kultur als Missionare weiter.

Um 610 kam Kolumban und mit ihm der Mönch Gallus in den Bodenseeraum. Dieser trennte sich von seiner Gruppe, gelangte über Bregenz und Arbon bis ins Steinachtal, gründete eine Zelle, aus der sich bald ein Kloster, eine Siedlung und später die Stadt St. Gallen entwickelte. «Wir zeigen mehrere Aspekte des Frühmittelalters», sagt Schnoor.

Erste Lexika im Frühmittelalter

Das Kloster mit der Stiftsbibliothek wurde zur Schatzkammer der althochdeutschen Sprache.

«Im Frühmittelalter war die Bibliothek in St. Gallen sehr vielseitig: Antike Dichtung, Fachtexte, medizinische Texte, Gesetzessammlungen und Lexika waren zu finden.»

Einer der Höhepunkte im ersten Teil der Ausstellung ist denn auch das um 895 entstandene Evangelium Longum. «Ein Wunder der Überlieferung», sagt Stiftsbibliothekar Cornel Dora dazu.

Im frühmittelalterlichen Band aus St. Gallen mit Evangelienlesungen ist eine der wenigen Prachthandschriften der Karolingerzeit enthalten. «Den Einband zieren die grössten erhaltenen Elfenbeintafeln der Antike», sagt Dora.

Prachtband mit Elfenbein

Ein anderer Einband aus Elfenbein wurde wohl als Geschenk für Karl den Grossen geschnitzt, der im Jahr 800 vom Papst zum ersten Kaiser des westlichen Mittelalters gekrönt worden war und entscheidenden Anteil an der Christianisierung Europas hatte.

Von Karl dem Grossen geht es zum St. Galler Abt Gozbert, der um 825 den Neubau eines Klosters geplant hat. Von Gotzbergs Klosterkirche sind in der Ausstellung mächtige Säulen- und Pfeilerkapitelle zu sehen, die archäologische Grabungen in den 1960er-Jahren zu Tage gefördert hatten.

Kuriositäten und das Ende des Klosters

Im zweiten Teil der Ausstellung wird das Spätmittelalter beleuchtet, die Bedeutung der Fürstabtei sowie deren weltliche Macht. Gastvitrinen des Stadtarchivs zeigen die nicht immer einfachen Beziehungen zwischen der reformierten Stadt und dem katholischen Kloster. Interessant sind auch die verschiedenen Exponate aus dem Domschatz und aus der Kuriositätensammlung. Den Schluss der Ausstellung macht die Säkularisierung und das Ende des Klosters 1803.

Die Ausstellung richtet sich an ein internationales Publikum, das sich zu 15 Prozent aus asiatischen Besuchern, vor allem Japanern und Chinesen, zusammensetzt. Dementsprechend sind der Film aus Irland wie auch die Informationen auf den Smartboards in sieben Sprachen übersetzt.

Hinweis

Ausstellungen: «Gallus und sein Kloster», ab 20. Januar 2019; im März zu Abt Otmar und im April zum «Wunder der Überlieferung» mit dem Klosterplan

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