Westlicher Militäreinsatz in Libyen geplant

KAIRO. Seit Wochenbeginn kursierende Gerüchte über eine bevorstehende Militäraktion gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) in Libyen erhärten sich. In einem internen Papier der italienischen Regierung hatte es am Montag geheissen, Rom plane mit Rückendeckung aus Washington eine Intervention in Libyen.

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KAIRO. Seit Wochenbeginn kursierende Gerüchte über eine bevorstehende Militäraktion gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) in Libyen erhärten sich. In einem internen Papier der italienischen Regierung hatte es am Montag geheissen, Rom plane mit Rückendeckung aus Washington eine Intervention in Libyen.

Nun stellte auch das US-Verteidigungsministerium klar, dass man verschiedene Optionen für eine «entschiedene militärische Konfrontation» prüfe. Das Pentagon erklärte, man sei extrem beunruhigt über die «Metastasen des IS in Libyen». Eine US-Spezialeinheit ist bereits in Libyen aktiv, um Kontakt mit örtlichen Milizen aufzunehmen und die Lage zu erkunden.

London, Paris und Berlin dabei

Auch Frankreich und Grossbritannien erwägen, an einer Intervention teilzunehmen, wie ihre Regierungen nach algerischen Medienberichten mitgeteilt haben. Französische Aufklärungsflugzeuge operieren bereits am Himmel über Libyen. Auch Deutschland schliesst nach den Worten von Aussenminister Frank-Walter Steinmeier nicht aus, Bundeswehrsoldaten «zur Stabilisierung des Landes» zu entsenden. Berlin denkt nicht an einen Kampfeinsatz gegen den IS. Seine Truppen sollen stattdessen den libyschen Sicherheitskräften helfen, Recht und Ordnung wiederherzustellen, sobald sich die politischen Kontrahenten auf eine Regierung der nationalen Einheit geeinigt haben.

Langsamer als der IS

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Die Mission des US-Libyen-Vermittlers und deutschen Diplomaten Martin Kobler erlitt einen schweren Rückschlag, weil die verfeindeten Parlamente in Tripolis und Tobruk die ausgehandelte Einheitsregierung ablehnten. Der politische Versöhnungsprozess sei langsamer als die Expansion des Islamischen Staats, kommentierte Kobler den diplomatischen Kollaps. (wbr)

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