Wie andere Länder mit dem Corona-Virus umgehen

Trump hat ein Mega-Konjunkturpaket angekündigt, Deutschland schärfere Massnahmen beschlossen und der mexikanische Präsident ein schlechtes Vorbild abgegeben. Eine Übersicht darüber, wie andere Länder die Corona-Krise handhaben.

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Trumps Regierung will die Folgen des Corona-Virus mit massiven Geldzuschüssen dämpfen.

Trumps Regierung will die Folgen des Corona-Virus mit massiven Geldzuschüssen dämpfen.

Evan Vucci / AP

Frankreich: Paris warnt per SMS

Frankreich führt laut Innenminister Christophe Castaner die strengste Ausgangssperre Europas ein. Die Regierung in Paris verschickte am Dienstag an möglichst alle Bürger ein SMS mit der Aufforderung: «Bleiben Sie zu Hause.» Auf die Strasse darf man nur zum Einkaufen, zu beruflichen und medizinischen Zwecken. Im Voraus ist ein Formular auszufüllen. Die französische Wirtschaft ist bereits hart getroffen. Grosskonzerne wie Renault, Peugeot, Airbus oder Michelin haben ihre Fabriken geschlossen. Kleinunternehmen leiden oft noch stärker. Präsident Emmanuel Macron will einen ökonomischen Kollaps vermeiden, «koste es, was es wolle». Wirtschaftsminister Bruno Le Maire mobilisierte am Dienstag 45 Milliarden Euro für notleidende Unternehmen. (brä)

Deutschland: Höchste Gefahrenstufe ausgerufen

Die Zahl der Infektionen in Deutschland ist nach offiziellen Angaben auf über 8000 gestiegen, 23 Patienten sind an der Virus-Erkrankung gestorben, 50 Menschen sind wieder genesen. Das dem Bundesministerium für Gesundheit angeschlossene Robert Koch-Institut betont, die Gefahrenlage für die Menschen in Deutschland durch die Corona-Pandemie sei erheblich gestiegen. Das Institut setzte die Gefährdungsstufe gestern auf «hoch», nicht zuletzt auch deshalb, weil die Zahl der schweren Erkrankungen steige. Angesichts der sich verschärfenden Lage hatten Bund und Länder bereits am Montag zahlreiche Massnahmen im Kampf gegen das Virus beschlossen – darunter die Schliessung von Bars, vielen Geschäften, Sportstätten und Spielplätzen. (crb)

Österreich: Schwere Vorwürfe an Behörden in Ischgl

Im Paznauntal geht nichts mehr. Ebenso in St. Anton. Wo normalerweise zu dieser Jahreszeit die Kassen klingeln und Jahresumsätze erwirtschaftet werden, herrscht jetzt Stille. Die Orte stehen unter Quarantäne. Jetzt. Noch vor einer Woche tobte hier der Ski-Ballermann. Die Handhabe der Krise durch die Tiroler Behörden macht Experten fassungslos. Denn langsam wird klar: Tirol war eine Drehscheibe bei der Verbreitung des Virus in ganz Europa. Experten werfen den Behörden vor, viel zu spät gehandelt zu haben. Ihnen hätte seit Wochen klar sein müssen, was in Tirol vor sich ging: Nachdem 15 Isländer nach ihrer Heimkehr aus Tirol positiv auf Covid-19 getestet worden waren, erklärten die isländischen Behörden Tirol bereits am 5. März zum Gefahrengebiet. (sts)

USA: Trump will 1000 Milliarden ausgeben

Die Regierung von Präsident Donald Trump will einen kompletten Zusammenbruch der amerikanischen Volkswirtschaft verhindern. Deshalb leitet das Weisse Haus ein Konjunkturprogramm in die Wege, das nach ersten Schätzungen gegen 1000 Milliarden Dollar kosten könnte. Finanzminister Steven Mnuchin sagte am Dienstag, diskutiert werde zum Beispiel über die Auszahlung von Bargeld an betroffene Amerikanerinnen und Amerikaner «in den nächsten zwei Wochen». Auch sollen stark beeinträchtigte Branchen wie die Luftfahrtindustrie oder der Tourismus mit finanziellen Zuschüssen geholfen werden. Wichtig sei, sagte Mnuchin, dass dieses Programm «umgehend» durch den Senat und das Repräsentantenhaus verabschiedet werde. (rr)

