Wie Sarkozy und Hollande Le Pen helfen

Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy steht wegen diverser politischer Affären unter Druck. Doch die Regierung seines Rivalen Hollande reagiert mit einem Patzer darauf. Vom Unmut der Bürger über die Politiker dürfte der rechtsextreme Front National profitieren.

Stefan Brändle
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PARIS. Der ehemalige französische Staatschef, der es 2017 nochmals versuchen will, hat in letzter Zeit nur negative Schlagzeilen gemacht. Zuerst wurde bekannt, dass sein Berater Patrick Buisson den Chef heimlich belauscht hatte; und was er auf seinem Diktaphon aufzeichnete, gereicht Sarkozy und Gattin Carla Bruni nicht zum Vorteil: Es zeigt sie als geldgieriges und menschenverachtendes Paar.

Sarkozy von Gadhafi finanziert?

Gravierender war dann die Presseenthüllung, Sarkozy werde auch von der Justiz abgehört. Es gehe um den Verdacht, dass er als konservativer Präsidentschaftskandidat 2007 Wahlkampfhilfe vom libyschen Ex-Diktator Muammar al-Gadhafi erhalten habe. Bei den Abhörungen stiessen die Ermittler auf Indizien für weitere unlautere «Freundesdienste» im Umfeld Sarkozys. Nun wird auch gegen seine Partei UMP ermittelt. All diese Schlagzeilen rückten Sarkozy zum Wochenbeginn in ein schiefes Licht und bedrohten sein geplantes Comeback. Doch zum Wochenende hin hat sich das Blatt aber bereits wieder gewendet. Gestern erwirkte Sarkozy vor Gericht, dass die Medien die Buisson-Tonbänder nicht mehr verbreiten dürfen. Das ändert zwar nichts an den Gadhafi-Ermittlungen, lässt den Ex-Präsidenten aber als Sieger über die Justiz erscheinen.

Premier desavouiert Ministerin

Zugleich patzte auch die rot-grüne Regierung schwer: Ein Journalist hatte die sozialistische Justizministerin Christiane Taubira gefragt, ob sie von der Abhöraktion gegen Sarkozy gewusst habe. Die Ministerin verneinte. Doch Premier Jean-Marc Ayrault bekannte dann im Fernsehen, er habe es «gewusst», Taubira auch.

In er Folge steht jetzt nicht mehr Sarkozy am medialen Pranger und die UMP verlangt den Rücktritt Taubiras. Diese lehnt ab und sagt, sie geniesse den Rückhalt des Elysées. Präsident Hollande aber hält sich bedeckt, was den Eindruck erweckt, er habe sein Kabinett nicht mehr unter Kontrolle.

Front National als Profiteur

Viele Franzosen unterscheiden aber kaum mehr zwischen ihren Spitzenpolitikern und halten sie mehr denn je alle für Lügner. Eine Woche vor den Gemeindewahlen dürfte davon vor allem eine Partei profitieren: der rechtsextreme Front National, bei dem Vorsteherin Marine Le Pen mit einem Wahlsieg rechen kann.