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Weniger Risiko bei britischen Spielautomaten

Der Höchsteinsatz bei Glücksspielautomaten wird von 100 auf 2 Pfund radikal reduziert. Die Schutzmassnahme gegen Spielsucht gefährdet laut der Branche 20 000 Arbeitsplätze.
Sebastian Borger, London
Szene im Zürcher Casino. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Zürich, 24. Oktober 2015)

Szene im Zürcher Casino. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Zürich, 24. Oktober 2015)

Unter dem Druck einer überparteilichen Parlamentsmehrheit reduziert die britische Regierung den Höchsteinsatz bei Spielautomaten von 100 auf 2 Pfund. Den radikalen Schritt – eine Reduzierung von umgerechnet 135 Franken auf 2.71 Franken – gab der für Glücksspiel zuständige Kultur­minister Matthew Hancock in London bekannt. Wohltätigkeitsorganisationen, Kirchen und Politiker begrüssten die Massnahme gegen das «Crack-Kokain des Glücksspiels», die bisher an sehr liberale Gesetzgebung gewohnte Branche sagt katastrophale Jobverluste voraus.

Derzeit können Briten an Automaten mit festgelegten Gewinnchancen alle zwanzig Sekunden bis zu 100 Pfund auf Spiele wie Roulette setzen. Dies habe die herkömmlichen Wettbüros, wo es vor allem um Pferde- oder Hunderennen ging, in Mini-Casinos verwandelt, argumentierten Kritiker schon seit langem.

Wettbüros droht Schliessung

Im vergangenen Jahr verloren Spielsüchtige mehr als 230000-mal mehr als 1350 Franken. Mit der starken Reduzierung wolle man «Schaden von den besonders Gefährdeten abwenden», hiess es im Kulturministerium. Der Labour-Vizevorsitzende Tom Watson lobte die Regierung für ihre «richtige Entscheidung», die anglikanische Staatskirche sprach von «bewundernswerter moralischer Führungsstärke». Hingegen sagte Mark Stebbings von der Wettfirma Betfred Arbeitsplatzeinbussen für rund 20000 Menschen voraus. Die Massnahme werde viele Wett­büros zur Schliessung zwingen und dem Pferderennsport massiven Schaden zufügen. Die Kurse einschlägiger Firmen wie William Hill und GVC Holding (Ladbrokes) sackten an der Londoner Börse ab.

Glücksspiel ist eine wichtige Branche für die britische Volkswirtschaft. Die Bruttoeinnahmen der beteiligten Firmen lagen im Kalenderjahr bis Ende März 2017 bei 18,6 Milliarden Franken und damit um 1,8 Prozent über den Erlösen des Vorjahres. Etwas mehr als 106000 Mitarbeiter arbeiteten in 146 Kasinos und gut 9000 Wettbürofilialen, aber auch für den wachsenden Anteil der rund 340 Internet-Anbieter mit ihren etwa 2000 Websites.

Hotline für Problemspieler

Schätzungen der zuständigen Aufsichtsbehörde zufolge beteiligen sich 9 Millionen Briten online an Glücksspielen. Die Anbieter können sich über ein stetig wachsendes Geschäft freuen; schon heute liegt ihr Marktanteil am Gesamtumsatz der Glücksspielbranche in Grossbritannien bei 34 Prozent. Ihre Regulierung erfolgt wie diejenige herkömmlicher Firmen durch die Glücksspielkommission, die 2005 durch ein neues Gesetz ins Leben gerufen wurde. Um sogenannten Problemspielern zu helfen, hat die Kommission eine Hotline eingerichtet; sie ist täglich zwischen 8 Uhr und Mitternacht erreichbar. Wem die Schulden über den Kopf wachsen, der kann sich freiwillig auf eine Liste setzen und damit sechs Monate am Glücksspiel hindern lassen; die Firmen sollen sicherstellen, dass die Betroffenen nicht zum Zocken zugelassen werden.

Erst kürzlich wurde die Online-Plattform Leo Vegas vom Aufseher mit einer Strafe in Höhe von umgerechnet 811000 Franken belegt, weil die Firma nicht korrekt mit Zockern umgegangen und irreführende Anzeigen verbreitet hatte. Die vom Staat gestützte Hilfsorganisation Gamble Aware wird mit jährlich 10,8 Millionen Franken Spenden der Industrie finanziert.

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