Was nicht sein darf, ist nicht

War es nun die Handgranate eines Attentäters oder doch nur der Feuerwerkskörper eines überspannten Anhängers? Das iranische Präsidialamt mochte sich nicht entscheiden. Hatte ein Sprecher über die feige Tat geklagt, wollte der andere nichts von einer solchen wissen.

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War es nun die Handgranate eines Attentäters oder doch nur der Feuerwerkskörper eines überspannten Anhängers? Das iranische Präsidialamt mochte sich nicht entscheiden. Hatte ein Sprecher über die feige Tat geklagt, wollte der andere nichts von einer solchen wissen. Bleibt das Wort des möglicherweise dem Tode Entronnenen. Ahmadinejad hatte am Montag öffentlich einen Anschlag auf seine Person angekündigt und diesen präventiv gleich «aufgeklärt»: «Die Zionisten haben Agenten ausgesandt, um mich zu ermorden.»

Doch nach der tatsächlich erfolgten Explosion beissen sich wohl zwei Propaganda-Interessen des Regimes. Der Präsident hat ein Attentat überlebt. Das wäre eine gute Nachricht. Aber zugeben müssen, es sei nicht zu verhindern gewesen, wäre eine schlechte. Da könnten sich die Bürger ja unbequeme Fragen stellen. Etwa die: Können sich die Zionisten jetzt an den Revolutionsgarden vorbei in Iran frei bewegen? Oder schlimmer: War es gar kein Agent Israels? Gibt es zu allem entschlossene Feinde des

Präsidenten im Land? Und wenn ja: Wer sind sie? Sind es Oppositionelle, die nach der Niederlage der Protestbewegung nun zur Gewalt greifen? Oder sind es gar Teile des Machtapparats, die sich mit der Isolationspolitik Ahmadinejads und den internationalen Sanktionen nicht mehr abfinden mögen?

Als Bombe ist der Sprengsatz von Hamadan für das Regime so oder so nicht gut zu «verkaufen». Also lieber von einem Feuerwerksunfall sprechen – auch wenn es keiner war. Walter Brehm

w.brehm@tagblatt.ch