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«Wir werden alles wieder aufbauen»

Mittelitalien wurde gestern erneut durch ein Erdbeben erschüttert – zum dritten Mal in zwei Monaten. Das neue Beben war das stärkste seit Jahrzehnten. Wegen der Zerstörungen sind immer mehr Leute auf staatliche Hilfe angewiesen.
Dominik Straub/Rom
epa05609792 An aerial view of Amatrice village after the strong earthquake in central Italy, 30 October 2016. A 6.6 magnitude earthquake struck 6km north of Norcia, Italy, on 30 October 2016. EPA/ITALIAN FIRE FIGHTERS / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES/NO ARCHIVES (Bild: ITALIAN FIRE FIGHTERS / HANDOUT (EPA))

epa05609792 An aerial view of Amatrice village after the strong earthquake in central Italy, 30 October 2016. A 6.6 magnitude earthquake struck 6km north of Norcia, Italy, on 30 October 2016. EPA/ITALIAN FIRE FIGHTERS / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES/NO ARCHIVES (Bild: ITALIAN FIRE FIGHTERS / HANDOUT (EPA))

Das jüngste Erdbeben ereignete sich um 7.40 Uhr; das Epizentrum lag bei der umbrischen Kleinstadt Norcia in einer Tiefe von etwa 10 Kilometern, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) bekanntgab. Nach dem Erdbeben vom 24. August in Amatrice und Accumoli (Stärke 6,0 auf der Richterskala) und den beiden Erdstössen vom letzten Mittwoch zwischen Perugia und der Adriaküste (Stärke 5,4 und 5,9) handelte es sich mit einer Stärke von 6,5 um das mit Abstand heftigste. Das letzte Erdbeben mit dieser Stärke in Italien hatte sich im Jahr 1980 in der Region Irpinia in Kampanien ereignet. Damals hatte es fast 3000 Tote und gegen 9000 Verletzte gegeben; 280 000 Menschen waren obdachlos geworden.

Im Vergleich zur Katastrophe vor 36 Jahren in Süditalien ist das neue Beben von gestern in Umbrien glimpflich verlaufen: Laut dem nationalen Zivilschutzchef Fabrizio Curcio sind vermutlich keine Toten zu beklagen; die Zahl der Verletzten wird jedoch auf einige Dutzend geschätzt. Der Hauptgrund für die günstige Opferbilanz besteht darin, dass das Gebiet rund um die 5000-Einwohner-Stadt Norcia deutlich weniger dicht besiedelt ist als Irpinia. Gleichzeitig sind die Häuser in Norcia offenbar deutlich stabiler gebaut worden – auch im Vergleich zu den Städten Amatrice und Accumoli, die beim viel schwächeren Beben vor zwei Monaten starke Schäden erlitten.

In Norcia, der Geburtsstadt des Heiligen Benedikts, ist beim gestrigen Beben die nach dem berühmten Mönch benannte Kathedrale eingestürzt. Von der prächtigen Kirche aus dem 14. Jahrhundert ist nur die Fassade stehen geblieben. Zahlreiche Mönche und Nonnen strömten gestern Morgen auf die noch vom Staub des Einsturzes eingehüllte Piazza vor der Kathedrale, um zu beten. Ausserdem ist eine weitere, kleinere Kirche eingestürzt. Ansonsten halten sich die Gebäudeschäden in der pittoresken Altstadt zumindest auf den ersten Blick in Grenzen. Wie viele Häuser unbewohnbar geworden sind, werden aber erst statische Untersuchungen ergeben. Norcia ist nicht nur als Geburtsstadt Benedikts in ganz Italien bekannt, sondern auch wegen seiner delikaten Rohschinken und Würste.

Ministerpräsident Renzi will alles wieder aufbauen lassen

Grosse Schäden hat das neue Beben in einigen Gemeinden angerichtet, bei denen die Erde schon letzte Woche gebebt hatte und wo nun viele Gebäude, die den beiden Erdstössen vom Mittwoch standgehalten hatten, in sich zusammengefallen sind. «Alles ist eingestürzt», erklärte der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, unmittelbar nach dem Beben gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa. «Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.» Auch in den Gemeinden Amatrice und Accumoli, in denen vor zwei Monaten fast 300 Menschen umgekommen waren, sind erneut zahlreiche Häuser eingestürzt. Dass die schon in den vergangenen Wochen getroffenen Ortschaften alle evakuiert worden waren, hat ebenfalls dazu beigetragen, dass es diesmal vermutlich keine Toten gab.

Insgesamt sind vom gestrigen Beben laut dem nationalen Kommissar für den Wiederaufbau, Vasco Errani, rund hundert Gemeinden betroffen. Die Zahl der Menschen, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können, wird von den Behörden auf 28 000 beziffert. Beim Beben in der letzten Woche waren 5000 Personen obdachlos geworden. Errani bekräftigte, dass angesichts des bevorstehenden Winters keine Zeltstädte errichtet würden; die Obdachlosen sollen in Hotels am Meer gebracht werden. Wie bei den vorangegangenen Beben versprach Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi der Bevölkerung Hilfe: «Wir werden alles wieder aufbauen, denn es handelt sich um wunderbare Orte», erklärte Renzi.

