Witziger und wehmütiger Abschied Barack Obamas

WASHINGTON. Er müsse sich entschuldigen, ein wenig zu spät zu sein, begrüsst der Präsident die 2600 geladenen Gäste im «Hilton». «Ich hielt mich in der CPT-Zeitzone auf.» Die Eingeweihten biegen sich vor Lachen. Den anderen bedeutet Obama: «Das steht für Witze, die weisse Leute besser machen.

Thomas Spang
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Barack Obama US-Präsident (Bild: epa)

Barack Obama US-Präsident (Bild: epa)

WASHINGTON. Er müsse sich entschuldigen, ein wenig zu spät zu sein, begrüsst der Präsident die 2600 geladenen Gäste im «Hilton». «Ich hielt mich in der CPT-Zeitzone auf.» Die Eingeweihten biegen sich vor Lachen. Den anderen bedeutet Obama: «Das steht für Witze, die weisse Leute besser machen.» Der Groschen fällt. CPT ist die Abkürzung für Colored People Time (Zeitzone für Farbige). Obama erntet noch mehr Gelächter.

Ein guter Start für einen Abend, dem Washington jedes Jahr entgegenfiebert. Das White House Correspondents' Dinner ist mit Abstand das gesellschaftliche Ereignis im «Hollywood der Langweiler», wie Washington etwas despektierlich genannt wird. Denn neben Politikern und Journalisten tauchen auch leibhaftige Stars aus Hollywood auf, dieses Jahr etwa Will Smith, Morgan Freeman, Whoopi Goldberg, Jeff Goldblum, Rachel McAdams und Helen Mirren.

«Raten, wie sie heisst»

Dies sei seine achte und letzte Rede vor den Korrespondenten des Weissen Hauses, die mit dieser Tradition 1921 begannen, als sie den damaligen Präsidenten Warren G. Harding einluden. Das nächste Jahr werde jemand anderes an seiner Stelle stehen, sagt Obama. «Sie dürfen raten, wie sie heisst», spielt er auf Hillary Clinton an, die das Rennen um die Nominierung zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin so gut wie gewonnen hat. Ihr Rivale Bernie Sanders, der, anders als Clinton, im Publikum sitzt, nimmt es mit Humor.

«Miss Schweden getroffen»

Natürlich bekommt auch die politische Konkurrenz ihr Fett weg. Allen voran Donald Trump, der seine beiden Einladungskarten seinen ältesten Söhnen überlassen hat. Obama hat eine Erklärung, warum der Milliardär nicht aufgetaucht ist: Trump sei damit beschäftigt, «Beleidigungen an Angela Merkel zu twittern» – eine doppelte Anspielung auf Trumps Leidenschaft für Twitter und seine Kritik an der Flüchtlingspolitik Merkels. Er, Obama, könne die Ansicht nicht teilen, Trump verstehe nichts von Aussenpolitik. «Er hat doch schon Miss Schweden, Miss Argentinien und Miss Aserbaidschan getroffen.»

Zum Schluss gibt es ein paar ernste Worte. «Wir leben in einer Zeit, in der die Werte einer liberalen Demokratie angegriffen werden», sagt der Präsident. Obama warnt vor dem Versuch, Objektivität und Fakten aus dem Weg zu gehen. Er mahnt die Journalisten, «tiefer zu graben. Das ist Ihre Verantwortung.»

Nun habe er noch dieses zu sagen, setzt er zum Finale seiner Rede an: «Obama out.» Mit diesen Worten lässt der Präsident das Mikrophon fallen, und die Tränen rollen. Ein sentimentaler Abschied eines Präsidenten, der garantiert um den Titel des humorvollsten Redners in der Geschichte des Weissen Hauses konkurrieren wird.