Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wie Erdogan den türkischen Staat nach seinem Gutdünken umkrempelte

Der Weg in die Krise
(AP Photo/Lefteris Pitarakis)

(AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Juni 2015: Parlamentswahlen Erdogans Pein beginnt
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erleidet mit seiner Partei AKP eine herbe Wahlschlappe. Nach 13 Jahren, während derer er uneingeschränkt regieren konnte, verliert seine Partei die absolute Mehrheit. Erdogan findet keinen geeigneten Koalitionspartner für die neue Regierung. Deswegen kommt es am 1. November 2015 zu Neuwahlen, bei denen Erdogans AKP die absolute Mehrheit zurückgewinnt. Den Wahlen geht ein gehässiger, von Gewalt und Verleumdungen geprägter Wahlkampf voraus.

(KEYSTONE/AP Photo)

(KEYSTONE/AP Photo)

15. Juli 2016: Putschversuch – oder wie aus Freunden Feinde wurden
Die Sperrung zweier Brücken über den Bosporus löst in der Türkei Unruhe aus. Zuerst ist unklar, was im Land geschieht. Am Abend erklärt der türkische Ministerpräsident, ein Teil der Armee habe einen Putschversuch unternommen. Erdogan richtet sich via den Sprachdienst Facetime an die Nation und fordert seine Anhänger auf, gegen die Putschisten zu demonstrieren. Als Hauptverantwortlichen für den Putschversuch hat Erdogan seinen zum Kontrahenten gewordenen früheren Weggefährten Fethullah Gülen ausgemacht, der die Vorwürfe bis heute bestreitet.

(AP Photo/Omer Kuscu)

(AP Photo/Omer Kuscu)

20. Juli 2016: Ausnahmezustand – das Ende des Rechtsstaates
Erdogan greift hart gegen jene durch, die er für den Putschversuch verantwortlich macht und ruft den Ausnahmezustand aus. Er lässt Grundrechte wie die Presse- und die Versammlungsfreiheit einschränken und verhängt Ausgangssperren. 45 Zeitungsredaktionen, 16 Fernsehstationen und 23 Radiosender müssen den Betrieb einstellen. In den kommenden zwei Jahren werden rund 130 000 Juristen und Beamte aus dem Staatsdienst entlassen. Mehr als die Hälfte von ihnen wird inhaftiert. Stark unter dem Ausnahmezustand zu leiden haben die türkischstämmigen Kurden.

( Presidency Press Service via AP, Pool)

( Presidency Press Service via AP, Pool)

16. April 2017: Verfassungsreferendum – Alleinherrscher Erdogan
Mit 51 Prozent der Stimmen stimmt das türkische Volk der von Erdogan vorgeschlagenen Verfassungsänderung zu. Per Juni 2018 sollen 69 Artikel in der türkischen Verfassung geändert werden. Von Bedeutung ist vor allem der Machtzuwachs, den die Verfassungsänderung für das Präsidentenamt mit sich bringt. Der türkische Präsident (also Erdogan) erhält mehr sogenannte Exekutivbefugnisse, die es ihm erlauben, ohne vorherige Beratung mit dem Parlament Entscheidungen zu treffen. Zudem erhält er deutlich mehr Einfluss auf die Justiz.

(AP Photo/Lefteris Pitarakis)

(AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Heute: Die «neue» Türkei kommt nicht zur Ruhe
Die türkischstämmige Basler Soziologieprofessorin Bilgin Ayata stuft die Lage in der Türkei nach wie vor als «gravierend» ein. Leute würden willkürlich verhaftet, Grundrechte missachtet. «Solche Zustände gab es in der Türkei zuletzt während der Militärdiktatur in den 80er-Jahren», sagt Ayata. Die Polarisierung sei gross. «Nur etwas mehr als die Hälfte unterstützt Erdogan. Für alle anderen wird es zunehmend schwieriger.» Viele Leute, allen voran Angehörige der religiösen Minderheiten, Oppositionelle und die säkuläre Elite, sähen keine Perspektive mehr und verliessen das Land, etwa mit Hilfe von Auslandstipendien. (aba/sas)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.