Russland in Syrien
Washington: Absprachen mit Moskau ja, aber keine gemeinsame Sache

Die Regierung Obama zeigt sich über Russlands Intervention in den syrischen Bürgerkrieg verärgert. Eine Koordination der Luftschläge kommt aber aus Sicht Washingtons nicht infrage.

Renzo Ruf, Washington
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Die Regierung Obama zeigt sich über Russlands Intervention in den syrischen Bürgerkrieg verärgert.

Die Regierung Obama zeigt sich über Russlands Intervention in den syrischen Bürgerkrieg verärgert.

Keystone

Immerhin: Nun sprechen sie miteinander. Amerikanische und russische Militäroffizielle haben sich gestern – an einer einstündigen Videokonferenz – über die Intervention Moskaus im syrischen Bürgerkrieg ausgetauscht.

Auf US-Seite nahmen Elissa Slotkin, im Pentagon zuständig für internationale Angelegenheiten, und der hochrangige Militärstratege Frank Pandolfe teil. Die Aussprache kam nach wiederholten Treffen der Aussenminister John Kerry und Sergei Lawrow zustande, die sich beide in New York aufhalten, um an der UNO-Generalversammlung teilzunehmen.

Direkter Draht soll helfen

Kerry hatte am Mittwoch öffentlich erklärt, dass die Amerikaner den russischen Beteuerungen, die Luftschläge dienten der Bekämpfung von Terrorgruppen, skeptisch gegenüberstünden. Wichtig sei nun aber, dass die Spannungen zwischen den USA und Russland schnell abgebaut würden. Der militärische Fachbegriff lautet «de-confliction»: ein direkter Draht zwischen den beiden Streitkräften soll verhindern, dass sich amerikanische und russische Kampfjets im syrischen Luftraum in die Quere kommen.

In der Praxis würde dies bedeuten, dass die jeweilige Gegenseite frühzeitig telefonisch oder elektronisch informiert wird, wenn neue Luftschläge anstehen. «Wir wollen jedes Missverständnis verhindern», sagte Lawrow vor den Medien. Eine Koordination der Attacken steht aber nicht zur Debatte.

Aus amerikanischer Sicht ist dies nur konsequent. Denn Washington sieht in der russischen Intervention letztlich nichts anderes als ein Manöver Moskaus, das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu stützen. Dafür gibt es deutliche Anzeichen: so verkündete der syrische Botschafter in Russland, Riad Haddad, gestern in Moskau, Russland bekämpfe mit seinen Luftschlägen sämtliche «bewaffneten Terrorgruppen» – darunter auch prodemokratische Gegner Assads.

Dies bestätigte am Donnerstag auch Senator John McCain, dem gute Kontakte zu diesen prowestlichen Rebellengruppierungen nachgesagt werden. Er sagte, dass sich die russischen Luftschläge auch gegen Gruppierungen richteten, «die von der CIA bewaffnet oder ausgebildet» worden seien.

Warnung an Russland

Das Weisse Haus lehnte es allerdings gestern ab, diese Behauptung zu bestätigen. Stattdessen betonte die Regierung Obama erneut, dass die Zerstörung der Terrororganisation IS das «wichtigste Ziel» der Militärkampagne Washingtons sei, die nun – auf dem Papier – von 60 Staaten unterstützt wird. Auch Russland könne sich dieser Koalition der Willigen anschliessen, sagte Präsidentensprecher Josh Earnest.

Moskau aber scheine andere Ziele zu haben. «Dafür wird Russland einen hohen Preis bezahlen», prognostizierte Earnest. Denn die Luftschläge Russlands könnten zur Folge haben, dass sich moderate Assad-Kritiker extremistischeren Kräften anschlössen. Dies würde den Bürgerkrieg um viele Jahre verlängern.

Lesen Sie hier auch den Kommentar zu diesem Thema.

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