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Fall Kashoggi: Zur falschen Zeit am falschen Ort

Die Nähe zu den Muslimbrüdern und ihrem Schutzherrn Erdogan wurde dem saudischen Journalisten und Regimekritiker Jamal Kashoggi vermutlich zum Verhängnis.
Joseph Croitoru
Ein Foto des mutmasslich ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi. Bild: Jacquelyn Martin/AP (Washington, 10. Oktober 2018)

Ein Foto des mutmasslich ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi.
Bild: Jacquelyn Martin/AP (Washington, 10. Oktober 2018)

Dem vermutlich getöteten saudischen Journalisten Jamal Kashoggi wurde nicht nur seine Kritik an der Politik des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zum Verhängnis, sondern auch der Ort, an dem er sie in den letzten Monaten äusserte – nämlich Istanbul. Dass er sich dort seit Sommer aufhielt, hängt mit seiner Nähe zu den von der AKP-Regierung protegierten Muslimbrüdern zusammen, die ihm nach­gesagt wird. Entscheidend für dieses Image war 2013 die Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel «Frühling der Araber – Zeit der Muslimbrüder», in dem er schrieb, dass die damals bei den ersten Wahlen erfolgreichen islamistischen Akteure Vorreiter eines demokratischen Wandels sein könnten.

Als das Buch erschien, hatte sich jedoch das Rad der Geschichte schon weitergedreht, und die Ereignisse in Ägypten überschlugen sich. Der Riss in der arabischen Welt zwischen Islamisten und Säkularisten wie Monarchisten wurde noch tiefer. In Ägypten schlug kurze Zeit später die Armee zu. Saudi-Arabien stützte das Militärregime mit Finanzspritzen. Kashoggi wurde seine Sympathie für die Muslimbrüder, die er als zu Unrecht Verfolgte in Schutz nahm, im konservativen und säkularen Lager nie verziehen: Vielen galt er dort von nun an als «verkappter Muslimbruder».

Als Saudi-Arabien mit den Muslimbrüdern 2015 endgültig brach, wurde es für Kashoggi immer enger. Der Verhaftungswelle von Regimekritikern im Herbst 2017 konnte er entrinnen, indem er sich in die USA absetzte. Bald schien für ihn als Kritiker des Kronprinzen wie auch der Auslandspolitik Trumps die Türkei der sicherere Ort zu sein.

Handschlag mit Erdogan

Dort begannen ihn staatsnahe Kreise Arabisch sprechender Türken zu hofieren, die der AKP-Regierung als Scharnier beim Ausbau ihrer Beziehungen zu arabischen Islamisten dienen. Im Februar nahm Kashoggi in Istanbul an einer Tagung des AKP-nahen Al-Sharq-Forums teil. Diesem gab er ein Interview, in dem er die Reformen in seinem Heimatland begrüsste, aber auch forderte, dass sie die einheimische Presse kritisch reflektieren dürfte. Dem Kronprinzen Mohammed warf Kashoggi vor, mit seinen repressiven Massnahmen in alte Praktiken zurückzufallen. Der Kronprinz müsse endlich seine Obsession bei der Verfolgung des politischen Islams aufgeben.

Bei einer anderen Konferenz des Al-Sharq-Forums lernte der Saudi im Mai die 23 Jahre jüngere fromme türkische Wissenschafterin Hatice Cengiz kennen, die sich in einem Umfeld bewegt, in dem die saudische Politik vehement kritisiert wird. Die beiden entschieden sich rasch zur Heirat, und Kashoggi kaufte eine Wohnung in Istanbul. Nun verdichteten sich seine Kontakte zu Regierungskreisen. Erst nach Kashoggis Verschwinden veröffentlichte seine Verlobte, von der selbst seine engsten Familienmitglieder bis dahin nichts wussten, auf Twitter ein Foto, das den Saudi bei einem Handschlag mit Erdogan zeigt. Tatsächlich entwickelte der Saudi immer grössere Sympathien für Erdogan, was für Riad offenbar ein besonderes Ärgernis war.

Als Kashoggi am 28. September das saudische Konsulat aufsuchte, wo er wenige Tage später die dort beantragten Scheidungsunterlagen abholen sollte, bot sich den Saudis eine günstige Gelegenheit – und man hatte genügend Zeit, das Vorgehen zu planen: Kashoggi reiste, ehe er am 2. Oktober das Konsulat wieder betrat, wie vorgesehen zu einer Konferenz nach London – es war vermutlich seine letzte.

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