Zahl der Virus-Toten steigt - China verschärft Massnahmen deutlich 

Über 50 Tote, fast 2000 Infizierte: Seit Tagen will China die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Nun verschärft Peking die Massnahmen. Andere Länder wollen ihre Bürger aus Wuhan zurückholen. Ein Experte geht von einem langen Kampf gegen das Virus aus.

 
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Eine Chinesin liest die Anordnungen der Regierung zum Coronavirus in einer Bus-Station in Peking. (Bild: Keystone)

Eine Chinesin liest die Anordnungen der Regierung zum Coronavirus in einer Bus-Station in Peking. (Bild: Keystone)

Verdachtsfälle in der Schweiz: Zwei Personen mit Verdacht auf Coronavirus im Zürcher Triemli-Spital

  • Derzeit werden im Zürcher Spital Triemli zwei Personen behandelt, die sich möglicherweise mit dem Coronavirus angesteckt haben. Sie befinden sich in Quarantäne.
  • Gemäss der Gratiszeitung «20Minuten» bestätigt die Direktorin des Spitals: «Im Stadtspital Triemli werden aktuell zwei Personen abgeklärt, die nach einem Aufenthalt in China Zeichen einer Infektion aufweisen. Weil neben anderen, herkömmlichen Erregern auch das neue Coronavirus als Ursache ihrer Beschwerden möglich wäre, befinden sich die beiden Personen momentan in Quarantäne.» Und weiter: Das Stadtspital Triemli sei speziell eingerichtet und habe Erfahrung im Umgang mit Patientinnen und Patienten, die Träger eines neuen Krankheitserregers sein könnten. Für andere Patientinnen und Patienten oder für Spitalangestellte bestehe kein Risiko.
dpa

Angesichts der starken Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit hat China seine drastischen Massnahmen am Wochenende deutlich verschärft. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg bis Sonntag auf 56, wie die Nationale Gesundheitsbehörde mitteilte. Demnach haben sich 1975 Menschen in China mit dem Coronavirus angesteckt, das die Lungenkrankheit auslöst. Weltweit kommen rund 30 bestätigte Fälle hinzu - darunter mit drei Patienten in Frankreich die ersten Erkrankungen in Europa.

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief am Samstag in Peking ein Krisentreffen ein. Alle Ebenen von Partei und Regierung müssten dem Kampf gegen das Coronavirus höchste Priorität einräumen, sagte er laut der Nachrichtenagentur Xinhua. Eine eigens gebildete Arbeitsgruppe sollte in die Provinz Hubei entsandt werden, um die Arbeit vor Ort zu steuern.

Neue Krankenhäuser und mehr Pflegepersonal für Wuhan

Die Hauptstadt von Hubei, die Millionenmetropole Wuhan, ist besonders stark vom Coronavirus betroffen: Dort war der Erreger vor wenigen Wochen auf Menschen übergesprungen - vermutlich auf einem Tiermarkt. Die Krankenhäuser der Stadt waren am Wochenende offenbar völlig überfordert. Nach offiziell unbestätigten Berichten wurden Patienten zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gab.

In der Provinz Guangdong gilt neu eine die Pflicht, in der Öffentlichkeit einen Mundschutz zu tragen. Zudem wurde der Handel mit Wildtieren verboten. (Video: CHMedia Video Unit)

Wie Staatsmedien am Sonntag berichteten, sollten 24 Krankenhäuser zusätzliche Betten bereitstellen. Wuhan hatte zuvor bereits im Eiltempo den Bau von zwei neuen Krankenhäusern begonnen, mit einer Kapazität von insgesamt 2300 Betten. Das erste Hospital soll in etwa einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite kurz danach.

Aus anderen Teilen Chinas wurden rund 1700 Ärzte und Pfleger nach Wuhan entsandt, auch wurden 14 000 Schutzanzüge bereitgestellt. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt, Ausfallstrassen gesperrt. Ab Sonntag sollte auch der normale Autoverkehr in den grossen Stadtbezirken gestoppt werden.

Grosse Einschränkungen des Verkehrs und Isolation für Reisende aus Wuhan

Inzwischen waren mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen Chinas weitgehend von der Aussenwelt abgeschottet. Wie das Staatsfernsehen berichtete, verkündeten am Sonntag weitere Regionen Einschränkungen des Verkehrs. Demnach sollten die ostchinesische Provinz Shandong und die zentralchinesische Metropole Xi'an ihren Busverkehr mit anderen Städten und Provinzen einstellen. Am Samstag hatte die Hauptstadt Peking ähnliche Beschränkungen verhängt.

In der Provinz Guangdong im Süden des Landes müssen die Bewohner an öffentlichen Orten eine Gesichtsmaske tragen. Die Pflicht zum Mundschutz gilt etwa in Einkaufszentren, Hotels, Restaurants, Parks, religiösen Stätten, Museen, Bibliotheken und Wartehallen des öffentlichen Verkehrs, wie die Gesundheitsbehörden am Sonntag anordneten. Am Eingang müssten Betreiber prüfen, ob Besucher auch Mundschutz tragen, sonst müsse der Zutritt verwehrt werden.

Zudem ordnete die chinesische Gesundheitskommission in Peking an, dass Reisende aus Wuhan sich bei den Behörden melden und sich für zwei Wochen zuhause isolieren sollten, um zu sehen, ob sie infiziert sind. Die Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Erkrankung kann bis zu zwei Wochen dauern.

Französischen Patienten geht es gut

Die drei in Frankreich infizierten Patienten sind offenbar nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte am Samstag. Einer von ihnen habe noch etwas Fieber. Der 31-jährige Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren Mitte Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen.

Auch dem dritten Patienten in Frankreich, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es soweit gut, sagte der Bürgermeister der südwestfranzösischen Stadt, Nicolas Florian, am Samstag. In Bordeaux wurden aufgrund des Gesundheitsrisikos die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr am Sonntag abgesagt. Infektionen wurden bislang unter anderem aus den USA, Australien, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan gemeldet.

PSA will Mitarbeiter aus Wuhan zurückholen

Die französische Automobilgruppe PSA Frankreich kündigte an, ihre Mitarbeiter und deren Familien aus Wuhan zurückzuholen. Die Initiative werde in Abstimmung mit den chinesischen Behörden und dem französischen Generalkonsulat durchgeführt, zitierte die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus einer Mitteilung des Autobauers. Insgesamt sollte die Rückführung 38 Menschen betreffen.

Das Pariser Aussenministerium prüfte nach eigenen Angaben mit den chinesischen Behörden, welche Möglichkeiten es für französische Staatsbürger gebe, Wuhan zu verlassen. Dort leben viele Franzosen, weil PSA und Renault-Nissan mit dem chinesischen Autobauer Dongfeng jeweils Joint Ventures betreiben. Das britische Aussenministerium forderte Briten am Sonntag auf, die Provinz Hubei möglichst zu verlassen. Auch Japan bereitete eine Rückführung von Staatsbürgern aus Wuhan vor.

Das Coronavirus überträgt sich einer Studie zufolge relativ rasch zwischen Menschen. Experten des Imperial College London berechneten, dass ein Infizierter bis zum 18. Januar durchschnittlich 2,6 weitere Personen angesteckt haben könnte. Chris Whitty, der die Regierung in Gesundheitsfragen berät, ging von einem langen Kampf gegen das Virus aus: «Wir sollten das als Marathon betrachten und nicht als Sprint.»