Wegbereiter der Demokratie

In den letzten Jahren produzierte Juan Carlos vor allem mit Unfällen und Affären Schlagzeilen. Unumstritten bleiben aber seine Verdienste in der Vergangenheit.

Ralph Schulze
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Galanter Gastgeber: Juan Carlos begrüsst Bundesrätin Doris Leuthard 2010 in Madrid. (Bild: epa/Juanjo Martin)

Galanter Gastgeber: Juan Carlos begrüsst Bundesrätin Doris Leuthard 2010 in Madrid. (Bild: epa/Juanjo Martin)

Es war sichtlich die schwerste Ansprache des spanischen Königs an das Volk: «Ich habe entschieden, meine Regentschaft zu beenden und abzudanken», erklärte ein bewegter König Juan Carlos per TV-Ansprache den Spaniern. Der 76-Jährige, der nach einer Reihe von Hüft- und Knieoperationen am Stock geht, sass im mausgrauen Anzug hinter seinem Schreibtisch. Mit feuchten Augen und unruhigen Händen, die er immer wieder ineinander verschränkte, um sie nicht zittern zu lassen. «Heute verdient eine jüngere Generation in erster Reihe zu stehen und jene Reformen voranzubringen, welche diese Zeit erfordert», nuschelte Juan Carlos. Sein 46jähriger Sohn Felipe sei ein gut vorbereiteter und würdiger Nachfolger. Und: «Ich habe immer das Beste für Spanien gewollt.» Dann folgte die spanische Nationalhymne.

«Ich wollte König aller Spanier sein»

Es war mittags gegen 13 Uhr, Spaniens 46 Millionen Bürger hielten den Atem an, Radio- und Fernsehapparate waren überall voll aufgedreht. Die Nation war Stunden zuvor gewarnt worden: Denn ein bitterernst ausschauender Regierungschef, der konservative Mariano Rajoy, hatte die Bombe bereits am Vormittag platzen lassen. «Sogar Leute aus seiner Umgebung fielen aus allen Wolken», berichtete Spaniens grösste Tageszeitung «El Pais», die schon – wie auch die anderen grossen Blätter der Nation – Extraausgaben mit der «historischen Nachricht» druckte.

«Ich wollte der König aller Spanier sein», sagte traurig Juan Carlos in seiner Abschiedsrede. Doch die goldenen Zeiten des einst so volksnahen Monarchen, der deswegen einmal als «Bürgerkönig» galt, sind schon länger vorbei. Nach 39 Jahren auf dem Thron wackelte das Denkmal des Königs erheblich. Laut Umfragen wünschte sich die grosse Mehrheit der Spanier, dass sich der König aufs Altenteil zurückzieht.

Mit der Geliebten auf Jagdausflug

In den letzten Jahren produzierte Juan Carlos vor allem mit Stolperunfällen, Spitalaufenthalten und mutmasslichen Liebesaffären Schlagzeilen. Das Bild eines Königs, der nur noch mit Krücke laufen konnte, schien symptomatisch für das wankende Königshaus. Spätestens jener Luxus-Jagdausflug ins afrikanische Botswana, wo Ihre Hoheit im Frühjahr 2012 auf Elefanten anlegte, öffnete der spanischen Öffentlichkeit die Augen. Eine Safari, wo sich der König nicht nur die Hüfte brach. Sondern er zusätzlich mit seiner «amiga», der 30 Jahre jüngeren Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein, erwischt wurde.

Unumstritten bleibt freilich Juan Carlos' Verdienst in der Vergangenheit: Vor allem den älteren Menschen ist der König als jener Mann in Erinnerung, der Spanien von der Diktatur, die 1975 nach dem Tod von General Franco zu Ende ging, zur Demokratie steuerte. Franco hatte Juan Carlos schon 1969 zum Nachfolger als Staatschef bestimmt. Die älteren Spanier haben auch nicht vergessen, wie Juan Carlos am 23. Februar 1981 einen Putschversuch rechter Militärs stoppte. Vor allem unter den jungen Spaniern steigt aber derweil die Zahl jener, die sich ein Land ohne König und mit einem gewählten Staatschef vorstellen können. Spaniens Königshaus steuert also auch mit dem künftigen König Felipe VI. auf ungewisse Zeiten zu.

Im November 1975 wird Prinz Juan Carlos zum spanischen König proklamiert. (Bild: epa/str)

Im November 1975 wird Prinz Juan Carlos zum spanischen König proklamiert. (Bild: epa/str)

Doña Letizia, künftige Königin Spaniens. (Bild: epa/Zipi)

Doña Letizia, künftige Königin Spaniens. (Bild: epa/Zipi)

Spaniens König Juan Carlos überlässt den Thron seinem Sohn Felipe. (Bild: ap/Gerard Julien)

Spaniens König Juan Carlos überlässt den Thron seinem Sohn Felipe. (Bild: ap/Gerard Julien)

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