Zwei Täter waren polizeibekannt

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London-Anschläge Noch immer sind nicht alle Toten der jüngsten Anschläge von London zweifelsfrei identifiziert. Jetzt ist eine Debatte über die Attentäter der Anschläge vom Pfingstwochenende entbrannt. «Wie konnte er davonkommen?», fragte der «Daily Mir­ror» gestern neben einem Foto des 27-jährigen Khuram Butt.

Über Butt wussten Polizei und Geheimdienst tatsächlich sehr viel. Der in Pakistan geborene Mann gehörte zu den Anhängern des mittlerweile inhaftierten Hasspredigers Anjem Choudary und dessen längst verbotener Islamistengruppe Al-Muhajiroun. Aus seiner Moschee in Ost-London war der junge Mann herausgeflogen, nachdem er 2015 demokratische Wahlen als «un­islamisch» bezeichnet hatte. Unabhängig voneinander meldeten sich im selben Jahr zwei Nachbarn Butts bei der Terror-Hotline der Behörden. Daraufhin sei er einer Überprüfung unterzogen worden, berichtete der zuständige Abteilungsleiter bei Scotland Yard, Mark Rowley. «Aber es gab keine Hinweise auf eine geplante Attacke.» Butt blieb auf freiem Fuss und agierte in einem Dokumentarfilm des Senders Channel Four über die «Dschihadisten von nebenan».

Italienische Behörden hatten zweiten Täter im Visier

Einen seiner Mittäter, den 22-jährigen Yussef Zagba, hatte vor gut einem Jahr die italienische Grenzpolizei in Bologna sistiert. Die Beamten fanden auf seinem Telefon Propagandamaterial des IS. Weil sie annahmen, Zagba wolle nach Syrien weiterreisen, hinderten sie ihn am Flug nach Istanbul und setzten den jungen Mann auf eine Liste islamistischer Verdächtiger. Diese sei auch den britischen Behörden zugänglich gemacht worden, berichtete die italienische Polizei der BBC.

Der Londoner Polizei aber scheint Zagba ebenso unbekannt gewesen zu sein wie der dritte Täter Rachid Redouane, der wie Zagba aus Marokko stammt und ein 30-jähriger Koch war. (sbl)