Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Zugerin Cégiu ist
eine musizierende Poetin

Cégiu verzaubert mit ihrer Poesie und ihrer Eigenwilligkeit: Das neue Album der gebürtigen Zuger Musikerin ist ein atmosphärisches Werk mit Cello, Elektronik, Samples und Stimme.
Pimin Bossart
«Ich bin ein sehr rastloser Mensch», sagt die Musikerin Céline-Giulia Voser alias Cégiu.Bild: PD/Gian Marco Castelberg

«Ich bin ein sehr rastloser Mensch», sagt die Musikerin Céline-Giulia Voser alias Cégiu.Bild: PD/Gian Marco Castelberg

In den 33 Minuten von «Restless Roots» entwirft die Musikerin Céline-Giulia Voser alias Cégiu eine Klangwelt, in die man furchtlos eintauchen kann, obwohl es einem hier und dort leicht schauert ob den Klängen und erhabenen Stimmungen, die sie evoziert. Schon der erste Track «Il Silenzio – n’existe pas» ist solch ein Stück. Die betörende Intensität von Cégius Gesang, untermalt von dunklen Celloklängen und knisternden Beat-Geweben, erinnert an die bulgarischen Frauenstimmen, ist aber von den Klagegesängen der alten Frauen im Friaul inspiriert, wo ein Teil ihrer Familie herkommt.

Mit den gesungenen und oft auch rezitierten Texten richtet sie sich an Menschen, die ihr etwas bedeuten. Es sind Kondensate von imaginären Gesprächen, Situationen, Gedankengängen, wie sie schon auf ihrem Debüt «Skinny Souls» (2016) eine inhaltliche Richtung vorgaben. Das neue Album «Restless Roots» bezeichnet die Musikerin als eine Fortsetzung ihres mehrteiligen Langzeitprojektes «Talking With...», das eng mit ihrer Arbeitsweise des Sammelns und Transformierens gekoppelt ist. «Dadurch schaffe ich einen Austausch zwischen meinen persönlichen Wirklichkeiten und den Realitäten meines Gegenübers.»

Das Unterwegssein ist wichtig

Die Musik von Cégiu hat eine spezifische Aura. Die Melodien sind getragen von einer klassischen Ernsthaftigkeit, gleichzeitig zieht eine romantisch-avantgardistische Spur durch die Tracks oder kontrastieren harsche Elektro-Beats und Samples die träumerischen Atmosphären. Die Songs evozieren nicht das typische Singer-Songwriter-Universum. Sie sprechen stärker mit Stimmungen als mit erzählerischen Strophen und Refrains. Cégiu ist eine musizierende Poetin, die das Reduzierte und Emotionale sucht und nicht das Gekünstelte. Das zeigt ihre berührende Version des alten Volkslieds «Gang rüef de Bruune», mit dem sie das Album beschliesst.

Sagt der Albumtitel «Restless Roots» etwas aus über ihre ­temporäre Befindlichkeit? Es sei mehr als das, sagt sie mit einem Lächeln. «Es gehört zu meiner Wesensart. Ich bin ein sehr rastloser Mensch.» Ein richtiges Zuhause-Gefühl habe sie bis jetzt noch an keinem ihrer Wohnorte entwickeln können. «Wenn ich als Kind von einem Wohnhaus geträumt habe, ist das immer ein Wohnwagen gewesen.» Obwohl sie inzwischen mit ihrem Partner, der auch Musiker ist, und ihrem kleinen Sohn schon länger in Horw lebt, ist sie viel und gerne unterwegs. «Ich brauche das.»

Effizienz im New Yorker Studio

Der Bewegungsdrang, das Suchen und Erforschen, prägt auch ihre Arbeitsweise. «Ich möchte gerne mehr wissen, sauge vieles auf. In meiner Arbeit will ich vorwärtsgehen. Es würde mir seltsam vorkommen, wenn ich in zehn Jahren immer noch der gleiche Mensch wäre.» Sie reibt sich an gesellschaftlichen Fragen, kämpft mit den Tücken des Alltags, beschäftigt sich mit den verschiedenen Spannungsfeldern, wie Menschen ihren Weg finden. Nonstop fliessen die Eindrücke, graben die Gedanken. «In meinem Kopf drehen 1000 Windmühlen.»

Dieser innere und äussere Bewegungsdrang ist der Motor, der ihre Kreativität speist. Droht der Topf überzukochen, nimmt sie sich zwei, drei Tage Zeit, sucht Ordnung und Struktur und verarbeitet das bunte Arsenal aus Sätzen, Melodien, Notizen, Fragmenten zu Songs. «Das geht relativ schnell, wenn ich mal dran bin.» Effizient ist sie auch im Studio. «Ich habe das Material jeweils schon so durchdacht und ausgetüftelt, dass zwei Tage genügen.»

Aufgenommen hat sie die neuen Songs wiederum mit dem Co-Produzenten Aaron Nevezie in dessen Studio in New York. «Wir denken klanglich und musikalisch in die gleiche Richtung, da braucht es nicht viele Worte.» Diese Vertrautheit möchte sie nicht missen, Und auch nicht Brooklyn, wo sie sich wie zu Hause fühlt. Mit ihren restless roots.

Cégiu: Restless Roots (Vertrieb Irascible), 18. Mai, 13.00–3.00 Uhr Buskers, Emmen, 26. Mai, 17 Uhr: Burgbachkeller, Zug

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.