Zeitstrahl
Von den Mongolen bis zur russischen Annexion 2014 – die bewegte Geschichte der Halbinsel Krim

Die russisch besetzte Krim am Nordufer des Schwarzen Meers ist einer der Zankäpfel zwischen Russland und der Ukraine. In ihrer Geschichte erlebte sie zahlreiche Herrschaftswechsel und Konflikte. Die wichtigsten Eckpunkte finden Sie im Zeitstrahl.

Hans-Caspar Kellenberger
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Die Halbinsel war eine beliebte Tourismusregion. (Im Bild: Die Bucht von Balaklawa)

Die Halbinsel war eine beliebte Tourismusregion. (Im Bild: Die Bucht von Balaklawa)

Oleksandr Prykhodko/fotolia

Die Krimtataren unter osmanischer Herrschaft

In der Antike ist die Krim zunächst von den Stämmen der Kimmerer und der Taurer bewohnt. Nachdem daraufhin Griechen, Römer, Hunnen, Chasaren und Tataren die Halbinsel beherrschen, verfügen die Mongolen der «Goldenen Horde» im 13. Jahrhundert über weitreichende Handelsbeziehungen von der Krim aus.

In Folge der Auflösungserscheinungen der «Goldenen Horde» entsteht um 1430 das Khanat der Krimtataren. 1475 bereits steht dieses dann unter der Kontrolle des expandierenden Osmanischen Reichs, das den Krimtataren jedoch ein gewisses Mass an Autonomie lässt. Die Tataren unternehmen von der Krim aus zahlreiche Raubzüge in das ukrainische und russische Binnenland.  

Teil des russischen Kaiserreichs

Dies wiederum veranlasst Russland zu Feldzügen gegen die Krim. Mithilfe der Russen wird das Khanat der Krimtataren 1774 vom Osmanischen Reich losgelöst. Zugleich jedoch fördert das Russische Kaiserreich die Russifizierung der Halbinsel, was zu einer Fluchtbewegung der Tataren in die heutige Türkei führt. 1783 deklariert Kaiserin Katharina II. die Krim erstmals formell als Teil Russlands. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird die Hauptstadt Sewastopol zum Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte ausgebaut.

Das Bild von Franz Alexejewitsch Roubaud stellt die Belagerung Sewastopols (1853-1855) im Krimkrieg dar.

Das Bild von Franz Alexejewitsch Roubaud stellt die Belagerung Sewastopols (1853-1855) im Krimkrieg dar.

Zvg / Wikipedia

Infolgedessen zementiert Russland im Krimkrieg (1853 - 1856) gegen das Osmanische Reich und dessen Verbündete Frankreich und Grossbritannien seinen Einfluss in der Schwarzmeerregion. Die Schlacht um Sewastopol geht als erste «Materialschlacht» in die Geschichte ein. Der Krimkrieg wird deshalb als der erste «industrielle» Krieg angesehen, der die Schrecken der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert vorweg nimmt.

Unter Bolschewistischer und Deutscher Herrschaft

Nach der Oktoberrevolution 1917 rufen die Krimtataren die «Volksrepublik Krim» aus – der erste Versuch einer säkular-demokratischen Ordnung in der islamischen Welt. Nachdem die Rote Armee daraufhin siegreich aus den Wirren des russischen Bürgerkriegs hervorgeht, wird die Krim 1921 zur autonomen Republik innerhalb Sowjetrusslands ausgerufen. Von 1941 - 1944 besetzt die deutsche Wehrmacht die Halbinsel im Zuge von Hitlers Russland-Feldzug. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung wird ermordet. 

Vom autonomen Gebiet zur einfachen Oblast

Der russische Diktator Josef Stalin lässt nach der Rückeroberung der Halbinsel fast alle noch auf der Krim lebenden Tataren, unter dem Vorwurf der Kollaboration mit NS-Deutschland, nach Zentralasien deportieren. Nach der Konferenz von Jalta (Badeort auf der Krim) der Alliierten 1945 entzieht Stalin der Krim den Status als autonome Sowjetrepublik. Von da an wird sie zu einer einfachen Oblast der russischen Sowjetrepublik und Teil der UdSSR. 

