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Holland ist Weltmeister bei der
Ecstasy-Produktion

Die Niederlande sind bekannt für Exportschlager wie Käse oder elektronische Geräte. Nun zeigt eine Studie, dass man auch bei der Herstellung und dem weltweiten Vertrieb synthetischer Drogen eine traurige Spitzenposition hält.
Helmut Hetzel, Den Haag
Beschlagnahmte Ecstasy-Pillen in Deutschland. Bild: Henning Kaiser/EPA (Köln, 20. Dezember 2016)

Beschlagnahmte Ecstasy-Pillen in Deutschland.
Bild: Henning Kaiser/EPA (Köln, 20. Dezember 2016)

Dass in den Niederlanden der Hanfanbau im grossen Stil illegal in Gewächshäusern und in Wohnungen betrieben wird, um die vielen Coffeeshops mit dem Stoff für den Joint zu versorgen, ist ein offenes Geheimnis. Nun aber gibt es erstmals eine offizielle Polizeistudie über die Produktion von synthetischen Drogen in Holland. Sie enthüllt, dass das Land der weltweit wohl grösste Produzent von synthetischen Drogen wie etwa Ecstasy (MDMA) oder Speed (Amphetamine) ist.

Auf sage und schreibe 18,9 Milliarden Euro belief sich der Umsatz mit synthetischen Drogen in den Niederlanden im vergangenen Jahr. Das geht aus einer Studie der Polizeiakademie in Apeldoorn hervor, die am vergangenen Wochenende veröffentlicht wurde. Damit erwirtschaftet die niederländische Drogenmafia allein mit diesen im Labor produzierten Rauschmitteln Umsätze in der Grössenordnung von Konzernen wie etwa Philips oder Air France-KLM. Rund vier Fünftel der in den Niederlanden hergestellten Drogen werden exportiert – in andere europäische Länder, nach Asien und vor allem auch in die USA.

Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher

Holland ist also nicht nur das Land der Tulpen und des Gouda-Käses, sondern auch Exportweltmeister in Sachen synthetische Drogen. «Der Umsatz von 18,9 Milliarden Euro ist eine vorsichtige Schätzung,» heisst es in der Studie der Polizei. «In Wirklichkeit dürfte er noch viel höher liegen.» Die Niederlande hätten aufgrund der guten Infrastruktur, der geografischen Lage, dem Top-Seehafen in Rotterdam sowie dem Airport Schiphol in Amsterdam eine sehr gute Position für den Export von Drogen. Kriminelle Vereinigungen wissen das zu nutzen. Ausserdem sei man in der Vergangenheit zu nachlässig im Kampf gegen die Drogenmafia gewesen. Es gebe zu wenig Fahnder, die im Milieu ermitteln könnten. Wenn einige der Drogenbosse verhaftet werden könnten, dann erhielten sie viel zu geringe Strafen und seien schnell wieder auf freiem Fuss, stellt die Studie fest.

Man habe den Markt für synthetische Drogen bisher völlig unterschätzt und müsse nun gegen die Drogenmafia in die Offensive gehen, erklären die Experten in ihrer Analyse. Das aber müsse international geschehen, fordert die Akademie, denn die Niederlande allein hätten die polizeilichen Kapazitäten dazu gar nicht.

Justizminister Ferdinand Grapperhaus nannte den Bericht «schockierend». Die Regierung sei entschlossen, auch mehr Geld auszugeben, um die «beschämende Position» des Landes in dieser Frage zu korrigieren. «Das Thema wird höhere Priorität geniessen. In den kommenden Jahren werden wir härter gegen die Szene vorgehen», sagte der Minister gegenüber dem staatlichen niederländischen Rundfunk.

Verantwortung der Konsumenten

Grapperhaus appellierte gleichzeitig an die Verantwortung der Konsumenten. Es gäbe auch eine ökologische Komponente. «Für ein Kilogramm Pillen werden acht Kilogramm chemischen Abfalls produziert.» Daran solle man auch denken, wenn man auf einer Party oder einem Festival eine Ecstasy-Pille konsumiert, so Grapperhaus.

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