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Was macht dieses Wildschwein mitten in Hongkong?

Die Wirtschaftsmetropole hat ein Wildschweinproblem: Immer mehr der Borstentiere verlieren die Scheu vor dem Grossstadtleben und wagen sich zur Futtersuche in die dicht besiedelten Stadtviertel.
Felix Lee, Peking
In einem Park in Hongkong kommt ein Wildschwein bei seiner Suche nach Nahrung den Menschen bedrohlich nahe. (Vincent Yu/AP)

In einem Park in Hongkong kommt ein Wildschwein bei seiner Suche nach Nahrung den Menschen bedrohlich nahe. (Vincent Yu/AP)

Hongkongs Grossstadtrausch ist legendär: Hunderte schwindelerregende Wolkenkratzer, die tiefen Häuserschluchten, der dichte Verkehr – mit fast acht Millionen Einwohnern auf einer Fläche von gerade einmal etwas mehr als der Grösse von Berlin ist die Finanzmetropole und einstige britische Kronkolonie in Südchina eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt.

Doch auch das ist Hongkong: grün. Zwischen den vielen Wohnsilos und asphaltierten Strassen finden sich jede Menge dicht bewachsene Berge. Zwar hat die Stadtverwaltung aufgrund des Wohnungsmangels und des Baubooms der vergangenen Jahrzehnte zahlreiche Hügel ebnen lassen, einige sind komplett abgetragen. Jahrzehntelange Bemühungen des städtischen Grünflächenamtes, jede freie Fläche zu bepflanzen, geben den Hongkongern das Gefühl, sie lebten in einem Park. Das wissen andere Geschöpfe offenbar auch zu schätzen. Hongkong hat nun ein Wildschweinproblem.

In den Lagen, wo die Hochhäuser an Wälder und Parks angrenzen, wagen sich immer mehr Wildschweine auf die Strassen. Der dichte Verkehr schreckt sie nicht ab. Die Tiere mit dem borstigen Fell verschrecken die Passanten, sorgen auf den Strassen für Verkehrsstaus. Sie wurden sogar schon in Einkaufszentren gesichtet.

Deutliche Zunahme von Beschwerden

Wie viele Wildschweine im Stadtgebiet der Metropole genau leben, kann die Landwirtschafts- und Umweltbehörde von Hongkong nicht sagen. Sie vermeldet aber eine deutliche Zunahme von Beschwerden aus der Bevölkerung über die wilden Tiere: von 294 im Jahr 2013 auf 738 vier Jahre später. Unter gewissen Umständen können die herumstreunenden Tiere für den Menschen zwar gefährlich werden, vor allem wenn eine Bache Junge hat. Wildschweine sind normalerweise aber sehr scheu.

Nicht jedoch in Hongkong: Die sozialen Netzwerke sind voll von skurrilen Bildern, wie etwa ein Eber an einem Gucci-Laden vorbeistreunt. Auf anderen Aufnahmen ist eine ganze Rotte zu sehen, die einem doppelstöckigen Tram den Weg versperrt.

Nun ist ein Streit entfacht, wie mit den Borstentieren verfahren werden soll. Eine Bürgerinitiative mit dem Namen «Wildschwein 70» fordert, die Tiere zum Abschuss durch Förster und Hobbyjäger freizugeben. Andere Länder mit hohen Wildschweinzahlen würden jährlich 70 Prozent der Tiere abschiessen, argumentiert Sprecher Wesley Ho.

Lebensraum der Tiere wird langsam verstädtert

«Unser Ziel ist es, die Öffentlichkeit hoffentlich auf Hongkongs aktuelles Problem der Wildschweinüberpopulation aufmerksam zu machen.» Das Problem an dieser Forderung: Im urbanen Hongkong gibt es bislang nicht viele Jäger.

Umweltschützer halten zudem entgegen, dass der Mensch selbst Schuld habe an den vielen Wildschweinen im Stadtgebiet. Erst die Ausdehnung der Siedlungen in das Grünland hätten zur Konfrontation mit den Tieren geführt, sagt Roni Wong von der Wildschweininteressensgruppe Hongkong. «Die Situation ist doch so, dass ihr Lebensraum langsam verstädtert wird», erklärt Wong. Wildschweine würden weniger Nahrung finden, ihre Lebensgrundlage werde zerstört. Nun räche sich das: Sie kommen in die von Menschen besiedelten Gebiete.

Die Hongkonger Stadtverwaltung war vor einem Jahr zunächst den Forderungen der Wildschweingegner gefolgt und hatte sie tatsächlich zum Abschuss freigegeben. Inzwischen ist sie auf einen Verhütungskurs umgestiegen. Statt die als Gefahr für Eigentum oder öffentliche Sicherheit wahrgenommenen Tiere zu jagen, hat sie das städtische Sterilisierungsprogramm für Wildschweine ausgeweitet und die Tiere mit Verhütungspillen gefüttert.

Sie hat zudem die Bevölkerung aufgefordert, Abfalleimer mit Essenresten gut zu verschliessen und die Tiere auf keinen Fall mit Essen anzulocken. Bislang zeigen die Massnahmen aber noch keine spürbare Wirkung.

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