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WEISSES HAUS: "You're fired!": Trump wechselt das Personal wie seine Krawatten

Donald Trump räumt auf. Der US-Präsident will in den nächsten Tagen weitere enge Berater und Kabinettsmitglieder auf die Strasse stellen, weil er mit ihrer Arbeit nicht zufrieden ist. Die Analyse unseres US-Korrespondenten und die Übersicht derwichtigsten Abgänge seit seinem Amtsantritt.
Renzo Ruf/Washington
Macht macht einsam: Donald Trump in seinem Oval Office. (Bild: Andrew Harnik (AP))

Macht macht einsam: Donald Trump in seinem Oval Office. (Bild: Andrew Harnik (AP))

Nun also H.R. McMaster: Übereinstimmend berichteten amerikanische Medien am Freitag, dass der Nationale Sicherheitsberater bei seinem Vorgesetzten endgültig in Ungnade gefallen sei und Präsident Donald Trump ihn deshalb bald ablösen werde. Weil Trump kein Interesse daran habe, den 55-jährigen Dreisterne-General zu demütigen, dauert er vielleicht noch einige Tage, bis diese Personalie publik gemacht wird – denn zuerst muss das Pentagon einen neuen Posten für den Berufsmilitär finden, der 1984 bei den Streitkräften angeheuert hatte.

Aber Trump habe sich entschieden, und geniesse in dieser Frage auch die Unterstützung seines Stabchefs John Kelly, einem Viersterne-General im Ruhestand: McMaster, der im Februar 2017 Mike Flynn ersetzte, der über seine Kontakte zum russischen Botschafter in den USA gestolpert war, müsse weg. Kelly stört sich daran, dass der Sicherheitsberater hinter verschlossenen Türen Aussenminister Rex Tillerson unterminierte – und dabei Erfolg hatte.

Trump entliess seinen Chefdiplomaten diese Woche. Dem Präsidenten wiederum stossen das steife Auftreten und die herablassende Art des Generals sauer auf. Sie erinnern ihn wohl an die Kadettenschule, die er in seinen Jugendjahren besuchen musste. Auch störte sich Trump daran, dass McMaster während seinen (eher seltenen) Fernsehauftritten keine gute Falle machte.

Rekordhalter Ronald Reagan wechselte in seinen ersten zwölf Monaten 17 Prozent seines Teams aus

In den Augen der Öffentlichkeit ist diese Personalie ein weiteres Indiz dafür, dass die Regierung Trump nicht zur Ruhe kommt. Kein anderer Präsident hat in den ersten vierzehn Monaten seiner Amtszeit derart viele Berater entlassen und Kabinettsmitglieder auf die Strasse gestellt. Gemäss den Berechnungen der Politikwissenschaftlerin Kathryn Dunn Tenpas, die an der Denkfabrik Brookings Institution in Washington tätig ist, wechselte Trump fast die Hälfte seiner engen Berater aus – sei es auf dem Posten des Kommunikationsdirektors des Weissen Hauses (von Sean Spicer über Mike Dubke und Anthony Scaramucci bis hin zu Hope Hicks, die ihren Rücktritt Ende Februar ankündigte), oder im Amt des präsidialen Wirtschaftsberaters (von Gary Cohn zu Larry Kudlow).

Gemeinhin beläuft sich die Fluktuationsrate im Weissen Haus auf rund 10 Prozent pro Jahr. Gemäss Tenpas wechselte der bisherige Rekordhalter Ronald Reagan in seinen ersten zwölf Monaten 17 Prozent seines «A-Team» aus, wie die Politikwissenschaftlerin den inneren Kreis um den Präsidenten nennt.

"Ich liebe das Chaos"

Trump selbst scheint sich nicht darüber im Klaren zu sein, ob er die hohe Fluktuationsrate in seinem Umfeld nun gut findet oder nicht. Zu Monatsbeginn sagte der Präsident während eines Auftrittes vor einer Journalistenvereinigung: «Ich liebe den Wechsel. Ich liebe das Chaos.» Wenige Tage später verkündete er dann auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, von «Chaos» im Weissen Haus könne keine Rede sein. Zutreffend sei aber, dass in seiner Regierung eine «energiegeladene» Atmosphäre herrsche und nicht alle seine Berater und Kabinettsmitglieder diesen Anforderungen genügten. Weil er stets auf der «Suche nach Perfektion» sei, könne es deshalb bald zu weiteren Wechseln kommen.

Langjährige Beobachter des Präsidenten verweisen darauf, dass Trump als Geschäftsmann ein Einzelkämpfer gewesen sei. Zwar befinden sich mehr als 20'000 Menschen auf der Lohnliste des Familienbetriebs Trump Organization; das Unternehmen, das im Hotel- und Gastgewerbe tätig ist, ist aber stark dezentralisiert. An der Konzernspitze arbeitete Trump vor seinem Amtsantritt als Präsident bloss mit einer Handvoll von Menschen zusammen, die seine Macken kannten und denen er keine Rechenschaft schuldete.

Eine explosive Mischung aus Ideologen und Pragmatikern

Auch litt das Weisse Haus in den vergangenen Monaten darunter, dass wohl selbst der heutige Präsident nicht mit einem Sieg bei der Präsidentenwahl gerechnet hatte. Deshalb investierte sein Wahlkampfteam zu wenig Zeit in die Ausgestaltung der neuen Regierung. Infolgedessen war das rasch zusammen gezimmerte erste Kabinett Trump eine höchst explosive Mischung aus Ideologen und Pragmatikern.

