Widerstand in Frankreich

In Frankreich verhärten sich die Fronten ob der Homo-Ehe.

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In Frankreich verhärten sich die Fronten ob der Homo-Ehe. Das französische Gesetz über die Zulassung der Homo-Ehe und -Adoption ist an sich unter Dach und Fach; nach der Nationalversammlung muss nur noch der Senat als Zweitrat zustimmen, und er kann einen Beschluss der Ersten Kammer formell nicht mehr umstürzen.

Die Gegner mobilisieren trotzdem weiter. Am vergangenen Sonntag haben sie in Paris eine Grosskundgebung organisiert. Die Polizei zählte 300 000 Demonstranten, die Veranstalterin Frigide Barjot hingegen 1,4 Millionen. Wie auch immer, die meisten Pariser Medien, darunter auch die linksliberale «Le Monde», schrieben von einem Erfolg; viele Beobachter hatten zuvor mit einem Abflauen der Bewegung gerechnet.

Überschattet wurde die Monsterveranstaltung beim Pariser Triumphbogen von Krawallen. Vermummte versuchten einen Polizeikordon zu durchbrechen, Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm 98 Demonstranten fest, von denen am Montag noch ein halbes Dutzend in Haft war.

Die Zusammenstösse mit der Polizei zeugen von einem zunehmend gespannten Klima rund um die Frage der Homo-Ehe. Laut Umfragen sind zwar 60 Prozent der Franzosen für die «mariage pour tous» (Ehe für alle); allerdings sind 58 Prozent gegen das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Adoption.

Die christdemokratische Ex-Ministerin Christine Boutin verlangt nun eine Volksbefragung über die Homo-Ehe und drohte: «Wenn Sie das Volk Frankreichs nicht erhören, wird es zur Revolte greifen.»

Stefan Brändle, Paris

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