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Wie Russland seinen Einfluss in Afrika ausbaut

Russland hat Afrika als geopolitisches Revier wiederentdeckt. Moskau sucht nach neuen Zugängen zu wichtigen Rohstoffen – und nach Verbündeten.
Stefan Scholl, Moskau, und Johannes Dieterich, Johannesburg
Russlands Präsident Wladimir Putin empfängt seinen simbabwischen Amtskollegen Emmerson Mnangagwa in Moskau. (Bild: Mikhael Klimentyew/Sputnik (15. Januar 2019))

Russlands Präsident Wladimir Putin empfängt seinen simbabwischen Amtskollegen Emmerson Mnangagwa in Moskau. (Bild: Mikhael Klimentyew/Sputnik (15. Januar 2019))

Schon auf den ersten Blick sahen Demonstranten in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, dass die Soldaten unter der offenen Plane eines Militärlastwagens keine Einheimischen sein konnten – mit ihren blonden Haaren und blassen Gesichtern fielen sie auf wie Krähen in einem Möwenschwarm. Die Aufständischen, die seit sechs Wochen fast täglich gegen Präsident Omar al-Baschir auf die Strasse gehen, fanden schnell die Herkunft der uniformierten Bleichgesichter heraus: Russen, die den sudanesischen Sicherheitskräften bei der Niederschlagung des grössten Volksaufstands in der jüngeren Geschichte des Landes helfen.

Selbstverständlich dementierte die Regierung in Khartum zunächst: Doch die helläugigen Gestalten liessen sich partout nicht aus der Welt debattieren. Am Montag räumte der russische Vizeaussenminister Michail Bogdanow ein, dass im Sudan sowohl private wie staatliche Militärexperten aus Russland aktiv sind, allerdings nicht als Kämpfer, sondern als Instrukteure. «Man bittet uns, Kader auszubilden.»

Milliardeninvestitionen auf dem ganzen Kontinent

Die Söldner gehören der «Gruppe Wagner» an, einer Privattruppe, die schon auf der Krim, in der Ostukraine, in Syrien und zuletzt auch in Sudans Nachbarstaat, der Zentralafrikanischen Republik (ZAR), für Aufsehen sorgten. Laut russischen Medien untersteht die Privatarmee dem Petersburger Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin, der als Wladimir Putins Mann fürs Grobe gilt. In der ZAR sollen derzeit zwischen 170 und 500 russische Legionäre den schwächelnden Präsidenten Faustin-Archange Touadéra im Kampf gegen muslimische Rebellen unterstützen – und die gefährdeten Diamantenminen im Osten des Landes sichern, an deren Ausbeutung angeblich auch Prigoschins Firmen beteiligt sind.

Auch wirtschaftlich sucht der von den westlichen Sanktionen nach der Annexion der Krim geschwächte russische Bär neue Reviere. In Uganda baut der russische Rohstoffkonzern RT Global Resources für 3 Milliarden US-Dollar eine Erdölraffinerie, in derselben finanziellen Grössenordnung entsteht in Simbabwe eine neue Platinmine. Im westafrikanischen Guinea schürft der weltweit zweitgrösste Aluminiumproduzent Rusal nach Bauxit. Und in Ägypten, Algerien und Moçambique ist Rosneft an der Erschliessung von Erdöl- und Erdgasfeldern beteiligt. Russlands Aussenminister Sergei Lawrow klapperte vergangenes Jahr sechs afrikanische Hauptstädte ab. Im Herbst soll das erste russisch-afrikanische Gipfeltreffen stattfinden – eine Einrichtung, die Moskau von Peking abgeschaut hat. Der aussenpolitische Experte Andrei Baklanow fordert auf dem Fachportal globalaffairs.ru. den massiven Einsatz russischer Wirtschaftslobbyisten und einen TV-Sender auf ­Kisuaheli, um den Kontinent auf Russlands Seite zu ziehen.

«China hat das Geld, Russland die Muskeln»

Noch hinkt Russland bei seinem Streifzug durch Afrika China weit hinterher. Peking bearbeitet den Kontinent seit zwei Jahrzehnten und konnte das gemeinsame Handelsvolumen von 10 auf inzwischen über 200 Milliarden Dollar steigern. Dagegen ist der russisch-afrikanische Warenaustausch bisher keine 18 Milliarden Dollar wert, südlich der Sahara sogar nur 3,5 Milliarden. Der Kreml weiss jedoch, wie er beim neuen «Scramble for Africa» einen Fuss in der Tür behält: mit Militärkooperation und Waffenhandel. In den vergangenen vier Jahren unterzeichnete Russland gleich mit 19 afrikanischen Staaten Militärverträge. Fast 40 Prozent aller kontinentalen Rüstungskäufe werden derzeit in Russland getätigt, dagegen nur 17 Prozent in China und 11 in den USA. «China hat das Geld und Russland die Muskeln», meint der kongolesische Politiker und Ex-Militär Christian Malanga.

Vielen Afrikanern sind die robusten russischen Waffen noch aus dem Kalten Krieg bekannt. Vor allem im Süden des Kontinents unterstützte Moskau damals zahlreiche Befreiungsbewegungen, die gegen die Kolonialherren ankämpften, und durfte sich zumindest moralisch überlegen wähnen. Putins neuer Grossmachtanspruch aber verzichtet auf Revolutionsrhetorik. Was viele afrikanische Staatschefs nur freut: Autokraten wie Simbabwes Robert Mugabe oder Kongos Joseph Kabila sahen sich nach dem Kalten Krieg westlichen Geldgebern gegenüber, die ihre Investitionen und Entwicklungshilfe immer strikter an Bedingungen wie Demokratie und gute Regierungsführung knüpften.

Setzen auf Diktatoren

Mit Moskau gibt es solche Pro­bleme nicht. Wie die chinesische lehnt auch die russische Regierung Kritik an afrikanischen Präsidenten als «Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten» ab. Man hilft den sudanesischen Machthabern bei der Niederschlagung eines Volksaufstands oder baut eine Platinmine in Simbabwe, die einem blutrünstigen De-facto-Militärregime zugutekommt. In Guinea ermunterte der russische Botschafter kürzlich Staatspräsident Alpha Condé, eine verfassungswidrige dritte Amtszeit anzustreben. Statt wie zu Sowjetzeiten Freiheitsbewegungen zu unterstützen, setzt Moskau jetzt auf die Machthaber, gern auch auf wackelnde und deshalb leicht beeinflussbare Diktatoren.

Das allerdings kann auch schiefgehen. Rosatom sollte acht Atomreaktoren im Wert von 75 Milliarden US-Dollar nach Südafrika liefern, doch der Jahrhundert-Deal wurde storniert, als der korrupte Staatschef Jakob Zuma Anfang 2018 aus dem Amt gejagt wurde.

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