Wunschliste für das Weltklima

Ende dieses Jahres soll ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden, der – zumindest perspektivisch – die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt. Dafür wurde in Genf nun ein erster wichtiger Schritt getan.

Christian Mihatsch
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Kondens- statt Silberstreifen am Horizont: Bis sich alle Staaten auf verbindliche Klimaziele geeinigt haben, ist es noch ein weiter Weg. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Kondens- statt Silberstreifen am Horizont: Bis sich alle Staaten auf verbindliche Klimaziele geeinigt haben, ist es noch ein weiter Weg. (Bild: ky/Martin Rütschi)

2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnung vor rund 130 Jahren, und die zehn wärmsten Jahre fielen in die Zeit von 1998 bis heute. Damit es nicht noch wärmer wird, soll im Dezember in Paris ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden. Darin sollen sich alle Länder und nicht nur die Industriestaaten zur Reduktion ihrer Emissionen verpflichten. In Genf hat diese Woche eine erste Vorbereitungskonferenz für Paris stattgefunden, an der sich Klimadiplomaten auf einen Vertragsentwurf geeinigt haben.

Der Text entspricht aber noch eher einer Ideensammlung: Alle Länder hatten die Gelegenheit, ihre Wünsche einzubringen. «Es ist, als ob 195 Autoren versuchten, gemeinsam ein Buch zu schreiben», sagt Ahmed Sareer von den Malediven, Sprecher der Verhandlungsgruppe der kleinen Inselstaaten. Diese Sammlung sei ein wichtiger Schritt, «um sicherzustellen, dass sich alle Länder mit dem Text identifizieren können».

Veraltete Definition als Streitpunkt

Ob die positive Stimmung anhält, zeigt sich spätestens im Juni. Dann treffen sich die Klimadiplomaten in Bonn, um den 86 Seiten langen Text zu kürzen. Eine der wichtigsten Fragen wird die Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sein, die auf einer Liste aus dem Jahr 1992 basiert. Mittlerweile aber ist China der grösste Emittent von CO2, und einige «Entwicklungsländer» sind wohlhabender als Industriestaaten. Eine Möglichkeit besteht darin, dass die Länder selber entscheiden, wie «entwickelt» sie sind und welchen Beitrag sie zum Klimaschutz leisten wollen. Doch es gibt auch neue Vorschläge: Äthiopien will an einer Zweiteilung festhalten, jedoch Indikatoren festlegen, wann ein Land zum «Industriestaat» befördert wird. Und Brasilien schlägt vor, ein System mit mehr als zwei Gruppen zu schaffen. Indien aber beharrt auf dem Status quo: «Die Kategorien der UN-Klimakonvention kann man nicht ändern», sagt Shankar Prasad, Leiter der indischen Delegation.

Flug- und Schiffsverkehr im Fokus

Der EU und der Schweiz ist es wichtig, dass sich nebst den Entwicklungsländern auch der internationale Flug- und Schiffsverkehr stärker am Klimaschutz beteiligen. Die beiden Sektoren tragen je rund drei Prozent zu den globalen CO2-Emissionen bei; bis 2050 wird der Kohlendioxidausstoss des Flugverkehrs um 270 Prozent und der des Schiffsverkehrs um 250 Prozent zunehmen. Bislang passiere zu wenig, beklagt Bill Hemmings vom Brüsseler Forschungsinstitut Transport and Environment: «Das Thema ist noch nicht einmal auf der Agenda der UN-Schifffahrtsorganisation.» Die UN-Luftverkehrsorganisation habe immerhin versprochen, bis 2016 zu handeln, operiere aber unter Geheimhaltung. «Beide Sektoren sind von Treibstoffsteuern ausgenommen. Daher wäre eine Abgabe auf Emissionen sinnvoll.»

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