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Südafrika: Weisse Arbeiter fühlen
sich diskriminiert

In dem Schwellenland reisst die Rassendebatte nicht ab. Seit Anfang Woche streiken weisse Arbeitnehmer zum ersten Mal seit dem Ende der Apartheid, weil sie sich gegenüber schwarzen Mitarbeitern im Nachteil sehen.
Markus Schönherr, Kapstadt
Blick auf eine Anlage des Sasol-Energiekonzerns in Johannesburg. (Bild: Kim Ludbrook/EPA; 3. Januar 2017)

Blick auf eine Anlage des Sasol-Energiekonzerns in Johannesburg. (Bild: Kim Ludbrook/EPA; 3. Januar 2017)

Es ist ein bemerkenswertes Novum: Zum ersten Mal seit dem Ende der Apartheid legten am Montag weisse Angestellte in Südafrika die Arbeit nieder, um gegen rassische Diskriminierung zu demonstrieren. Sie werfen ihrem Arbeitgeber, dem Energiekonzern Sasol, vor, Weisse bewusst von einem Bonusprogramm ausgeschlossen zu haben. Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) kritisierte das Vorgehen der Arbeiter.

Zu dem Protest aufgerufen hatte die überwiegend weiss dominierte Gewerkschaft Solidarity, bekannter unter ihrem Afrikaans-Namen Solidariteit. Der Arbeiterverband gab bekannt, dass seine 6300 Arbeiter bei Sasol an einem «Go-slow»-Protest, oder Bummelstreik, beteiligt seien: Die Arbeit werde weiter verrichtet – jedoch im Schneckentempo. «Jeden Tag werden wir eine andere Abteilung bei Sasol ausschalten», wird Solidarity in südafrikanischen Medien zitiert. Morgen soll ein Generalstreik beginnen, der laut den Verantwortlichen bis zu drei Wochen dauern kann.

Umstrittenes Bemächtigungsprogramm

Streitpunkt ist ein Bemächtigungsprogramm, durch das schwarze Mitarbeiter, als ehemals benachteiligte Gruppe, jeweils Aktien im Wert von 32000 Franken erhalten sollen. Weisse Mitarbeiter seien von dem Bonus ausgenommen. Sie sprechen von «Diskriminierung». Dirk Herrmann von Solidarity ist überzeugt, dass der Streik richtungsweisend für die junge Nation ist. «Die Lösung für dieses Problem wird ein Beispiel für Südafrika sein, um künftig das richtige Mass zu finden», so der Gewerkschaftsführer. 24 Jahre nach dem Ende der Apartheid reisst die Rassendebatte in Südafrika nicht ab. In dem Schwellenstaat leben 55 Prozent unter der Armutsgrenze. Jeder vierte Südafrikaner hat keinen Job. Darüber hinaus verzeichnet Südafrika die höchste Einkommensungleichheit der Welt.

Was zu dieser explosiven Mischung beiträgt: Zum Grossteil orientiert sich die Grenze zwischen Arm und Reich weiterhin an Volkszugehörigkeit und Hautfarbe. Die Regierung in Pretoria hat Gesetze erlassen, die «vormals Benachteiligte» am Arbeitsmarkt bevorzugt. Kritiker bemängeln jedoch, dass davon nur eine kleine schwarze Elite profitierte, während Gegner den Po­litikern sogar «umgekehrten ­Rassismus» unterstellen. Das «Broad-Based Black Economic Empowerment» habe weniger dem Volk als einer Handvoll Schwarzer geholfen, ihren Reichtum zu mehren. An die Stelle der früheren Freiheitskämpfer sei eine korrupte, schwarze Elite getreten, lautet der Vorwurf.

«Historische Ungleichheit» ausgleichen

Der regierende ANC übte zu Wochenbeginn Kritik am Streik der weissen Arbeiter. «Wir sollten besorgt sein, wenn die Rechte, für die wir gekämpft haben und die in unserer Verfassung verankert sind, zu ruchlosen Zwecken missbraucht werden», so die Partei. Sie betonte, dass eine verstärkte Teilnahme schwarzer Südafrikaner an der Wirtschaft dazu beitrage, «historische Ungerechtigkeiten» auszugleichen.

Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela träumte von einer «Regenbogennation», in der die vielen verschiedenen Volksgruppen friedlich nebeneinander leben. Tatsächlich ist der Alltag in Südafrika bunt: Ein friedliches Nebeneinander von Weissen, Schwarzen, sogenannten «farbigen» Mischlingen, Indern, Asiaten und Europäern. Unter der Oberfläche brodelt es aber weiter.

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