007 im Kino
Bond feiert Premiere in Zürich: Wie einem Schweizer Filmfestival der Coup gelungen ist

Es ist der am heissesten erwartete Film: Nun feiert der neue Bond Weltpremiere, auch in der Schweiz. Wie es zum Zürcher Coup gekommen ist.

Daniel Fuchs
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In «No Time to Die» kehrt Daniel Craig als Bond aus dem Ruhestand zurück.

In «No Time to Die» kehrt Daniel Craig als Bond aus dem Ruhestand zurück.

Bild: Nicole Dove / Imago

Sein Handy klingelt heiss. Seit das Zürcher Filmfestival ZFF am Wochenende melden konnte, der neue Bond «No Time to Die» feiere im Rahmen des Festivals Premiere, klopft die Polit-Prominenz beim ZFF-Direktor Christian Jungen an für Tickets.

Die fast schon verzweifelten Versuche, als erstes bei Bond dabei zu sein, zeigen: Das Kino zieht, einen Bond will man sich nicht entgehen lassen. «Auffallend ist, dass die meisten ihre Töchter, Söhne oder Neffen vorschieben, um an ein Ticket zu kommen. Die Politiker betonen, sie wollten ihren Angehörigen eine Freude machen», sagt Jungen und muss dabei etwas schmunzeln.

Die Top-Liste der Kinofilme in der Schweiz

1 Titanic (1997): 1,940 Millionen Tickets
2 Intouchables (2011) 1,446 Millionen
3 Bond – Skyfall (2012): 1,199 Millionen
4 Avatar (2009): 1,166 Millionen
5 Finding Nemo (2003): 1,115 Millionen
6 Ice Age 2 (2006): 1,066 Millionen
7 Ice Age 3 (2009): 1,064 Millionen
8 Harry Potter 1 (2001): 1,055 Millionen
9 Bond – Spectre (2015): 1,028 Millionen
10 Die Schweizermacher (1978): 941971
11 Lord of the Rings 3 (2003): 920076
12 Lord Of The Rings 1 (2001): 904925
13 Lord Of The Rings 2 (2002): 902308
14 Harry Potter 2 (2002): 863483
15 Bond – Casino Royale (2006): 853442
19 Madagascar 2 (2008): 830141
18 Bond – Die Another Day (2002): 821715
19 Bond – The World Is Not Enough (1999): 818774
19 Bienvenue chez les Ch’tis (2008): 809310
20 Bond – Quantum Of Solace (2008): 802177

Im ZFF-Büro in Zürich stehen letzte Vorbereitungen an, das Festivalprogramm wird nächste Woche präsentiert. Wir treffen den ZFF-Chef bereits jetzt für ein paar Fragen. Mit der Bond-Premiere sei ein Coup gelandet worden, rühmte sich Jungen. Noch nie sei ein Bond-Film in der offiziellen Sektion eines Filmfestivals gelaufen.

Eigentlich muss man von einer Zürcher Weltpremiere sprechen

Und es stimmt: Jungen und sein Team haben einen Coup gelandet. Am 28. September steigt, ganz der Tradition der britischen Agentengeschichte entsprechend, in London die Weltpremiere von «No Time to Die». Es ist ein Dienstag, der Film beginnt um 21 Uhr Schweizer Zeit.

Nur eine Viertelstunde später, um 21.15 Uhr heisst es im Zürcher Kongresshaus auf einer extra installierten Grossleinwand und vor 1300 Zuschauern Film ab! Technisch gesehen darf das ZFF nicht von einer Weltpremiere sprechen, denn diese ist London vorbehalten. Trotzdem: Das ZFF holt Bond und damit den vielleicht sehnlichst erwarteten Film aller Zeiten nach Zürich.

Trailer «No Time to Die».

Quelle: Universal Schweiz / Youtube

Ursprünglich mit einem Starttermin noch vor der Pandemie, Ende 2019 geplant, wurde der Kinostart mitten in die Pandemie gelegt und musste abermals verschoben werden. Aus Angst vor einem ungenügenden Einspielergebnis schoben das Studio und die Verleiher «No Time to Die» auf die lange Bank. Am 30 September, zwei Tage nach der Premiere in London und Zürich, ist offizieller Kinostart.

Jungen spricht gerne darüber, wie ihm das Kunststück gelungen ist. Und es sei alles andere als einfach gewesen, im Gegenteil, er spricht von ermüdenden und langwierigen Verhandlungen.

Jedenfalls war es das ZFF, das bei Universal Schweiz, dem hiesigen Verleiher der Bond-Filme, eine Premiere im Rahmen des Festivals in Zürich vorschlug. «Das ging zum Studio nach London, doch dort reagierte man zunächst zurückhaltend», erzählt Jungen.

Doch in den ZFF-Büros gab man nicht auf. «Wir erarbeiteten mit Universal Schweiz ein Konzept, das beinhaltete, die Verdienste von Daniel Craig als Bond in einer Retrospektive zu würdigen», so Jungen.

Zudem sei mit dem Kongresshaus Zürich, eine «Location dazugekommen, die auch Bond-like ist», wie Jungen sagt. «Die muss Kapazität bieten, das Ambiente muss stimmen und auch der Ort.» Universal Schweiz will auf Anfrage dieser Zeitung nicht sagen, was am Ende ausschlaggebend war für den Zuschlag an Zürich.

Schweiz als weltweit wichtiger Markt für den Bond-Franchise

Die Schweiz ist Bond-Territorium. Das hat nicht nur mit dem bekanntesten Drehort Schilthorn in den Bergen und Aushängeschildern wie Ursula Andress (Bond-Girl), Marc Forster (Bond-Regisseur) oder Anatole Taubmann (Bond-Bösewicht) zu tun, sondern auch mit dem Kultstatus, der Bond hierzulande geniesst.

Für die Bond-Macher gehört die Schweiz zu den weltweit wichtigsten Absatzmärkten der 007-Abenteuer. In der Top 20 der beliebtesten Kinofilme in der Schweiz finden sich sechs aus der 007-Reihe.

Natürlich, das Zürcher Festival hat das Glück des richtigen Zeitpunkts. Hätte es aber nicht den Zuschlag für die Premiere erhalten, so wäre eine etwas peinliche Situation entstanden.

Zwei Optionen wären auf dem Tisch gelegen: Bond hätte anderswo als in der Schweizer Filmhauptstadt gezeigt werden müssen, oder aber in Zürich hätten sich das ZFF und die Bond-Premiere gegenseitig mit ihren Happenings konkurriert.

So gesehen lastete der Druck auf der ZFF-Crew schwer. Ohne Bond stattzufinden hätte als Armutszeugnis ausgelegt werden können. Und so viel ist klar, das bezeugt Jungens dauerklingelndes Handy: Ein Teil der Prominenz hätte am Abend des 28. September auf einer anderen Hochzeit als dem ZFF getanzt.

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