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Wie rechts ist Italien wirklich?

Analyse zum Ausgang der Parlamentswahlen

Eines steht fest: Italien hat am Sonntag einen Triumph der Populisten erlebt, der in Europa und wohl auch weltweit seinesgleichen sucht. 32 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben der Anti-System-Bewegung M5S des Ex-Komikers Beppe Grillo ihre Stimme ge­geben, 17 Prozent wählten die rechtspopulistische Lega von Matteo Salvini. Das entspricht schon fast der Hälfte aller Stimmen. Rechnet man die 14 Prozent dazu, die Silvio Berlusconis Forza Italia erreichte, kommt man auf 63 Prozent der Stimmen, die für populistische Politiker abgegeben wurden.

Gleichzeitig ist die Linke stimmenmässig auf einen historischen Tiefststand gefallen: Insgesamt hat nicht einmal mehr ein Viertel der Italiener eine Linkspartei gewählt. Trotzdem kann nicht von einem massiven Rechtsruck in Italien gesprochen werden. Die traditionellen Rechtsparteien – Forza Italia, die Lega, die postfaschistischen Fratelli d’Italia sowie einige weitere rechte Kleinparteien – haben insgesamt 37 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Das ist zwar geringfügig mehr als 2013, aber deutlich weniger als zum Beispiel beim Wahlsieg Silvio Berlusconis im Jahr 2008, als das vom Mailänder Milliardär angeführte Mitte-rechts-Lager noch über 50 Prozent erzielt hatte.

Und die Fünf-Sterne-Bewegung? Der Wahlsieger kann nicht einfach dem rechten Lager zugeordnet werden. Im Gegenteil: Die postideologische Protestpartei, die sich als weder rechts noch links bezeichnet, stand bei ihrer Entstehung der Bewegung Occupy Wallstreet sowie den Globalisierungs­gegnern nahe und hatte schon immer eine tendenziell linke Wählerschaft. 2014 bezeichneten sich 22 Prozent der M5S-Wähler als «rechts» oder «mitte-rechts»; 39 Prozent stuften sich dagegen als «links» oder «mitte-links» ein. Weitere 39 Prozent bezeichneten sich als parteiungebunden.

Bei den Wahlen vom Sonntag ist die Wählerschaft der Protestbewegung noch«linker» geworden: Eine Analyse des Stimmverhaltens hat ergeben, dass ein grosser Teil der Wähler, die der PD verloren hat, aus Enttäuschung zu den «Grillini» übergelaufen ist. M5S hat dagegen einige Wähler an die Lega verloren. Das heisst, selbst wenn man die «rechten» Wähler der Fünf-Sterne-Bewegung zu den 37 Prozent des Mitte-rechts-Lagers hinzurechnet, kommt man kaum auf über 50 Prozent – in einem Italien, das zu den Zeiten der Democrazia Cristiana (DC) während Jahrzehnten eine strukturelle bürgerlich-konservative Bevölkerungsmehrheit aufwies.

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