War Polizei gewarnt, aber unachtsam?

Für die Moskauer kam der Terror aus heiterem Himmel. Die Behörden sollen aber am Montag schon vor den Explosionen nach potenziellen Attentäterinnen gesucht haben.

Lothar Deeg
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Moskauer Polizisten in der U-Bahn-Station Lubjanka. (Bild: ap/Sergey Ponomarev)

Moskauer Polizisten in der U-Bahn-Station Lubjanka. (Bild: ap/Sergey Ponomarev)

Moskau. Die Zeitung «Kommersant» schreibt: «Am Montagmorgen wurden vor den Bombenanschlägen viele Frauen mit südländischem Äusseren von der Miliz angehalten und überprüft.» Eine von ihnen berichtete der Zeitung, dass sie eine Stunde vor der Explosion an der Station Lubjanka – in einer anderen Station der gleichen Linie – aufgehalten worden sei. Obwohl sie sich als Moskauerin ausweisen konnte, musste sie mit auf die Wache.

«Wie konntet ihr sie verpassen?»

Dort sei sie Zeuge von Gesprächen der Polizisten geworden, aus denen hervorging, dass an verschiedenen Stationen Frauen festgenommen worden seien, man aber noch nichts Verdächtiges gefunden habe. Kaum hatte sich der erste Anschlag ereignet, sei ein Polizeioffizier in den Raum gestürmt und habe geschrien: «Wie konntet ihr sie verpassen, wir waren doch informiert!» «Kommersant» schreibt weiter: Die Innenbehörde habe in den vergangenen Tagen drei chiffrierte Warnungen ausgegeben, wonach Terroristen Anschläge im Moskauer Verkehrssystem planen.

Das Blatt «RBK Daily» berichtete, schon am Sonntag hätte die Miliz vor allem in der Umgebung der Metro-Endstation Jugo-Sapadnaja intensiv patrouilliert. Dort betraten am Montag früh tatsächlich die Attentäterinnen mit ihren mutmasslichen Instruktoren – zwei Frauen und ein Mann – ungehindert die Metro.

Auftakt zu einer Terrorserie?

Die Frage ist nun, ob weitere Anschläge folgen werden.

Der Inlandgeheimdienst FSB verbindet dies mit der Frage, wer und aus welchen Motiven die Anschläge verübt hat. Wenn es sich um einen Racheakt für unlängst bei Anti-Terror-Aktionen im Kaukasus getötete Islamisten handelt, sei wohl keine Fortsetzung zu erwarten, sagte ein FSB-Mann gegenüber «Kommersant». Gehörten die beiden Attentäterinnen jedoch zum angeblich 30köpfigen Selbstmordkommando des Anfang März getöteten Top-Terroristen Said Burjatski (bürgerlich: Alexander Tichomirow), sei «das nur der Anfang» gewesen.

Von diesem Kommando hätten sich bisher neun bei verschiedenen Terrorakten in die Luft gesprengt – nach den anderen werde gefahndet.

Rettung wie am Schnürchen

Auch wenn die Polizei die Anschläge trotz einer konkreten Terrorwarnung nicht verhindern konnte, bekam sie in der Presse Lob für die gut koordinierte Hilfe. Sie habe gewirkt, als sei es erst Tage zuvor exakt an diesen Stellen geübt worden.

Metro-Passagiere berichteten, sie seien erstaunt gewesen, dass ihnen bereits wenige Minuten nach den Explosionen Rettungskräfte entgegenkamen.

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