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Zivile Opfer statt Waffenruhe

Dauerbombardements der syrischen und russischen Luftwaffe zum Auftakt einer neuen Grossoffensive der Assad-Armee auf Aleppo. Bodentruppen warten noch auf «grünes Licht» aus Moskau.
Michael Wrase/Limassol
Anwohner suchen in Aleppo nach den erneuten russisch-syrischen Bombardements in der Nacht auf gestern nach Opfern. (Bild: «Weisshelme» via AP)

Anwohner suchen in Aleppo nach den erneuten russisch-syrischen Bombardements in der Nacht auf gestern nach Opfern. (Bild: «Weisshelme» via AP)

Einen Tag nach der Verleihung des alternativen Nobelpreises an seine «Weisshelme» rechnet der Chef der syrischen Zivilverteidigung in Aleppo, Ammar al-Selmo, «mit dem Allerschlimmsten». «Seit dem frühen Morgen kreisen die Kampfgeschwader der russischen und syrischen Luftwaffe über der Stadt», berichtete der Lebensretter im Skype-Interview. Im Gegensatz zu früher würden bis zu fünf Kampfflugzeuge gleichzeitig Aleppo angreifen. Die Abstände zwischen den infernalischen Angriffswellen seien nur gering.

«Dieses Mal wollen sie uns wirklich vernichten», fürchtet Salmo, der eine Stunde später nicht mehr erreichbar war. Aktivisten hatten zu diesem Zeitpunkt gemeldet, dass vier der fünf «Weisshelm»-Zentren in Ost-Aleppo von russischen Kampfbombern «vorsätzlich» angegriffen worden seien.

Zynische Propaganda des Assad-Regimes

Die Berichte aus dem eingekesselten Aleppo lassen sich nicht überprüfen, da sowohl das Regime in Damaskus als auch die Rebellen die Arbeit internationaler Medien behindern oder ganz unterbinden.

Allerdings wurden die Eindrücke der Aktivisten und Lebensretter gestern auch von bekannten Bürgerjournalisten bestätigt. Fast die gesamte Nacht auf gestern habe die Stadt in ihren Grundfesten gebebt, erzählt Aqeel Abdulaziz. Panisch vor Angst hätten einige Familien versucht, in den von der Assad-Armee kontrollierten Westen von Aleppo zu fliehen. Ob sie dort ankamen, wisse er nicht. Eine Grossoffensive zur Rückeroberung von ganz Aleppo hatte das Regime in Damaskus bereits am Donnerstagabend angekündigt. Bürger, die sich von «Terroristen», also Stellungen von Rebellen, fernhielten, hätten «nichts zu befürchten», lautete der zynische Rat der Armeeführung, dessen Oberkommandant die seit Wochen andauernde Belagerung von Ost-Aleppo glattweg abstritt.

«Wenn Waffen und Munition die Rebellenviertel erreichen, dann sollte auch die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten kein Problem sein», sagte Bashar al-Assad im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press. «Würde Aleppo wirklich von uns belagert, dann wären die Leute dort schon längst tot.» Bis zu 90 Zivilisten sollen aber seit Donnerstagnacht im Grossraum Aleppo bei Luftangriffen ums Leben gekommen sein.

Bodenoffensive oder Einigung in letzter Minute?

Die Bodenoffensive, an der sich neben 1750 Soldaten von Assads Republikanergarde auch Schiitenmilizen aus Libanon und Irak beteiligen wollen, hat nach Erkenntnissen des regimenahen Internetportals Al Masdar anscheinend noch nicht begonnen. Das Oberkommando der Armee warte noch auf das «grünes Licht aus Moskau».

Westliche Diplomaten in Libanon halten es für möglich, dass die russische Führung noch weitere für Freitagnacht anberaumte Gespräche seines Chefdiplomaten Sergej Lawrow mit US-Aussenminister John Kerry abwarten will. Dabei soll es vor allem um die Frage gehen , ob Russland den amerikanischen Vorschlag akzeptiert, zumindest für mehrere Tage auf den Einsatz von Militärjets über syrischem Gebiet zu verzichten. Lawrow, heisst es, habe den Vorschlag abgelehnt, aber eine Hintertür offengelassen. Er wolle noch einmal mit Moskau Rücksprache halten. Für neue russische Angebote soll auch John Kerry, der aus seiner Frustration keinen Hehl machte, offen sein.

Bis zu einem Ergebnis werden die russischen und syrischen Luftwaffen ihre so verheerenden Bombardements auf Ost-Aleppo fortsetzen. Wie schon vor zwei Wochen, als die von Kerry und Lawrow ausgehandelte Waffenruhe in Kraft trat, will das Regime in Damaskus seine Gegner weiter zur Kapitulation zwingen.

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