Wegen Fake-Accounts
Er traut nur seinen eigenen Berechnungen: Elon Musk legt den Deal zum Kauf von Twitter temporär auf Eis

Elon Musk traut den offiziellen Angaben von Twitter zum Anteil von Fake-Profilen nicht. Deshalb will er mit dem Kauf des Kurznachrichtendienstes zuwarten. Das hat auch Folgen für die CS.

Drucken
Der Tesla-Chef will Twitter nun doch noch nicht kaufen.

Der Tesla-Chef will Twitter nun doch noch nicht kaufen.

Keystone

Der Technologie-Unternehmer Elon Musk hat seinen Deal zum Kauf von Twitter am Freitag temporär auf Eis gelegt. In einer Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst deutete der Multi-Milliardär an, dass er den offiziellen Angaben von Twitter über den Anteil von Fake-Accounts auf der Plattform nicht traue. Er wolle erst Berechnungen abwarten, dass Konten, hinter denen keine echten Nutzer stecken, tatsächlich weniger als fünf Prozent ausmachten, schrieb er. Twitter hatte diese Schätzung Anfang der Woche veröffentlicht, mit Verweis auf Zahlen der ersten drei Monate des Jahres 2022. In einer separaten Mitteilung schrieb Musk aber auch: Er sei nach wie vor dazu «entschlossen», die Internet-Firma zu übernehmen.

Credit Suisse-Tochtergesellschaft fungiert als Darlehensgeberin

Der Fall der Twitter-Aktie bremste sich nach Musks zweitem Tweet etwas ab. Nach Handelsbeginn fiel das Papier an der New Yorker Börse um etwas mehr als 10 Prozent und notierte bei rund 40 Dollar. Das ist weit entfernt von den 54,20 Dollar je Aktie, die Musk den Aktionärinnen und Aktionären in Aussicht gestellt hatte. Schon am Donnerstag war das Papier mit 45,08 Dollar aus dem Handel gegangen – ein Zeichen der Skepsis von Investoren, dass Musk die Übernahme von Twitter wirklich vollziehen wird.

Mit ein Grund dafür ist auch das komplexe Modell, auf das der reichste Mann der Welt bei der Finanzierung der Übernahme zurückgreifen will. So erhielt Musk Zusagen von 19 Investoren, die mehr als 7 Milliarden Dollar beisteuern wollen. Unter den Geldgebern befindet sich auch ein saudischer Prinz und Larry Ellison, der Co-Gründer von Oracle.

Diese Zusage, die Anfang Mai publik wurde, ermöglichte die Halbierung eines Darlehens von ursprünglich 12,5 Milliarden Dollar, das mit Tesla-Aktien abgesichert ist. An diesem Finanzierungspaket ist auch eine Zweigstelle der Schweizer Grossbank Credit Suisse beteiligt.

Ursprünglich schoss die CS-Filiale auf den Cayman Islands 1,25 Milliarden Dollar zu oder umgerechnet 10 Prozent des gesamten Darlehens, das von Musks Hausbank Morgan Stanley geschnürt worden war. Nun beläuft sich dieses «Margin»-Darlehen noch auf 6,3 Milliarden Dollar, wie einer Eingabe an die Börsenaufsicht SEC zu entnehmen ist. Der Anteil der Credit Suisse wird sich damit auf 630 Millionen Dollar reduziert haben. Musk habe die Absicht, auf das Darlehen zum Kauf von Twitter-Aktien ganz zu verzichten, meldeten diese Woche amerikanische Finanzpublikationen. Dazu müsste er aber weitere Investoren finden.

Musk, der auch als Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla amtiert, ist an der Wall Street berüchtigt für die hohen Kredite, mit denen er seine Tesla-Aktien belehnt. Das Wertpapier hat im vergangenen Monat an der Börse massiv an Wert eingebüsst; am Freitag legte die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq aber zu Handelsbeginn um 5 Prozent zu. Die Übernahme von Twitter sollte eigentlich bis Jahresende abgeschlossen werden. Musk will den Konzern anschliessend, zumindest temporär, von der Börse nehmen. Er besitzt rund 9 Prozent der Aktien, und ist nach dem institutionellen Investoren Vanguard Group der zweitgrösste Aktionär des Technologie-Unternehmens. (rr/dpa)

Aktuelle Nachrichten