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Zwei Uigurinnen über die Lager-Schikanen: «Wir durften zwei Minuten duschen – pro Monat»

Geheimdokumente enthüllen die Verfolgung der Uiguren und Anleitungen zur massenhaften Internierung der muslimischen Minderheit in Nordwestchina. Die Rede ist von über einer Million Inhaftierten. Ein China-Experte spricht von «kulturellem Genozid» und «Gehirnwäsche». Zwei frühere Insassinnen berichten von ihren Erlebnissen.

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(sam) Veröffentlichte Dokumente, China Cables genannt, beweisen: In der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas werden Uiguren und andere muslimische Minderheiten willkürlich inhaftiert und indoktriniert. Erst waren es Gerüchte, die die chinesische Regierung immer wieder dementierte. Statt von Umerziehungslagern sprach China von Berufsbildungszentren, der Aufenthalt sei freiwillig.

Die Dokumente, die dem internationalen Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) zugespielt wurden, zeichnen ein anderes Bild: Die Details lassen keine Zweifel an den Absichten der chinesischen Führung offen. Das Journalistenkonsortium hat die Dokumente geprüft und für echt befunden.

«Es gibt detaillierte Anweisungen, wie Türen zu verschliessen sind, damit die ‹Studenten› nicht flüchten können», sagt Adrian Zenz, Experte für Muslime in China vom ICIJ. Es gebe auch Anweisungen für Polizeieinsätze, für Streifen. Oder für Überwachungssysteme, die keine toten Winkel haben dürfen.

«Sie sagten, der Islam sei eine Krankheit»

«Uns wurde eingetrichtert, wir seien vergiftet durch unsere Religion», berichtet eine frühere Insassin im Video. Demnach werden die Inhaftierten gezwungen, ihrer Religion abzuschwören und sich der Ideologie der Kommunistischen Partei zu unterwerfen. «Sie sagten uns, der Islam sei eine Krankheit.»

Aus den Papieren gehen mehr als zwei Dutzend Regeln für den Betrieb der Lager hervor, wie der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung schreibt. Unter anderem heisst es: «Es dürfen auf keinen Fall Ausbrüche vorkommen.» Alle Zimmer und Gänge müssten streng abgesperrt werden. Auch von Züchtigung der Internierten sei die Rede. Mit einem Punktesystem würden sie bewertet.

Eine andere Insassin berichtet von streng vorgeschriebenen Pinkelpausen: «Jede Stunde hatten wir zehn Minuten Zeit. In dieser Zeit mussten wir alle gehen.» Das Zeitfenster sei jedoch zu knapp bemessen, als dass sich alle erleichtern könnten. «Um Zeit zu sparen, haben wir uns nicht einmal die Hände gewaschen», so die Frau. Hygiene wurde den Insassen generell verwehrt: Laut der Frau erhalten sie lediglich zwei Minuten pro Monat, um sich mit kaltem Wasser zu duschen.

Die Umerziehungslager zielten darauf, ethnische Minderheiten zu eliminieren, sagt Experte Adrian Zenz. «Das ist kultureller Genozid, das ist Gehirnwäsche.»

Auch jetzt streitet die Regierung in Peking jegliche Echtheit der veröffentlichten Dokumente ab. Die chinesische Botschaft in London teilte der Zeitung Guardian mit, die Dokumente seien «reine Fälschung». «Hören Sie nicht auf diese Fake-News», sagte Botschafter Liu Yiaoming vor den Medien.