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Warum der Papst einen Mafia-Jäger engagiert

Giuseppe Pignatone soll dem Pontifex helfen, die jüngsten Finanzskandale im Vatikan aufzuklären. Diesbezüglich hatte der Papst bislang gar kein glückliches Händchen.
Dominik Straub aus Rom
Papst Franziskus will endlich Licht ins Dunkel der vatikanischen Finanzgeschäfte bringen. (Bild: Getty Images)

Papst Franziskus will endlich Licht ins Dunkel der vatikanischen Finanzgeschäfte bringen. (Bild: Getty Images)

Papst Franziskus greift durch: Zur Aufklärung des jüngsten Skandals im Kirchenstaat holt er sich den 70-jährigen Giuseppe Pignatone an seinen Hof. Der Sizilianer ist einer der profiliertesten und erfolgreichsten Mafia-Jäger Italiens und war im vergangenen August nach jahrzehntelanger Karriere im Dienst der Justiz pensioniert worden. Schlagzeilen machte Pignatone, als er im Jahr 2015 nach intensiven Ermittlungen die Römer «Mafia Capitale» hatte auffliegen lassen. Jahre zuvor hatte er als Staatsanwalt von Palermo unter anderem den mafiösen Bürgermeister der Stadt überführt und später den damaligen Superpaten der Cosa Nostra, Bernardo Provenzano, zur Strecke gebracht.

Nun wird der als äusserst hartnäckig bekannte Pignatone in einem für ihn neuen Umfeld ein ebenfalls mafiös anmutendes Geflecht von Finanzjongleuren unter die Lupe nehmen – mitten im Vatikan. Bei einer Grossrazzia in den Palazzi des Kirchenstaats hatten Beamte der vatikanischen Gendarmerie am Dienstag die Büros der ersten Abteilung des vatikanischen Staatssekretariats sowie – ausgerechnet! – diejenigen der Finanzaufsichtsbehörde AIF durchsucht. Die Behörde wäre am Heiligen Stuhl eigentlich für die Bekämpfung von Geldwäscherei und trüben Finanzaktionen zuständig. Bei der Razzia wurden Computer, vertrauliche Akten und Bilanzen beschlagnahmt.

Fünf Kurienmitarbeiter, darunter der Direktor der Aufsichtsbehörde, Tommaso di Ruzza, wurden vom Dienst suspendiert. Di Ruzza ist von Papst Franziskus erst in diesem Jahr zum Direktor ernannt worden, als Nachfolger des Schweizer Anti-Geldwäsche-Spezialisten René Brülhart, der zum Präsidenten der Behörde befördert wurde und nebenher als Verwaltungsrat bei der Hypothekarbank Lenzburg amtet.

Vorläufig vom Dienst suspendiert wurden auch zwei hohe Funktionäre des Staatssekretariats, der wichtigsten administrativen Behörde im Kirchenstaat. Laut einer eher dürren Mitteilung des vatikanischen Presseamts sind die Ermittlungen Anfang dieses Sommers eingeleitet worden. Der Hinweis auf die Machenschaften war aus der Vatikanbank IOR gekommen, die selber nicht den besten Ruf geniesst.

Finanzchef des Vatikans hatte Kinder geschändet

Bei der neuen Affäre geht es um illegale oder zumindest wenig opportune Finanzgeschäfte seitens der fünf Kurienmitarbeiter und eventuell weiterer Personen. Unter anderem hätten die Verdächtigen rund 200 Millionen Euro in eine Immobilie in London investiert. Auch von möglicher Geldwäscherei ist die Rede. Ausserdem kolportieren italienische Vatikan-Spezialisten, dass bei diesen dubiosen Machenschaften auch Mittel des sogenannten Peterspfennigs zweckentfremdet worden sei: Der Peterspfennig wird von den Gläubigen auf der ganzen Welt gespendet und sollte eigentlich die karitative Arbeit des Papstes unterstützen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Spendengelder in andere Kanäle geraten wären.

Die Ermittlungen stehen erst am Anfang: Ob und welche Straftaten begangen wurden, ist derzeit noch nicht klar. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass der neue Skandal um dubiose Millionenspekulationen wenig kompatibel ist mit der von Franziskus propagierten «armen Kirche für die Armen». Und es zeigt sich einmal mehr, dass die Bemühungen des Papstes, die vatikanische Güterverwaltung und die Vatikanbank IOR zu reformieren, bisher wenig gefruchtet haben. Nun soll der Mafia-Jäger Pignatone ein für allemal Licht in das Dunkel bringen.

Bisher hatte Franziskus bei der Besetzung der Schlüsselpositionen in den vatikanischen Finanzorganen nicht immer eine glückliche Hand bewiesen. Der eklatanteste Fall ist der australische Kurienkardinal George Pell, den der Papst zum allmächtigen Finanzchef des Vatikans gemacht hatte und der Anfang dieses Jahres von einem Gericht in Melbourne wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Chorknaben verurteilt worden ist. Das von Pell geführte Wirtschaftssekretariat ist seither verwaist.

Franziskus ernennt 13 Kardinäle und bringt die Kirche auf Kurs

Am Samstag erhalten insgesamt 13 Bischöfe und Erzbischöfe im vatikanischen Petersdom das rote Kardinalsbirett, unter ihnen Vertreter aus Indonesien, Marokko, Guatemala, dem Kongo und Angola. Franziskus legt offensichtlich Wert darauf, Männer aus tendenziell armen Regionen, in denen die Kirche eine zentrale Rolle spielt, zu ernennen.

Alle Kardinäle unter 80 werden dereinst über seine Nachfolge bestimmen. Mit den Ernennungen steigt die Zahl der potenziellen Papstwähler vorübergehend von 118 auf 128. Franziskus hat mehr als die Hälfte von ihnen selber ernannt – und damit frühzeitig dafür gesorgt, dass sein Nachfolger die Kirche dereinst wohl ganz in seinem Sinn weiterführen wird. (sas)

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