Wettlauf um Einfluss in Afrika

Die Afrikareise Barack Obamas steht unter einem schlechten Stern. Der Todeskampf des südafrikanischen Freiheitshelden Nelson Mandela überschattet den späten Effort des amerikanischen Präsidenten gegen den wachsenden Einfluss Chinas.

Walter Brehm
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Ein junger Senegalese winkt mit einer amerikanischen und einer Landesflagge dem US-Präsidenten zu. (Bild: ap/Rebecca Blackwell)

Ein junger Senegalese winkt mit einer amerikanischen und einer Landesflagge dem US-Präsidenten zu. (Bild: ap/Rebecca Blackwell)

Die afrikanischen Reiseziele des amerikanischen Präsidenten waren in Washington mit strategischem Bedacht ausgesucht worden. Senegal als Sprungbrett nach Westafrika, Südafrika als Wirtschaftslokomotive des Kontinents und Tansania als Tor zu Ostafrika.

In diese Reise hat Washington viel investiert – vor allem in die Sicherheit des Präsidenten. Auf all ihren Stationen kreisen während der Anwesenheit Barack Obamas amerikanische Kampfjets im Luftraum, kreuzen US-Kriegsschiffe vor den Küsten und begleiten 200 Sicherheitsagenten den Tross des Präsidenten. Auch 60 bis 100 Millionen Dollar werden die Kosten geschätzt. Es ist die teuerste Reise, die je ein amerikanischer Präsident unternommen hat.

Andere Prioritäten

«Afrikas Zukunft ist die Sache der Afrikaner», hatte Barack Obama vor vier Jahren bei seinem Blitzbesuch in Ghana verkündet. Es sollte ein Bekenntnis zu einem amerikanisch-afrikanischen Verhältnis auf Augenhöhe sein, ohne belehrende Kritik. Doch seither war von amerikanischen Initiativen in Afrika nicht viel zu hören. Enttäuschung machte sich breit über den ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA, von dem man sich auf dem Kontinent so viel versprochen hatte. Andere Prioritäten hatten die erste Amtszeit Obamas bestimmt. Es waren Kriege zu beenden – in Irak und in Afghanistan –, und zu Hause blockierte die republikanische Opposition die Reformagenda des Präsidenten.

Politisch Vormacht…

Führend sind die Amerikaner in Afrika nach wie vor in Sachen politischer und militärischer Einfluss. Mit 35 Staaten des Kontinents unterhalten die USA Kooperationen in der Terrorbekämpfung. Etwa 3000 amerikanische Militärberater sind in Afrika aktiv. Von Djibouti, Äthiopien und Niger starten amerikanische Drohnen im Krieg gegen islamistische Extremisten. In Ghana und anderen westafrikanischen Staaten bauen die USA nach dem Vorbild ihres Anti-Drogen-Krieges in Lateinamerika Kampfeinheiten gegen den florierenden Schmuggel und wachsenden Konsum von Rauschgift auf.

Und doch hat nun Ben Rhodes, der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Obamas, eine späte Einsicht Washingtons formuliert: «Wenn die Vereinigten Staaten in Afrika nicht die wirtschaftliche Führung übernehmen, werden wir in einer sehr wichtigen Region der Welt zurückfallen.»

Das tönt nicht mehr nach Partnerschaft auf Augenhöhe, sondern eher wie das Pfeifen eines ängstlichen Kindes im Wald. Es tönt nach Kaltem Krieg um wirtschaftliche Interessen.

...wirtschaftlich im Hintertreffen

China hat die USA als wichtigsten Geschäftspartner afrikanischer Regierungen abgelöst. Das Handelsvolumen des Kontinents mit der Volksrepublik China wuchs im vergangenen Jahr auf 200 Milliarden Dollar, während jenes der USA bei nur 95 Milliarden Dollar lag.

Chinesische Firmen bauen afrikanische Infrastruktur, kaufen und pachten landwirtschaftliche Nutzflächen und stillen ihren Hunger nach Bodenschätzen aller Art. 12 Milliarden Dollar hat China allein 2011 in Afrika investiert. Und die Regierung in Peking verzichtet auf väterliches Lob für demokratische Fortschritte ebenso wie auf Kritik an Menschenrechtsverletzungen durch afrikanische Despoten.

Es ist ein Kampf um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Peking und seine afrikanischen Partner agieren dabei ohne politische Hemmungen. Obama besucht Kenia, die Heimat seines Vaters, erneut nicht. Dessen neuer Präsident Uhuru Kenyatta ist beim Internationalen Strafgericht wegen mutmasslicher Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt. Peking dagegen hat den umstrittenen Staatschef demonstrativ zum Staatsbesuch geladen. Es ist die chinesische Lesart von Obamas Motto: «Afrikas Zukunft ist die Sache der Afrikaner.»

Statt Party Trauerstimmung

Dass Obamas Reise nun zumindest in Südafrika auch ganz konkret ein schlechtes Timing hat, dafür kann der US-Präsident nichts. Er kommt an diesem Wochenende nach Südafrika, während Nelson Mandela mit dem Tod ringt. Am Kap ist die Freude über die Obama-Party so oder so einer Grabesstimmung gewichen, weil sich das Land bereits auf eine tagelange Staatstrauer vorbereitet. Ob Obama seinen Besuch im Falle des Todes von Mandela abbrechen würde, hat das Weisse Haus offengelassen.

Ein schwacher Trost für Obama und seine hochkarätige Begleitung aus amerikanischen Wirtschaftsführern dürfte sein, dass in der Trauerstimmung auch die befürchteten Anti-Obama-Kundgebungen entfallen könnten, die eine islamistische «No-Bama»-Allianz angekündigt hatte.