Zerreissprobe für Frankreichs Rechte

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Präsidentschaftswahl Er danke all jenen, die in ihm einen Ausweg aus dem internen Kandidatenstreit sähen, meinte Alain Juppé gestern in einem Medienauftritt. «Aber es ist zu spät», fügte der 71-jährige Ex-Premier mit erloschener Stimme an. Frankreich sei ein krankes Land, das einen Neuanfang brauche, und er könne dies in seinem Alter nicht gewährleisten. Zudem lasse sich sein Parteifreund François Fillon von «Starrsinn» leiten, indem er an seiner Kandidatur festhalte.

Aus diesem doppelten Grund machte Juppé mit Blick auf die Wahlen von Ende April klar: «Ich bestätige ein für alle Mal, dass ich nicht Präsidentschaftskandidat sein werde.»

Neuer Kandidat als Kompromisslösung?

Fillon, der offizielle Kandidat der französischen Republikaner, dem ein Strafverfahren wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder droht, hatte am Sonntag klargemacht, dass er sich nicht zurückziehen will. Das Problem liegt darin, dass Fillon in den präsidialen Meinungsumfragen auf den dritten Platz zurückgefallen ist; die Stichwahl im Mai würden demnach die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der junge Mittepolitiker Emmanuel Macron unter sich ausmachen.

Bei den einst so siegessicheren Republikanern macht sich langsam Panik breit. Gestern Abend traf sich das Parteibüro zu einem Krisentreffen, an dem Ex-Präsident Nicolas Sarkozy zu vermitteln suchte. Dabei kam auch die mögliche Kandidatur von Ex-Minister François Baroin zur Sprache. Der 51-jährige Ex-Innen- und -Finanzminister hält zu Fillon und könnte eine Kompromisslösung darstellen. Profitieren könnte am Ende Marine Le Pen. (sbp)