Weitere Nazi-Terroristen aktiv?

Am Dienstag hat die Polizei in Niedersachsen ein mutmassliches viertes Mitglied der Neonazi-Bande «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) inhaftiert: Holger G. galt zuvor als kleiner Helfer des Mordtrios.

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Am Dienstag hat die Polizei in Niedersachsen ein mutmassliches viertes Mitglied der Neonazi-Bande «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) inhaftiert: Holger G. galt zuvor als kleiner Helfer des Mordtrios. Nach pausenlosen Verhören erliess die Bundesanwaltschaft nun aber Haftbefehl wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gegen ihn.

Die vielleicht wichtigste Frage aber ist noch offen: Gibt es noch weitere NSU-Terroristen? Werner J. Patzelt, Politikwissenschafter der TU Dresden, schliesst nicht aus, dass die sogenannte Zwickauer Zelle nur die Spitze des Eisbergs sei und dahinter ein grosses rechtsextremes Netzwerk mit handfestem kriminellem Hintergrund stecke.

So wie die drei mutmasslichen Haupttäter des NSU war auch Holger G. Verfassungsschützern als Rechtsextremist bekannt. 1998 hatte die Polizei in Jena in der Wohnung des damals 20jährigen Uwe B., seines Freundes Uwe M. (23) und Beate Z. (24) Rohrbomben, Sprengstoff und Hass-Propaganda-Material gefunden. Das Trio tauchte ab und angeblich verlor sich damals seine Spur – angeblich. Obwohl es konkrete Hinweise gibt, dass Verfassungsschützer weiter Kontakte zu mindestens einem der NaziTerroristen pflegten.

Gestern befasste sich das parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages mit der Rolle der Nachrichtendienste, denen Frank-Walter Steinmeier (SPD) «klassisches Versagen» und «Fehlleistungen» vorwirft, die ein Untersuchungsausschuss klären müsse.

Fritz Dinkelmann, Berlin