Wahrheit als Kampfbegriff

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Laut Reporter ohne Grenzen nimmt die Bedrohung der Pressefreiheit weltweit zu. Besorgniserregend an der von der Organisation vorgelegten Rangliste der Pressefreiheit für das Jahr 2017 ist indes nicht, dass autoritäre Regime unabhängige Berichterstattung in ihren Ländern mit immer mehr Härte unterdrücken. Besorgniserregend ist, dass auch in Demokratien ein Rückgang der Pressefreiheit zu verzeichnen ist.

Diese Entwicklung ist ein Symptom der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung beidseits des Atlantiks. «Wahrheit» und «Fakten» sind zu Kampfbegriffen geworden. Politiker wie US-Präsident Donald Trump, Ungarns Premier Victor Orbán oder Repräsentanten der Alternative für Deutschland sprechen den Medien ihre traditionelle Wächterrolle ab, indem sie die Glaubwürdigkeit eines faktenbasierten Journalismus bestreiten und die Qualitätsmedien zu Komplizen des «Establishments» erklären.

Auf dieses Spiel dürfen sich die Medien nicht einlassen. Zu den Aufgaben von Journalisten gehört es wohl, Position zu beziehen. Dies jedoch nicht um der Positionierung willen, sondern als Orientierungshilfe für die Leserinnen und Leser. Anstatt sich ihren Platz im Freund-Feind-Weltbild der Polarisierer zu suchen, sollten die Medien ihren Status als vierte Gewalt verteidigen. In einer von Schwarz-Weiss-Malerei geprägten politischen Debatte muss unabhängiger Journalismus die Grautöne liefern. Denn Unabhängigkeit macht unangreifbar – gegen «Fake News»-Vorwürfe von innen ebenso wie gegen Manipulationsversuche von aussen. Seite 3