Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wieso sich Teheran an Drohnen klammert

Eine Analyse zur asymmetrischen Kriegsstrategie des Iran.
Michael Wrase aus Limassol
Saudische Spezialisten begutachten den Schaden, den die Drohnenangriffe am vergangenen Wochenende an den Ölförderanlagen in Khurais verursacht haben. (Bild: Keystone, 20. September 2019)

Saudische Spezialisten begutachten den Schaden, den die Drohnenangriffe am vergangenen Wochenende an den Ölförderanlagen in Khurais verursacht haben. (Bild: Keystone, 20. September 2019)

Hassan Alisade war 16 Jahre alt, als er unweit der iranischen Hafenstadt Khorramshar sein junges Leben «für die Verteidigung der Revolution» gab. So steht es auf einem riesengrossen Plakat, das in der zentraliranischen Grossstadt Yasd hängt. Bald vierzig Jahre sind seit jener Zeit vergangen, als der irakische Diktator Saddam Hussein den Befehl zum Angriff auf den Nachbarn Iran gegeben hatte.

Mehr als 800 000 Iraner kamen in dem achtjährigen Krieg ums Leben. Fast 100 000 von ihnen starben bei irakischen Giftgasattacken, die von der internationalen Staatengemeinschaft ebenso ignoriert wurden wie die Tausenden von Raketenangriffen auf insgesamt 64 iranische Städte, darunter die Millionenmetropolen Teheran, Isfahan und Schiraz. Der verheerende Krieg gegen den Irak, glaubt die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur, «schuf ein bis heute anhaltendes nationales Trauma und veranlasste politisch ein Umdenken der iranischen Führung».

Die vom arabischen Nachbarn verursachten Leiden und Zerstörungen dürfen sich niemals wiederholen, schworen sich die Kommandanten der iranischen Revolutionswächter. Fassungslos hatten sie zur Kenntnis nehmen müssen, dass fast die ganze Welt den Aggressor Saddam Hussein mit Waffen beliefert hatte, während Iran sein Kriegsgerät zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt zusammenkaufen musste.

Mit Geiselnahmen gegen Luftangriffe

Um «den Krieg mit erhobenem Haupt zu beenden», hatte Mohsen Rezai, der heute zu den einflussreichsten Militärs im in Iran gehört, damals die Entwicklung von Atomwaffen vorgeschlagen. Das Staatsoberhaupt Ayatollah Khomeini lehnte ab und stimmte einem Waffenstillstand zu.

Als ein international isoliertes Land musste Iran fortan andere Wege finden, um sich im Nahen und Mittleren Osten zu behaupten. Um in einem ihm feindselig gegenüberstehenden Umfeld zu überleben, sei der Iran zur «asymmetrischen Kriegsführung» verdammt gewesen, schreibt der algerische Verteidigungsexperte Akram Kharief. Bereits während des Krieges mit Irak hatte der Iran auf «unkonventionelle Mittel» zurückgreifen müssen, um dem Gegner trotz militärischer Unterlegenheit die Stirn bieten zu können.

Ein Beispiel: Als französische Piloten mit ihren «Super Étendard»-Kampfflugzeugen im Auftrag Saddam Husseins iranische Öltanker angriffen, liess die iranische Führung im Libanon französische Staatsbürger entführen, um Frankreich zur Beendigung des Einsatzes zu zwingen. Und als die US-Armee 1983 regelmässig Satellitenbilder der iranischen Frontstellungen an den Irak übermittelte, reagierten Irans Verbündete im Libanon mit Terroranschlägen auf die Beiruter US-Botschaft sowie das Hauptquartier der US-Marines. 290 Soldaten kamen bei dem Anschlag ums Leben.

Die Angreifer waren vermutlich Mitglieder der Hisbollah. Die schiitische Miliz hat sich zum schlagkräftigsten Instrument der asymmetrischen Kriegsführung Teherans entwickelt. Auch in den von Huthis kontrollierten Gebieten des Jemen sollen Berater der Hisbollah den Aufbau einer lokalen Waffenindustrie unterstützen.

Sanktionen sind mitverantwortlich für Drohnen-Taktik

Die Blaupausen für die Huthi-Waffen kommen per E-Mail aus dem Iran. Teheran hat bereits während des Krieges mit Irak erkannt, dass man die meisten Waffen künftig in Eigenregie bauen, bzw. nachbauen muss. Im Mittelpunkt stand dabei die Weiterentwicklung von strategischen Waffen wie Raketen, die aus iranischer Sicht für die Verteidigung des Landes überlebenswichtig sind. Schliesslich war und ist bis heute kein Land der Welt bereit, dem Iran moderne Kampfflugzeuge, wie sie Saudi-Arabien, die Emirate oder Israel besitzen, zu liefern.

Nach Erkenntnissen des International Institute for Strategic Studies verfügt Iran über das «grösste Arsenal an ballistischen Raketen im Nahen Osten». Die von den USA geforderte Aufgabe dieser Waffen sei für die Machthaber in Teheran «unvorstellbar». Gleiches gilt für Drohnen, die sowohl der Iran als auch seine schiitischen Verbündeten im Libanon und Irak vor allem im Syrienkrieg getestet hatten. «Bewährt» haben sich in den Augen Teherans auch die bis zu 90 Stundenkilometer schnellen Glasfiberboote, die eine konventionelle Kriegsmarine in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können.

Dass die arabischen Nachbarstaaten Irans sowie die USA kein Konzept gegen das System der asymmetrischen Kriegsführung entwickelt haben, zeigte sich jüngst bei den Drohnenangriffen auf saudische Ölförderanlagen. Während Saudi-Arabien Milliarden für die konventionelle Kriegsführung ausgegeben hat, schaffen es Iran und seine schiitischen Verbündeten mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln, sich im Nahen Osten zu behaupten. Schuld an diesem «Erfolg» sind paradoxerweise auch die unzähligen Sanktionen, die der Westen seit dem Sturz des Schahs vor 40 Jahren gegen den Iran verhängt hat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.