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Lausanner im indonesischen Gefängnis: Wegen Facebook-Freundschaft zum Verräter gestempelt

Der Lausanner polnischer Abstammung Jakub Skrzypski wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er im südostasiatischen Inselstaat Indonesien Freiheitskämpfer unterstützt haben soll. Aus der Gefängniszelle beteuert er seine Unschuld.
Jocelyn Daloz
Jakub Skrzypski während des Prozesses im indonesischen Wamena. (Bild: George Yewun/AP; 2. Mai 2019)

Jakub Skrzypski während des Prozesses im indonesischen Wamena. (Bild: George Yewun/AP; 2. Mai 2019)

Jakub Skrzypski ist seit dem 2. November 2018 in einer klei-nen Polizeizelle der Bergstadt ­Wamena eingesperrt. Die Stadt liegt im östlichsten Teil Indonesiens, umgeben von Urwäldern und 4000-Meter-Gipfeln. Die spärlichen Quadratmeter der Zelle teilt der Lausanner polnischer Abstammung mit anderen Gefangenen. «Mir wurde gesagt, dass die reguläre Haftanstalt in Wamena überbevölkert ist. Deshalb lebe ich hier. Ich darf nicht aus der Zelle raus und sehe kaum Tageslicht», sagt der 40-Jährige.

Dank seiner Anwältin konnte sich unsere Zeitung schriftlich mit ihm unterhalten: Über seine Haftbedingungen, die Gründe seiner Verurteilung zu fünf Jahren Gefängnis wegen «Verrates am indonesischen Staat» und wieso er sich von Schweizer Medien schlecht behandelt fühlt.

Dünne Beweislage

Skrzypski lebt seit vielen Jahren in Lausanne und ist bestens integriert. Bis 2018 arbeitete er dort in einer Fabrik und war in der lokalen kulturellen Szene aktiv. «Film und Musik sind meine grossen Leidenschaften», sagt er von sich selber. Reisen gehört ebenfalls zu seinen Interessen. Seit zehn Jahren besucht er regelmässig Indonesien. «Mittlerweile habe ich viele Freunde dort.» Skrzypski hat auch eine sechsjährige Tochter namens Rhani, die auf der Insel Java lebt. Im Sommer 2018 hatte er sich vorgenommen, in West Papua Freunde zu besuchen und diesen Teil Indonesiens kennen zu lernen.

In West Papua herrscht ein seit 60 Jahren andauernder Konflikt. Seit dem Einmarsch des Militärs 1963 werden die einheimischen Naturvölker von der Regierung in der Hauptstadt Jakarta verdrängt und unterdrückt, während Widerstandsmilizen ­einen Guerilla-Krieg gegen die Besetzungsmacht führen. Die Regierung lässt eine freie Berichterstattung kaum zu. 2014 wurden zwei französische Journalisten verhaftet. Sie blieben zweieinhalb Monate im Gefängnis.

Trotzdem wollte Jakub Skrzypski West Papua besuchen, unter anderem wegen seiner Facebook-Freundschaft mit einem Papua namens Simon Magal. Dieser gehört dem «Nationalkomitee West Papua» an, einer politischen Partei, die sich für die Unabhängigkeit der Papua einsetzt. Skrzypski beginnt, sich für die lokalen Begebenheiten zu interessieren, macht Filmaufnahmen und spricht mit Leuten, die sich mit dem Thema der Unterdrückung der Papuas befassen. Sein Reiseleiter, Edward Wandik, gehört ebenfalls dem Nationalkomitee an. Am 28. August 2018 werden die beiden von der indonesischen Polizei verhaftet. Kurze Zeit danach wird auch ­Magal eingesperrt.

Die indonesischen Behörden bezichtigen zuerst Skrzypski des Waffenschmuggels: Er soll versucht haben, Munition für die «West Papua National Liberation Army» zu kaufen. Skrzypski verneint diese Anschuldigung vehement: «Simon Magal hat mich da reingezogen. Er hat mir auf Facebook-Messenger unerwartet die Anfrage geschickt, ob ich nicht bei der polnischen Regierung Waffen für die Rebellen besorgen könnte. Aber er hatte vorher nie davon erzählt und ich habe es auch nicht weiter beachtet», erklärt Skrzypski.

Auf seiner Facebook-Seite finden die Ermittler aber Bilder, die die Theorie des Waffenhändlers verstärken. «Es waren Bilder von mir in einem Schiessstand im Waadtland, aber diese Bilder gehen zwei Jahre zurück.» Die Beweislage für einen Waffenschmuggel war zu dünn. Die Anklage lautet letztlich: Verrat, mit einer möglichen Haftstrafe von bis zu 20 Jahren. Am 2. Mai werden Skrzypski und Magal zu fünf respektive vier Jahren Haft verurteilt. Skrzypski sieht sich als Opfer eines Scheinprozesses. «Das Verfahren war eine Farce. Es wurde absichtlich in Wamena durchgeführt, weil es isolierter ist.»

Während des Verfahrens sagte nur eine Person zu seinen Gunsten aus. «Alle anderen waren zu eingeschüchtert.» Dafür wandte sich sein Reiseleiter gegen ihn. «Er wurde kurz nach unserer Verhaftung wieder befreit und sagte dann gegen mich aus – da muss ein Deal stattgefunden haben.» Seine Anwältin Latifah Anum Siregar hat Einspruch erhoben. Sie sieht ihn ebenfalls als Opfer eines politisch motivierten Prozesses. «Es gibt keine gültigen Beweise gegen ihn. Ich verteidige viele Klienten gegen dieselben Anschuldigungen, aber Jakub ist der erste Ausländer, der wegen Verrates schuldig gesprochen wurde.»

Latifah Anum Siregar hofft, dass das Appellationsgericht ihrem Einspruch entgegenkommen wird. Skrzypski sagt aber: «Mir hat sie gesagt, dass in den seltensten dieser Fälle eine mildere Strafe anfällt.» Dabei hat er wenige andere Optionen. Das eidgenössische Aussendepartement kann nicht intervenieren, weil er kein Schweizer Staatsbürger ist. Die polnische Regierung versucht zwar, Druck auszuüben, bisher aber erfolglos.

Neonazi oder Adrenalin-Junkie?

Er fühlt sich aber von den Schweizer Medien vergessen und falsch porträtiert. Als seine Geschichte im «Blick» erschien, entdeckte der Journalist auf seinem Facebook-Profil auffällige Freundschaften: Der Pole ist mit Dominic Lüthard, Präsident der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer befreundet, folgt zahlreichen Seiten von konservativen und rechtsextremen Kreisen und auch vielen Gruppen, die sich mit «Reinformation» und Verschwörungstheorien befassen. Die Zeitung «Le Temps» nahm die Information einer indonesischen NGO auf, wonach Skrzypski ein extremer Tourist sein soll, der gerne in gefährlichen Regionen reist und sich für die Angelegenheiten von unterdrückten Völkern begeistert. Beides weist er aber zurück: «Ich wurde als Neonazi oder als Extremtourist dargestellt. Beides ist falsch.»

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