Wer reagiert warum wie?

Auf das Atomwaffenprogramm des kommunistischen Nordkoreas reagieren Südkorea, die asiatischen Nachbarn und die Verbündeten beider koreanischen Staaten:

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Auf das Atomwaffenprogramm des kommunistischen Nordkoreas reagieren Südkorea, die asiatischen Nachbarn und die Verbündeten beider koreanischen Staaten:

Südkorea im Dilemma

Seit dem Koreakrieg (1950– 1953) befinden sich die beiden Koreas formal im Kriegszustand. Die Wiedervereinigung ist auf beiden Seiten erklärtes Staatsziel, doch viele Südkoreaner fürchten die wirtschaftlichen Folgen eines nordkoreanischen Regimekollapses und hoffen stattdessen auf eine friedliche Koexistenz. Eine erfolgreiche Strategie im Umgang mit dem Norden sucht Seoul seit langem vergeblich. Von 1997 bis 2007 verfolgte Südkorea im Rahmen der «Sonnenscheinpolitik» eine Annäherung und gewährte dem Norden umfangreiche Wirtschaftshilfe. Nach dem ersten Atombombentest 2006 stellte Seoul die Kontakte jedoch weitgehend ein, worauf der Norden mit weiteren Provokationen und Scharmützeln reagierte. Die designierte konservative Präsidentin Park Geun-hye hat zwar grundsätzlich Dialogbereitschaft signalisiert, wird angesichts des Atomtests jetzt aber wohl eher Härte demonstrieren müssen.

China bleibt trotz Ärger loyal

China ist Nordkoreas engster Verbündeter und wichtigster Lieferant von Lebensmitteln und Treibstoff. Trotzdem ist Pekings Einfluss in Pjöngjang beschränkt, denn mit seinem Atomtest widersetzt sich Nordkorea auch Chinas Warnungen. Pekings Hauptanliegen ist die Stabilität in seiner Nachbarschaft. Für chinesische Sicherheitsstrategen ist Nordkorea ein willkommener Pufferstaat zu den in Südkorea stationierten US-Truppen. Zudem hat China geostrategische Interessen: Chinesische Firmen bauen in Nordkorea Rohstoffe ab, betreiben Häfen und nutzen die billigen Arbeitskräfte – all das weitgehend exklusiv. China hat guten Grund, den Status quo auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten.

USA mit kleinem Spielraum

Für die USA, die in Südkorea 28 500 Soldaten stationiert haben, gilt Nordkorea als ein «Land der schlechten Optionen». Seitdem Nordkorea im Dezember erfolgreich eine Interkontinentalrakete testete, die theoretisch Ziele in Nordamerika angreifen könnte, muss Washington mehr denn je zu verhindern versuchen, dass Pjöngjang sich als Atommacht mit einsatzfähigen Nuklearsprengköpfen etabliert. Vor Angriffen auf Nordkoreas Atomanlagen schrecken die USA allerdings zurück, aus Angst vor Vergeltungsangriffen auf Südkorea sowie aus Sorge vor einem Konflikt, in den auch China und Russland verwickelt werden könnten.

Japan könnte die Krise nutzen

Japan ist neben Südkorea das Land, das sich am stärksten von Nordkoreas Atomwaffen bedroht fühlt. Das Verhältnis der beiden Länder ist historisch schwer belastet: Anfang des 20. Jahrhunderts kolonialisierte Japan die koreanische Halbinsel. Später liess Nordkorea Dutzende Japaner entführen, die Agenten für Spionage in ihrer Heimat ausbilden sollten. In Japan lebt aber auch eine nordkoreanische Minderheit. Sie ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Pjöngjang und der Aussenwelt. Da Tokio aber traditionell für eine harte Linie gegenüber Nordkorea plädiert, kommen dem neuen Premier Shinzo Abe die Spannungen sogar gelegen, da er Japans Armee stark aufrüsten möchte. (ba)