Iran/Naher Osten: Teheran befürchtet 3,5 Millionen Tote

Das hatte es zuletzt während des Sechs-Tage-Krieges von 1967 gegeben: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus wurden oder werden fast alle Flughäfen im Nahen und Mittleren Osten geschlossen. Nachdem sich in der letzten Woche bereits Saudi-Arabien und Kuwait von der Aussenwelt abgeschottet hatten, folgten am Dienstag und Mittwoch Beirut, Kairo, Damaskus und Bagdad. Erst Ende des Monats soll der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden. Im iranischen Staatsfernsehen äusserte unterdessen ein Arzt die Befürchtung, dass bis zu 3,5 Millionen Menschen der Seuche zum Opfer fallen könnten, falls die Bevölkerung die mittlerweile strikten Massnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung des Corona-Virus ignorieren sollte. (mwr)

Mexiko: Der Präsident als schlechtes Vorbild

Mexikos Staatschef Andrés Manuel López Obrador liebt den Kontakt zum Volk. Fast jedes Wochenende geht der Linkspräsident im Land auf Reisen. Jetzt war er gerade im Bundesstaat Guerrero im Südwesten Mexikos unterwegs. Und während die Gesundheitsbehörden in der Hauptstadt Mexico City die Bevölkerung auf erste Quarantäne-Massnahmen einstimmten, tat der Präsident gerade so, als sei Mexiko immun gegen das Corona-Virus. Amlo, wie er im Volksmund genannt wird, herzte Anhänger, umarmte Alte, küsste Kinder und schüttelte Hände, als gebe es kein gefährliches Virus. Bislang haben sich 82 Menschen in Mexiko mit dem Virus infiziert. Gegen Ende der Woche spätestens rechnen die Gesundheitsbehörden mit einem massiven Anstieg der Fallzahlen. (keh)

Niederlande: Cannabis statt Klopapier

Während andere Ravioli-Büchsen und Klopapier hamsterten, bildeten sich am Sonntag in Amsterdam lange Schlangen vor den weltbekannten Hanfläden. Offensichtlich haben Hollands Kiffer Angst, dass ihnen während des partiellen Shutdowns das Gras ausgehen könnte. Coffeeshops sollen wie Bars und andere Freizeiteinrichtungen Corona-bedingt die Läden dichtmachen, hiess es in der Weisung der Regierung. Nach einer gemeinsamen Sitzung von Polizei, Bürgermeistern und Vertretern des Justizministeriums wurde der Entscheid aber zurückgekommen. Zu gross war die Angst, dass sich im ganzen Land Strassendealer breitmachen und den Schwarzmarkt zum Florieren bringen. Ähnlich wie Snacks dürfen Coffeeshops ihren Stoff nun per Take-away über die Theke verkaufen. (rhe)

Europäische Union: EU versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen

Mit einer allgemeinen Einreisesperre für Drittstaatsangehörige versucht die EU, Ordnung ins Chaos und die Vielzahl nationaler Alleingänge zu bringen. Die Schweiz als Schengen-Mitglied dürfte sich ebenfalls daranhalten. Damit wird die Einreise aus Drittländern wie den USA während mindestens 30 Tagen untersagt. Ausgenommen sind rückkehrende EU-Bürger und Personen mit einem Aufenthaltsrecht oder Familienangehörige. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, hat die EU-Kommission veranlasst, dass medizinische Schutzausrüstung nur noch im Ausnahmefall in Drittländer exportiert werden darf. Das betrifft auch die Schweiz. Der Bundesrat ist aber mit Brüssel in Kontakt, um eine Lösung zu finden. (rhe)

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