Die Eingliederung in die sowjetische Ukraine

Ein Jahr nach Stalins Tod wird die Krim der Ukrainischen sozialistischen Sowjetrepublik (USSR) zum 300. Jahrestag der Vereinigung von Russen und Ukrainern (Perejaslav 1654) übergeben. Hintergrund ist der erste ostslawische Staat der «Kiewer Rus».

Nikita Chruschtschow übergab die Krim 1954 der USSR.

Nikita Chruschtschow übergab die Krim 1954 der USSR. 

O.ang. / FRO

Sowjetische Autoren bezeichnen den Transfer der Krim darum oftmals als «Geschenk» des damaligen Kremlchefs Nikita Chruschtschow, der selbst aus der Ukraine stammte. Andere wiederum erkennen keinen Alleingang Chruschtschows, da der Machtkampf um Stalins Nachfolge zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war.

Die Ukraine wird unabhängig, die Krim erhält Autonomierechte

1991 erklärt sich die Ukraine im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion für unabhängig – einschliesslich der Krim. Im Dezember desselben Jahres stimmen im Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine 54 Prozent der Wähler auf der Krim mit Ja. Ein Referendum über die Unabhängigkeit der Krim wird dennoch angestrebt, jedoch mit erheblichem politischen Druck aus Kiew verhindert. Als Kompromiss wird der Krim 1992 der Status einer autonomen Republik innerhalb der Ukraine zugestanden.

Ein Kriegsschiff der russischen Schwarzmeerflotte feuert im Juni 2022 eine Rakete auf ukrainisches Territorium ab. 1997 wurde der Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte und deren Stützpunkt in Sewastopol auf der Krim geregelt.

Ein Kriegsschiff der russischen Schwarzmeerflotte feuert im Juni 2022 eine Rakete auf ukrainisches Territorium ab. 1997 wurde der Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte und deren Stützpunkt in Sewastopol auf der Krim geregelt.

Russian Defense Ministry Press Service

Ein Streitpunkt zwischen Russland und der Ukraine bleibt indes die Stadt Sewastopol, der Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte. Das russische Parlament erklärt Sewastopol 1993 zur russischen Stadt auf fremdem Territorium (nach dem Vorbild Gibraltars). Erst der Vertrag von 1997 jedoch regelt auf 20 Jahre die Aufteilung der Flotte und den Verbleib der russischen Marine auf der Krim. 2010 wird die Vereinbarung bis 2042 verlängert.

Völkerrechtswidrige Annexion durch Russland

Nach den politischen Spannungen in der Ukraine im Zuge des «Euromaidans» und der Flucht von Präsident Wiktor Janukowitsch im Februar 2014 kommt es in der Stadt Simferopol auf der Krim zu Auseinandersetzungen zwischen antirussischen und moskautreuen Demonstranten. Ab dem 27. Februar besetzen gar Bewaffnete mit grünen Uniformen ohne Hoheitszeichen, international als «grüne Männchen» bekannt, das regionale Regierungsgebäude in Simferopol sowie Flughäfen und weitere wichtige Infrastruktur.

Maskierte Soldaten ohne Hoheitsabzeichen kaufen im März 2014 in einem Supermarkt in Perevalne auf der Krim ein. International wurden sie als «grüne Männchen» bezeichnet.

Maskierte Soldaten ohne Hoheitsabzeichen kaufen im März 2014 in einem Supermarkt in Perevalne auf der Krim ein. International wurden sie als «grüne Männchen» bezeichnet.

Vadim Ghird / Keystone

Der Vorsitzende des Ministerrats der Krim wurde unter Hausarrest gestellt und an seiner Stelle ein prorussischer Agitator eingesetzt. Die darauf folgende Abspaltung der Krim und deren Eingliederung in die Russische Föderation ist auf internationaler Ebene bis heute nicht anerkannt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hält im März 2022 eine Rede auf der Krim. Dies anlässlich des achten Jahrestags des Anschlusses der Halbinsel an Russland.

Der russische Präsident Wladimir Putin hält im März 2022 eine Rede auf der Krim. Dies anlässlich des achten Jahrestags des Anschlusses der Halbinsel an Russland.

Alexander Vilf / AP Pool Sputnik