Zentralsyrien ist umkämpft

Bombenexplosionen in der Militärakademie der Millionenstadt Homs. Greifen immer mehr Oppositionelle zu den Waffen?

Michael Wrase
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limassol. Die Militärakademie von Homs ist am Wochenende von zwei starken Explosionen erschüttert worden. Anschliessend sei es zu heftigen Schiessereien auf dem Gelände gekommen, berichten Einwohner von Homs. Über die Hintergründe gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Beobachter in Libanon halten sowohl eine Meuterei von Soldaten als auch einen Anschlag oppositioneller Milizen für möglich.

Symbolträchtiger Ort

Diese werden vom Assad-Regime auch beschuldigt, einen Reisezug in der Nähe von Homs zum Entgleisen gebracht zu haben. Dabei kam der Lokführer ums Leben. 14 der 480 Passagiere wurden verletzt. Bei ihnen handle es sich vor allem um Soldaten, die zur Niederschlagung der Rebellion nach Homs gebracht werden sollten, hiess es im antisyrischen «Future TV» aus Beirut.

Die Militärakademie von Homs ist ein symbolträchtiger Ort. Hafis al-Assad, Vater des amtierenden Präsidenten, wurde dort zum Staffelkapitän der Luftwaffe ausgebildet und sein Sohn nach einem Schnellkurs zum Oberst der Panzerstreitkräfte befördert.

Wichtige Millionenstädte

Das «Wall Street Journal» zitierte einen Deserteur, der gemeinsam mit Gesinnungsgenossen in Homs 20 regimetreue Soldaten erschossen haben will. Auch sollen vier Panzer und sieben Truppentransporter zerstört worden sein. Die Erfolgsmeldungen des Deserteurs, der sich als «Oberst Housam» vorstellte, mögen übertrieben sein. Vieles deutet aber daraufhin, dass nach dem brutalen Vorgehen der Armee in Homs zumindest Teile der Opposition ihre pazifistische Grundhaltung aufgegeben und zu Waffen gegriffen haben, die aus Libanon ins Land geschmuggelt werden.

Damit wachse die Gefahr, dass das Assad-Regime nach dem von der Opposition erzwungenen Rückzug der Armee aus der Revolutionshochburg Hama auch die Kontrolle über die Millionenstadt Homs verlieren könnte, heisst es in einem Bericht der auf Sicherheitsfragen spezialisierten Londoner Beratungsfirma «Exclusive Analysis». Beide Städte liegen nur 40 Kilometer auseinander. Sie bildeten eine «strategisch bedeutende Insel in Zentralsyrien», von der die Kommunikationslinien zwischen dem südlichen Damaskus und dem nördlichen Aleppo gestört werden könnten.

Hilfe aus Irak?

Auch an der Grenze zu Irak hat es das Regime anscheinend mit meuternden Soldaten zu tun. Sie sollen in der Stadt Al-Bukamal die Kontrolle über Regierungsgebäude übernommen haben, unterstützt von Stammesmilizen aus der irakischen Grenzstadt Qaim.