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Österreich: Frau führt erstmals Sozialdemokraten

Die österreichischen Genossen setzen auf Frauenpower: Pamela Rendi-Wagner ist die erste Parteichefin in der 130-jährigen Geschichte der SPÖ.
Rudolf Gruber, Wien
Die neue SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner nach ihrer Wahl mit 97,8 Prozent, ihr Mann Michael Rendi und Alt-Parteichef Christian Kern (SPÖ) beim 44. Ordentlichen Bundesparteitag der SPÖ. Bild: Barbara Gindl/Keystone (Wels, 24. November 2018)

Die neue SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner nach ihrer Wahl mit 97,8 Prozent, ihr Mann Michael Rendi und Alt-Parteichef Christian Kern (SPÖ) beim 44. Ordentlichen Bundesparteitag der SPÖ. Bild: Barbara Gindl/Keystone (Wels, 24. November 2018)

Der Wechsel an der Spitze war alles andere als glatt gelaufen. Knapp ein Jahr nach verlorener Wahl war Ex-Kanzler Christian Kern auch als SPÖ-Chef zurückgetreten. Er hatte es nicht vermocht, die völlig desperate Partei auf die Oppositionsrolle umzupolen. Daran änderte zunächst auch die eine Woche darauf erfolgte Nominierung Rendi-Wagners als neue Parteichefin wenig. Beobachter urteilten, die SPÖ sei für eine Frau an der Spitze eben noch nicht reif.

Mächtige Parteigrössen, die sich für den Oppositionsjob zu schade waren, begannen zu nörgeln, allen voran der neue Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Er äusserte vor laufender TV-Kamera Zweifel, ob eine Frau den Knochenjob einer Partei in der Krise zu stemmen vermag. Ex-Fraktionschef Josef Cap, ein rotes Urgestein, mahnte, Rendi-Wagner fehle der Rückhalt der Basis, da die studierte Tropenmedizinerin erst vor zwei Jahren der SPÖ beitrat, um Gesundheitsministerin im Kern-Kabinett zu werden. Zu allem Überfluss ramponierte zuletzt der junge Tiroler Parteichef Georg Dornauer das Image der Partei, als er über eine erkrankte Landesrätin öffentlich sexistisch lästerte, er möge sie sich «nicht in der Horizontalen vorstellen». Dornauer, der in den Bundesparteivorstand aufrücken wollte, wurde von Rendi-Wagner und der SPÖ-Frauenorganisation ins Eck befördert, wie man in Wien sagt.

Dabei hatte sich die SPÖ in ihrer Geschichte stets für Frauenrechte stark gemacht. Der männliche Teil der Partei schien die eigene stolze Tradition vergessen zu haben. So mag auf dem Sonderparteitag am vergangenen Samstag im oberösterreichischen Wels auch das schlechte Gewissen vieler Genossen beigetragen haben, als Rendi-Wagner mit fast 98 Prozent der Delegiertenstimmen zur neuen und ersten Parteichefin gewählt wurde.

In ihrer Antrittsrede glaubte Randi-Wagner, ihre Führungsqualität beweisen zu müssen und der seit rund einem Jahr regierenden rechtskonservativen Koalition den Kampf anzusagen: «Lieber Sebastian, was genau hast du in all den Jahren eigentlich gemacht?» Ob sie schon eine klare Vorstellung hat, wohin die Reise der SPÖ gehen soll, wird von Beobachtern noch bezweifelt. Die Rede war gespickt mit klassenkämpferischen Tönen, die so gar nicht zur bürgerlichen Erscheinung der attraktiven 47-jährigen, akademisch gebildeten Frau passt. Ihr grösstes Anliegen sei, so Rendi-Wagner, «die Verbesserung der Lebensumstände» für Menschen mit mittlerem und kleinerem Einkommen. Der erste Test für die neue Parteiführung ist die Europawahl im Mai 2019, da will die SPÖ «für ein starkes, soziales und gerechtes Europa» in den Wahlkampf ziehen.

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