Waffen in alle Welt

Das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri legt den neuen Report vor: Die USA bleiben der grösste Waffenexporteur. China holt stark auf. Deutschland liefert erstmals Waffen an einen arabischen Staat.

André Anwar
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Exportiert in viele Länder: Leopard-Panzer aus Deutschland. (Bild: dapd/Michael Urban)

Exportiert in viele Länder: Leopard-Panzer aus Deutschland. (Bild: dapd/Michael Urban)

Wer die Welt mit Waffen versorgt, untersucht das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri einmal im Jahr. Der Bericht wurde gestern in Stockholm veröffentlicht. Die USA liegen demnach weiterhin auf Platz eins. Dies mit einem um ein Prozent gefallenen Marktanteil von 29 Prozent im Zeitraum zwischen 2009 und 2013 (im Vergleich zu 2004 bis 2008). Sipri vergleicht stets den Durchschnitt von Fünfjahresperioden, weil die Schwankungen in einzelnen Jahren durch grosse Rüstungsgeschäfte wie beispielsweise Flugzeugträger beträchtlich sein können.

Russland bleibt die zweitgrösste Waffenexportnation (27 Prozent), gefolgt von Deutschland (7 Prozent) auf Platz drei. Der Aufsteiger in den vergangenen Jahren ist China (6 Prozent). Das Land konnte seine Waffenproduktion in den vergangenen Jahren technisch deutlich verbessern und steigern und verdrängt nun Frankreich (5 Prozent) von Platz vier auf Platz fünf. Grossbritannien liegt auf Platz sechs mit vier Prozent. Danach kommen Spanien, die Ukraine, Italien und Israel (jeweils drei Prozent Marktanteil).

USA liefern Waffen an 90 Staaten

Die USA konnten ihre Waffenexporte an 90 Länder in den letzten fünf Jahren um 11 Prozent steigern. 47 Prozent dieser Waffen gehen nach Asien und nach Ozeanien, 28 Prozent an den Nahen Osten und 16 Prozent an Europa. Militärflugzeuge sind der grösste Verkaufsschlager der USA. Sie machen 61 Prozent aller Waffenexporte aus. Russland konnte seine Waffenexporte an insgesamt 52 Länder um 28 Prozent steigern. Mehr als die Hälfte aller russischen Waffen gingen an Indien (38 Prozent), China (12 Prozent) und Algerien (11 Prozent).

Deutsche Panzer nach Qatar

Deutschlands Waffenexporte schrumpften um 24 Prozent in den letzten fünf Jahren. Trotz Rückgang gab es laut Sipri Ende 2013 grosse U-Boot-Bestellungen aus dem Ausland. Und Deutschland behauptete sich zudem als zweitgrösster Exporteur von Panzern nach Russland mit 650 Stück an sieben Länder. Ende 2013 gab es zudem Bestellungen für 280 Panzer, inklusive 62 Leopard-2s- Panzer an Qatar. Es ist das erste Mal, dass Berlin erlaubt, deutsche Waffen an arabische Staaten zu exportieren.

China – starker Konkurrent

Der mit Abstand grösste Aufsteiger bei den Waffenexporteuren war in den letzten fünf Jahren China. Es wird zunehmend zum ernstzunehmenden Konkurrenten für Waffenhersteller aus den USA, Russland und Europa. China konnte seine Exporte an insgesamt 35 Länder in den Jahren 2009 bis 2013 um 212 Prozent steigern. Drei Viertel aller chinesischen Waffenexporte gingen dabei an Pakistan (47 Prozent), Bangladesh (13 Prozent) und Myanmar (12 Prozent). Zudem importierte das Nato-Mitgliedsland Türkei überraschend ein chinesisches Boden-Luft-Raketensystem und entschied sich dabei gegen die europäische, russische und amerikanische Konkurrenz bei der Ausschreibung.

Krim-Krise ohne Auswirkung?

«Der Rückgang der deutschen Waffenexporte hat damit zu tun, dass das kriselnde Europa, und hier ganz besonders Griechenland, ein sehr wichtiger Markt für deutsche Waffenexporteure ist. Diese Länder müssen nun jedoch sparen», sagt Pieter Wezeman, Verfasser der Sipri-Studie.

Weltweit ist das Waffenhandelsvolumen um 14 Prozent gestiegen. «Zukünftige Trends sind schwer auszumachen. Länder um Russland könnten zwar wegen der Krim-Krise aufrüsten, aber eigentlich haben nur Finnland und Schweden das Geld dafür, die ehemaligen Sowjetrepubliken sind finanziell zu schwach», sagt Wezeman. Er geht davon aus, dass das Waffenhandelsvolumen durch die Krim-Krise nicht merkbar steigen wird.