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Wo Jesus den Teufel besiegen sollte

Der IS wird aus seiner symbolträchtigen Hochburg Dabiq vertrieben. Verhandlungen über eine Waffenruhe für Ost-Aleppo sollen heute zu Wochenbeginn fortgesetzt werden.
Michael Wrase/Limassol

In der nordsyrischen Ortschaft Dabiq sollte nach der vom sogenannten Islamischen Staat (IS) verbreiteten Endzeitlehre «der letzte Kampf vor dem Weltuntergang» stattfinden. Ist die Mutter aller Schlachten geschlagen, sind die «Armeen der Kreuzritter verbrannt», sollte Jesus vom Himmel herabsteigen und den Teufel besiegen. Erst dann würde der natürlich nur vom IS propagierte «wahre Islam» zu seinem Recht kommen und Istanbul zur neuen Hauptstadt des Kalifats machen.

Ob die Terrormilizen ihren so lange ersehnten «Tag des jüngsten Gerichts» noch erleben werden, ist inzwischen fraglich. Denn anstatt, wie immer wieder versprochen, bis zur allerletzten Patrone zu kämpfen, hat sich der IS aus seiner mystifizierten Hochburg Dabiq offenbar kampflos zurückgezogen. «Wegen unerwarteter Umstände musste die Apokalypse auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden», meldete die IS-Nachrichtenagentur Amaq gestern. Zuvor waren von der Türkei unterstützte Rebellen in die Ortschaft eingerückt.

«Der IS-Mythos der grossen Schlacht in Dabiq ist damit erledigt», betonte Ahmed Osman, der Anführer der Rebellengruppe Sultan Murad, die nun den IS aus der südlich von Dabiq liegenden Stadt Al Bab vertreiben will. Die letzte Hochburg der Jihadisten in Nordsyrien liegt auf einem Hochplateau und wurde – im Gegensatz zu Dabiq – tatsächlich zu einer Festung ausgebaut. Erst in Al Bab werde es sich vermutlich zeigen, wie es um die Kampfmoral des IS wirklich bestellt ist, spekuliert das Beiruter Internetportal «Al Monitor».

Kampfflugzeuge der syrischen und der russischen Luftwaffe nahmen unterdessen am Wochenende die Bombardierung von Ost-Aleppo wieder auf. Eine Waffenruhe für die seit mehr als zwei Monaten eingekesselte Stadt ist noch immer nicht in Sicht. Bei den am Samstag in Lausanne geführten Syrien-Gesprächen sollen aber «interessante Ideen» (Sergej Lawrow) im Rahmen eines «sehr offenen Brainstorming» (John Kerry) diskutiert worden sein. Dabei habe es allerdings auch schwierige Momente voller Spannungen gegeben, musste der amerikanische Aussenminister zugeben. Allein das Zustandekommen des Treffens in der Schweiz, an dem auch wieder Diplomaten aus Iran, Saudi-Arabien, der Türkei und Qatar teilnahmen, wurde als Erfolg gewertet. Damit die Gesprächsfäden nicht wieder abreissen, vereinbarten die USA und Russland für den heutigen Montag weitere Kontakte.

Ob es sich dabei um direkte Gespräche oder telefonische Konsultationen handelt, blieb offen. Anlass zu Optimismus, schreibt die libanesische Tageszeitung «As Safir», bestünde nicht, weil das Regime in Damaskus mit aller Macht auf eine militärische Lösung dränge und auch Russland sich nicht unter Zeitdruck fühle. Moskau setzte am Wochenende den Flugzeugträger «Admiral Kusnezow» in Marsch. Die Fahrt vom Hafen Seweromorsk bei Norwegen dauert etwa zehn Tage.

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