Widerstand gegen Visa-Sperre

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Türkei/USA In der schweren ­diplomatischen Krise zwischen Ankara und Washington hat die Türkei die USA zum Einlenken aufgefordert. Das Aussenministerium forderte die USA auf, die Einschränkungen für die Visa-Vergabe an den Konsulaten in der Türkei zurückzunehmen. Dies meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Der US-Geschäftsträger in Ankara, Philip Kosnett, sei einbestellt worden, um ihm diese Forderung zu übermitteln.

Die türkische Justiz hatte am Mittwoch einen türkischen Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul unter dem Verdacht festgenommen, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören und Spionage betrieben zu haben. Die USA verkündeten daraufhin am Sonntag, dass bis zur Prüfung der Sicherheit der Konsulatsmitarbeiter in der Türkei die Vergabe von temporären Visa ausgesetzt wird.

Türkei setzt gleiche Massnahme um

Die Türkei reagierte darauf mit einer praktisch wortgleichen Erklärung, in der sie ihrerseits den Stopp der Visumsausstellung in den USA verkündete. Auf der E-Visa-Internetseite der Türkei wurden Antragsteller mit einem US-Reisepass gestern zu einer Seite weitergeleitet, auf der es hiess: «Leider kann für die Staatsbürger des von Ihnen ausgewählten Landes kein E-Visum ausgestellt werden.»

Die Antragsteller wurden weiter gebeten, sich für einen Visums­antrag an die nächste türkische Auslandsvertretung zu wenden. Die türkische Botschaft in der US-Hauptstadt Washington teilte allerdings mit, dass derzeit alle Visa-Dienste für US-Bürger ausgesetzt worden seien.

Die Visa-Sperre erschwert es Geschäftsreisenden und Touristen erheblich, in das jeweils andere Land zu reisen. Im vergangenen Jahr reisten nach offiziellen türkischen Angaben gut 313 000 Türken in die USA. Umgekehrt kamen 2016 nach Statistiken der Regierung in Ankara rund 460 000 US-Amerikaner in die Türkei. Das Verhältnis der Nato-Partner ist unter anderem wegen der türkischen Forderung nach Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen aus den USA belastet. (sda)