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Wieso Indonesiens Spitze Islamisten umgarnt

Lange galt Indonesien als Vorzeigeland für eine gemässigte Lesart der Religion. Zuletzt hat der Einfluss fundamentalistischer Kräfte jedoch spürbar zugenommen. Das zeigt sich besonders im aktuellen Wahlkampf um die Präsidentschaft.
Ulrike Putz, Singapur
Bei den Wahlen im April fordert der ehemalige Militär Prabowo Subianto (rechts) den aktuellen indonesischen Präsidenten Joko Widodo heraus. (EPA Adi Weda/EPA, 17. Januar 2019)

Bei den Wahlen im April fordert der ehemalige Militär Prabowo Subianto (rechts) den aktuellen indonesischen Präsidenten Joko Widodo heraus. (EPA Adi Weda/EPA, 17. Januar 2019)

In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde, wird der Glaube zum Politikum. Vor den am 17. April anstehenden Präsidentschaftswahlen bemühen sich sowohl der Amtsinhaber Joko Widodo (57) als auch sein Gegenkandidat, Ex-Militär Prabowo Subianto (67), ihr Profil als fromme Muslime zu schärfen und so gläubige Wähler auf ihre Seite zu ziehen.

Dass die Kandidaten mit dem Koran in der Hand in den Wahlkampf ziehen, liegt auch daran, dass das Rennen darum, wer das Archipel mit seinen 17000 Inseln künftig regieren wird, letzten Umfragen zufolge knapp ausgehen könnte. Experten sehen die Entwicklung kritisch und warnen davor, dass diese «Islamisierung der Politik» den gesellschaftlichen Pluralismus im Land zu zerstören drohe. «Der Islam beeinflusst und bestimmt den politischen Prozess», mahnt Leo Suryadinata vom staatlichen Institut für Südostasien-Studien in Singapur.

Einfluss durch Saudi-Arabien

Von den etwa 265 Millionen Einwohnern Indonesiens bekennen sich etwa 88 Prozent zum Islam. Obwohl es lange als Vorzeigeland für eine gemässigte Lesart der Religion galt, ist Indonesien in den vergangenen Jahrzehnten fühlbar konservativer geworden. Viel mehr Frauen als noch vor zehn Jahren tragen Kopftücher, Hardliner spielen sich als Sittenwächter auf. Die Mehrehe, in Indonesien traditionell nicht üblich, ist auf dem Vormarsch. Die halbautonome Provinz Banda Aceh auf Sumatra führte bereits 2009 die islamische Gesetzgebung Scharia ein. Seitdem steht auf Ehebruch Steinigung, gleichgeschlechtlicher Sex wird mit Stockhieben bestraft. Hinter der Fundamentalisierung steckt der Einfluss des durch sein Öl reich gewordenen Saudi-Arabien, das Schulen und Universitäten in Indonesien finanziert: Allein auf der Insel Java gibt es heute über 14000 islamische Internate, die die orthodoxe saudische Islam-Auslegung verbreiten.

Dass die Hardliner die Politiker inzwischen vor sich hertreiben, zeigte sich einmal mehr, als Präsident Widodo am letzten Wochenende überraschend die Freilassung von Abu Bakar Bachir ankündigte. Der Drahtzieher der Anschläge auf Bali, bei denen 2002 über 200 Menschen starben, solle aus «humanitären und gesundheitlichen Gründen» aus der Haft entlassen werden, begründete Widodo. Die Entscheidung löste heftige Proteste aus.

Ein gefährliches Spiel

Auch der ehemalige General Prabowo Subianto versucht in diesen Tagen, Stimmen aus dem islamischen Milieu für sich zu gewinnen. Dazu garniert er seine Wahlkampfauftritte mit «Allahu akbar»-Rufen und suggeriert, das Präsident Widodo fromme Muslime stigmatisiere. Er hingegen werde religiöse Gruppen schützen, verspricht der 67-Jährige.

Beobachter warnen, dass Prabowo ein gefährliches Spiel spiele: Mit dem Versuch, sich muslimische Randgruppen zu Nutzen zu machen, laufe er Gefahr, dass diese Forderungen an ihn stellen werden, sollte er die Wahl gewinnen, sagt Alexander Raymond Arifianto von der Nanyang-Universität in Singapur der «South China Morning Post». So könnten die Islamisten verlangen, dass Nichtmuslime von politischen Ämtern ausgeschlossen würden, oder die landesweite Einführung der Scharia einfordern.

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