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Urteil im Prozess gegen Schlepperbande, die 71 Flüchtlinge in einem Kleinlaster hatte ersticken lassen

Viermal 25 Jahre Gefängnis für die vier Hauptangeklagten: Mit diesem Urteil endete am 14. Juni 2018 in Ungarn der Prozess gegen eine Schlepperbande.
Rudolf Gruber, Wien
Der Hauptangeklagte vor Gericht. (Sandor Ujvari/ AP)

Der Hauptangeklagte vor Gericht. (Sandor Ujvari/ AP)

Es war jene Tragödie, die vor knapp drei Jahren schlagartig klargemacht hat, dass die Flüchtlingskrise mitten in Europa angekommen ist. 71 qualvolle erstickte Flüchtlinge, die am 27. August 2015 auf der Autobahn östlich von Wien in einem Kühllastwagen aufgefunden worden waren, erregten europaweit Entsetzen und Mitleid: Wenige Tage später öffneten Österreich und Deutschland die Grenzen für Hunderttausende Flüchtlinge, die auf der Balkanroute nach Europa strömten. Die heute verteufelte «Willkommenskultur» unter der von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel ausgegebenen Parole «Wir schaffen das» beschäftigt die Politiker der Europäischen Union bis heute.

Die Verantwortlichen des Verbrechens standen seit knapp einem Jahr vor einem Gericht in der ungarischen Provinzmetropole Kecskemét südöstlich von Budapest. Dies deshalb, weil die Flüchtlinge – 57 Männer, 8 Frauen und 4 Kinder, darunter ein Baby – bereits auf ungarischem Gebiet elendiglich gestorben waren, ehe der Kühllaster östlich von Wien in einer Pannenbucht entdeckt worden war.

Insgesamt waren vierzehn Schlepper angeklagt, elf wurden bereits nach wenigen Tagen auf ungarischem Gebiet gefasst; darunter der heute 31-jährige Bandenführer Samsoor Lahoo, ein Afghane, sowie die beiden Fahrer und der Beschaffer des Fahrzeugs, die alle aus Bulgarien stammen. Nach drei Tätern wird noch heute gefahndet.

Zu Beginn des Prozesses gaben sich die Beschuldigten noch selbstsicher und sogar aggressiv. Dann wurde jedoch die Beweislage immer erdrückender; sie begannen, einander selbst zu belasten. Am Ende baten sie um ein mildes Urteil und die Angehörigen der Opfer um Verzeihung. Sie bekannten sich lediglich zum illegalen Menschenhandel, aber: «Wir sind keine Mörder», verteidigte sich Lahoo.

Mordabsicht «mit ­besonderer Grausamkeit»

Das Gericht sah das anders. Am stärksten belastet wurden die Angeklagten durch abgehörte Telefonate der ungarischen Polizei, welche die Schlepperbande schon längere Zeit überwacht hatte. Dabei ging es vor allem um die Frage, warum die Ladetür trotz Schreiens und Klopfens der Flüchtlinge nicht geöffnet wurde. Die Fahrer beriefen sich auf Anweisungen des Bandenchefs Lahoo, der ihnen via Mobiltelefon die Anweisung gab: «Lasst sie halt sterben. Das ist ein Befehl!» Lahoo fügte noch hinzu, die Fahrer sollten die Leichen später in einem Wald in Deutschland vergraben. Belastend war auch ein Gutachten, das den Laster für den Transport von Menschen als ungeeignet einstufte: Der Laderaum war luftdicht abgeschlossen und hatte weder Sitzgelegenheiten noch Haltegriffe. Das Gericht wertete die Umstände als Mordabsicht «mit besonderer Grausamkeit».

Lahoo und die drei weiteren Hauptangeklagten wurden zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Das ungarische Strafrecht gibt ihnen keine Chance auf vorzeitige Entlassung. Die zehn übrigen Beschuldigten erhielten Gefängnisstrafen zwischen drei und zwölf Jahren. Damit entsprach das Gericht weitgehend dem vom Staatsanwalt geforderten Strafmass.

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