Das neue Beben war erneut fast in ganz Italien zu spüren. In Rom schwankten die Gebäude – wie schon am vergangenen Mittwoch und am 24. August – zum Teil heftig. Nach dem gestrigen Beben wurden in der Hauptstadt die Metro-Züge für technische Kontrollen gestoppt; auch der Quirinalspalast, in welchem Staatspräsident Sergio Mattarella residiert, sowie die Papst-Kathedrale Sankt Paul wurden vorübergehend geschlossen. Das Kolosseum wurde ebenfalls inspiziert; das 2000 Jahre alte Bauwerk hat aber offenbar keine Schäden davongetragen. Auch einzelne Gebäude des Vatikans und der Petersdom wurden kontrolliert.

Unter dem Apennin stossen die Platten aufeinander

Die seit Wochen anhaltende, unheimliche Erdbebenserie in Mittelitalien ist für die Experten des INGV «nicht ungewöhnlich». Unter der Gebirgskette des Apennins stösst die afrikanische auf die eurasische Kontinentalplatte; wenn eine Erdfalte des Apennins dem ungeheuren Druck nachgibt, kommt es zu einer Art Kettenreaktion bei den benachbarten Falten. Die nachfolgenden Beben können sich nach Stunden oder Tagen, aber auch erst nach Monaten oder Jahren ereignen. «Was wir jetzt in Norcia erlebt haben, gehört zur gleichen Sequenz, die am 24. August begonnen hat», betonte gestern der INGV-Seismologe Alberto Michelini.

Immerhin: Die Seismologen vermögen der aktuellen Erdbebenserie auch eine positive Seite abzugewinnen. «Natürlich ist diese Sequenz beunruhigend», teilte der nationale Forschungsrat CNR gestern mit. Aber diese Abfolge von Erdbeben sorge in mehreren, seitlich angrenzenden Erdfalten dafür, dass es zwar zu starken, aber nicht zu verheerenden Ereignissen komme. «Die Folgen wären weitaus schlimmer, wenn sich die Energie in einem einzigen Ereignis und in einer einzigen Erdfalte entladen würde, denn dies hätte ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,0 oder noch viel höher zur Folge», schreiben die Wissenschafter des CNR.

Experten schliessen weitere Erdbeben in der Region nicht aus

Wie lange die aktuelle Serie noch andauern wird, vermögen die Experten nicht zu sagen: «Leider können wir weder vorhersagen, wann diese Sequenz zu Ende gehen wird, noch können wir weitere, starke Erdbeben in der gleichen Zone ausschliessen. Denn wir wissen nicht, wie viel Energie noch im Boden steckt», sagte Seismologe Michelini. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein neues, starkes Erdbeben auch in den Millionenstädten Rom, Mailand oder Neapel ereignen könnte, ist laut den Experten aber relativ gering: Weil sich alle drei Metropolen relativ weit weg von der Nahtstelle der aufeinandertreffenden Kontinentalplatten befinden, gelten sie als wenig gefährdet.

A woman on a wheelchair is carried away by rescuers in Norcia, central Italy, after an earthquake with a preliminary magnitude of 6.6 struck central Italy, Sunday, Oct. 30, 2016. A powerful earthquake rocked the same area of central and southern Italy hit by quake in August and a pair of aftershocks last week, sending already quake-damaged buildings crumbling after a week of temblors that have left thousands homeless. (Matteo Crocchioni/ANSA via AP) (Bild: Matteo Crocchioni (AP))

A woman on a wheelchair is carried away by rescuers in Norcia, central Italy, after an earthquake with a preliminary magnitude of 6.6 struck central Italy, Sunday, Oct. 30, 2016. A powerful earthquake rocked the same area of central and southern Italy hit by quake in August and a pair of aftershocks last week, sending already quake-damaged buildings crumbling after a week of temblors that have left thousands homeless. (Matteo Crocchioni/ANSA via AP) (Bild: Matteo Crocchioni (AP))

Nonnen beten in Norcia um göttlichen Beistand, während Rettungskräfte eine Frau im Rollstuhl in der umbrischen Kleinstadt in Sicherheit bringen. Vom Erdbeben besonders schwer getroffen wurde erneut die Stadt Amatrice (oben links). Nach den Zerstörungen vom 24. August stürzten nun zahlreiche weitere Häuser ein. (Bilder: AP, EPA)

Nonnen beten in Norcia um göttlichen Beistand, während Rettungskräfte eine Frau im Rollstuhl in der umbrischen Kleinstadt in Sicherheit bringen. Vom Erdbeben besonders schwer getroffen wurde erneut die Stadt Amatrice (oben links). Nach den Zerstörungen vom 24. August stürzten nun zahlreiche weitere Häuser ein. (Bilder: AP, EPA)

epa05609913 A view of Norcia village destroyed after the strong earthquake in central Italy, Umbria Region, 30 October 2016. A 6.6 magnitude earthquake struck 6km north of Norcia, Italy, on 30 October 2016. EPA/MATTEO GUIDELLI (Bild: MATTEO GUIDELLI (EPA))

epa05609913 A view of Norcia village destroyed after the strong earthquake in central Italy, Umbria Region, 30 October 2016. A 6.6 magnitude earthquake struck 6km north of Norcia, Italy, on 30 October 2016. EPA/MATTEO GUIDELLI (Bild: MATTEO GUIDELLI (EPA))

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