Wer lacht zuletzt?

Barack Obama kann im November einen Erdrutschsieg gegen John McCain landen oder mit Pauken und Trompeten untergehen. Das Ergebnis des Rennens hängt davon ab, wie ausgeprägt der Wunsch nach einer neuen Politik am Wahltag sein wird.

Thomas Spang/Washington
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Künftige Kontrahenten im Wahlkampf: Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, und jener der Demokraten, Barack Obama.

Künftige Kontrahenten im Wahlkampf: Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, und jener der Demokraten, Barack Obama.

Drei Monate lang stand der Republikaner John McCain an der Seitenlinie des politischen Geschehens, während die Demokraten mit ihrem Vorwahl-Krimi Schlagzeilen und Aufmerksamkeit auf sich zogen. Statt die Zeit nutzen zu können, den Gegner im Herbst zu definieren, musste McCain seine eigene Basis konsolidieren. Denn aus Sicht der Konservativen bleibt er ein Verlegenheitskandidat, der sich nur durchsetzte, weil es niemanden gab, der den Geld-, Gott- und Gewehrflügel der Partei vereinen konnte.

McCain wird von den Republikanern respektiert, aber nicht geliebt. Was sich in den Geldproblemen des 71jährigen Wahlkämpfers ausdrückt. Barack Obama nahm bisher mit 272 Millionen US-Dollar fast drei Mal soviel Spenden ein wie McCain. Republikanische Strategen sind deshalb ausgesprochen nervös. Denn Geld «spricht» in der Politik.

Entscheidender Vorteil

Obama kann damit das Spielfeld vergrössern, McCain dazu zwingen, Bundesstaaten zu verteidigen, die George W. Bush mit Leichtigkeit gewann. Ein potenziell entscheidender Vorteil. Denn Präsidentschaftswahlen werden nicht national gewonnen, sondern in den 50 Einzelstaaten, die nach dem Prinzip «The Winner Takes All» Wahlmänner-Stimmen liefern. Für die Wahl zum Präsidenten werden 270 Wahlmänner benötigt. McCain kann es sich nicht leisten, nur einen einzigen Bundesstaat zu verlieren, den Bush 2004 gewann.

Umgekehrt muss Obama alle Staaten halten, die Kerry holte. Darunter Pennsylvania und Michigan, zwei Staaten in denen eine Klientel sitzt, die dem Demokraten Kopfzerbrechen bereitet. Der Sohn einer weissen Mutter aus Kansas und eines schwarzen Kenianers ringt mit ethnisch unterlegten Vorurteilen bei weissen Arbeitern. Diese sind stärker ausgeprägt im Osten der USA entlang der Appalachen als im Westen. Sie geben McCain eine Chance, dort in die Offensive zu gehen.

Republikanische Strategen feilen bereits an einer Doppel-Strategie, die Ausfälle von Obamas früherem Pastor und einige lose Bemerkungen Michelle Obamas auszuschlachten. Sie versuchen damit den Patriotismus des Kandidaten in Frage zu stellen und ihn als unerfahrenen Träumer zu charakterisieren, der den gemeinen Amerikaner nicht versteht. Das ist die Achillesferse Obamas.

Deutliche Wechselstimmung

Obamas Team kontert mit einer Strategie, die auf einen politischen Wandel in Stil, Akteuren und Inhalten setzt. Alle Umfragen zeigen eine ausgesprochene Wechselstimmung, die Obama klar begünstigt. Diese wird verstärkt durch eine neue Generation an neuen und jungen Wählern, die dem 46jährigen schon in der Auseinandersetzung mit Hillary Clinton halfen.

«John McGleich»

Die Demokraten porträtieren McCain als jemanden, der in Irak und in der Wirtschaftspolitik Bushs Kurs fortsetzen will, machen ihn zu «John McGleich». Ein nicht ganz faires Etikett, weil McCain sowohl mit seiner hartnäckigen Opposition gegen Folter und Guantánamo sowie seinem Einsatz für eine pro-aktive Umweltpolitik klare Differenzen mit Bush unter Beweis gestellt hat.

Doch politisch könnte es sich als äusserst effektiv erweisen, seine Wahl als Volksabstimmung über eine «dritte Amtszeit» des unbeliebten Bush zu stilisieren.

McCain bleibt darauf zu hoffen, dass persönliche Vorbehalte gegen einen schwarzen Kandidaten diesem immer die entscheidenden Punkte kosten, die ihn in den umkämpften Staaten jeweils knapp an der Mehrheit scheitern lassen. Gelingt es Obama dagegen, diese Ängste zu neutralisieren, dürfte ihn der Enthusiasmus seiner Anhänger überall über die Hürde heben.

Bilder: ap/LM Otero; Chris Carlson

Bilder: ap/LM Otero; Chris Carlson

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