Entscheidend ist aber wohl letztlich, dass Trump der Meinung ist, nach mehr als einem Jahr im Weissen Haus wisse er nun, wie der Hase in Washington läuft. Er wendet deshalb mehr Zeit darin auf, das Auftreten seiner Regierung zu verbessern. Und weil der Präsident der Meinung ist, das Auftreten ist die halbe Miete, setzt er nun in seinem Umfeld auf Berater und Kabinettsmitglieder, die vor laufenden Kameras überzeugend wirken und seine Weltsicht vertreten. Wer diesem neuen Standard nicht genügt, der fliegt früher oder später raus.

Die prominentesten Abgänge

«You're fired!» Mit diesem Spruch verabschiedete sich Donald Trump in seiner TV-Show «The Apprentice» früher von unfähigen Bewerbern. Seinem Stil ist er auch als US-Präsident treu geblieben und trennt sich im Wochentakt von Mitarbeitern im Weissen Haus.

  • 13. März 2018: Rex Tillerson

13. März 2018: Rex Tillerson

Trump entliess seinen Aussenminister nach eigener Aussage wegen "Meinungsunterschieden" in zentralen aussenpolitischen Fragen und unterschiedlichen "Denkweisen". Differenzen habe es etwa über das Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran gegeben, das Trump vehement ablehnt. Über die Ablösung Tillersons war schon länger spekuliert worden, nachdem der Präsident seinen Minister immer wieder öffentlich brüskiert hatte.

  • 1. März 2018: Hope Hicks

1. März 2018: Hope Hicks

Sie war seit Sommer 2017 als Kommunikationsdirektorin im Weissen Haus tätig. Laut Medienberichten räumte Trumps enge Vertraute in einer Anhörung ein, dass sie durch ihre Tätigkeit im Weissen Haus manchmal zu „Notlügen“ gezwungen gewesen sei. Allerdings habe sie nie über Themen gelogen, die mit den Ermittlungen zu den möglichen illegalen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf zu tun hätten. Das 29-jährige Ex-Model hatte seit Jahren in verschiedenen Funktionen für Trump gearbeitet.

  • 8. Dezember 2017: Dina Powell

8. Dezember 2017: Dina Powell

Trumps Vize-Sicherheitsberaterin, kündigt am 8. Dezember 2017 ihren Rücktritt an. Laut Goldman Sachs kehrt die 44-Jährige Ex-Investmentbankerin nun wieder in die Geschäftsführung der Firma zurück.

  • 18. August 2017: Steve Bannon

18. August 2017: Steve Bannon

Der ultrarechte Chefstratege in Trumps Team verlässt das Weisse Haus nach einem mehrere Monate langen Streit mit anderen Beratern. Vor seinem Posten hatte er das rechtskonservative Portal „Breitbart News“ geleitet. Nach seiner Entlassung wurde er bei „Breitbart News“ mit offenen Armen wieder aufgenommen. Nachdem der 63-Jährige anlässlich der Buchveröffentlichung „Fire and Fury“ Anfang Jänner 2018 unter Druck geraten war, musste er das Nachrichtenportal jedoch wieder verlassen.

  • 31. Juli 2017: Anthony Scaramucci

31. Juli 2017: Anthony Scaramucci

Er wird nach zehn Tagen im Amt wegen Mobbings gegen Stabschef Reince Priebus und Bannon entlassen. Der 53-jährige Banker bricht damit den Rekord - so kurz war bisher kein anderer hochrangiger Regierungsmitarbeiter Trumps im Amt. Seine Entlassung wird offenbar vom neuen Stabschef John Kelly veranlasst.

  • 28. Juli 2017: Reince Priebus

28. Juli 2017: Reince Priebus

Trumps Stabschef verlässt eine Woche nach Spicer seinen Posten. Die Amtszeit des studierten Juristen ist mit 189 Tagen die kürzeste eines Stabschefs in der modernen US-Geschichte. Priebus‘ Nachfolger John Kelly ist ein erzkonservativer Hardliner und Vier-Sterne-General.

  • 21. Juli 2017: Sean Spicer

21. Juli 2017: Sean Spicer

Trumps Pressesprecher kündigt seinen Rücktritt an, nachdem Trump ihm Scaramucci als Kommunikationsdirektor vor die Nase setzte. Zusammen mit Priebus hat sich Spicer laut Medienberichten der Einsetzung Scaramuccis widersetzt.

  • 30. Mai 2017: Mike Dubke

30. Mai 2017: Mike Dubke

Trumps Kommunikationsdirektor im Weissen Haus legt nach drei Monaten seinen Posten zurück - „aus persönlichen Gründen“, wie er sagt. Sein Vorgänger auf dem Posten, Sean Spicer, hatte nur eineinhalb Monate durchgehalten.

  • 9. Mai 2017: FBI-Chef James Comey

9. Mai 2017: FBI-Chef James Comey

Er wird überraschend gefeuert. Der Grund dafür steht im Zusammenhang mit Comeys Untersuchung der dubiosen Russland-Kontakte von Trumps Wahlteam. Der von Barack Obama ernannte FBI-Chef amtierte von 4. September 2013 bis 9. Mai 2017 - davon nur drei ein halb Monate unter Trumps Amtszeit.

  • 13. Februar 2017: Michael Flynn

13. Februar 2017: Michael Flynn

Der Nationale Sicherheitsberater tritt bereits nach 23 Tagen im Amt zurück. Ihm wurden falsche Angaben über Gespräche mit dem russischen Botschafter in Washington zum Verhängnis. Flynn hatte im Dezember 2016 entgegen seiner Darstellung mit dem Diplomaten über die gegen Russland verhängten Sanktionen gesprochen. Der Drei-Sterne-General Herbert Raymond McMaster folgt Flynn nach.

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