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1291 ist kein Gründungsjahr

Zwei neue Bücher handeln von jenem Mythos, der über Jahrhunderte der Eidgenossenschaft Halt und Rechtfertigung gewesen ist.
Rolf App
Ins Zentrum seiner Welt stellt der Einsiedler Mönch Albrecht von Bonstetten 1479 die Rigi. (Bild: Bild aus: Kurt Messmer, Die Kunst des Möglichen)

Ins Zentrum seiner Welt stellt der Einsiedler Mönch Albrecht von Bonstetten 1479 die Rigi. (Bild: Bild aus: Kurt Messmer, Die Kunst des Möglichen)

König Rudolf von Habsburg weiss: Seine Tage sind gezählt. Letzte Versuche scheitern, seinem Sohn Albrecht die Nachfolge an der Spitze des Heiligen Römischen Reiches zu sichern. Am 15. Juli 1291 stirbt Rudolf. Eine unruhige Zeit bricht an, bis Albrecht, als König zunächst übergangen, seine Herrschaft zu konsolidieren vermag. Auch in jenem Raum, der sich heute die Schweiz nennt. Wer sich nahesteht oder Ver­bündete braucht, versichert sich der Unterstützung anderer. Und so entsteht denn auch ein Landfriedensbündnis zwischen Uri, Schwyz und Unterwalden, das folgenlos und über Jahrhunderte unbeachtet bleibt – bis der His­toriker Wilhelm Oechsli es am Ende des 19. Jahrhundert zu dem Gründungsdokument der Eid­genossenschaft erklärt.

Gewitzte Schwyzer und ein König

Der Historiker Bruno Meier erzählt die Geschichte dieses Dokuments ungefähr in der Mitte eines Buches, in dem er, Monat um Monat, die Geschichte des Jahres 1291 Revue passieren lässt. Und es ist nicht eine einzige Geschichte, sondern es sind viele. Sie handeln zum Beispiel vom Verkauf der Stadt Luzern an die Habsburger – und von der Weigerung ihrer Anführer, sich den neuen Herren zu unterwerfen. Sie handeln von regionalen Fürsten, die sich auf die eine oder die andere Seite stellen, und die sich ihr Engagement teuer entgelten lassen. Sie handeln von gewitzten Kriegern wie den Schwyzern, die Rudolf am 19. Februar aufsuchen und sich urkundlich ihre alten Rechte bestätigen lassen. Sie wissen: Auch der König muss sich un­ablässig um Verbündete kümmern und seine Netzwerke pflegen, wie man heute sagen würde.

Ein besonderes Jahr ist 1291 nicht. Auch die zum «Bundesbrief» hochgejubelte Urkunde ist kein besonderes Dokument. Wie es gekommen ist, dass es noch immer so viel Wertschätzung ­geniesst, beschreibt ein zweites Buch von Kurt Messmer. In «Die Kunst des Möglichen» erzählt er, wie die dannzumal dreizehn Orte im 15. Jahrhundert tiefe Krisen be­wältigen, auch indem sie aus historischen Fakten und Sagen wie jener vom Meisterschützen eine verbindende Ursprungslegende weben. In der die Habsburger jene Bösewichte sind, die sie noch im 13. Jahrhundert nicht waren. Doch gegen innere Uneinigkeit hilft ein Feindbild immer. Am besten in Verbindung mit jenem Gefühl des Auserwähltseins, das etwa Albrecht von Bonstetten zum Ausdruck bringt.

Doch wie sah das Leben wirklich aus? Das erzählt der zweite Teil. Bevor dann der dritte Teil davon handelt, dass unser Geschichtsbild eben auch seine ­Geschichte hat. Weshalb dann auch ein unscheinbares Dokument von 1291 unvermutet Prominenz bekommen konnte.

Hinweis

Bruno Meier: 1291. Geschichte eines Jahres, 198 S., Fr. 32.90

Kurt Messmer: Die Kunst des Möglichen, 256 S., Fr. 53.90

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