Waffen der CIA für Jihadisten

Der IS versucht in Jordanien Fuss zu fassen. Für Waffen und Sprengstoff soll er sich auch bei korrupten Geheimdienst-Mitarbeitern bedienen.

Michael Wrase
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LIMASSOL/AMMAN. Abu Zaid war ein zum sogenannten «Islamischen Staat» übergelaufener jordanischer Polizist. Er wurde am achten November vergangenen Jahres erschossen, als er in einem Trainingszentrum der jordanischen Polizei zwei amerikanische und einen südafrikanischen Ausbilder erschossen hatte. Die Waffe des Attentäters, eine in Bulgarien hergestellte Kalaschnikow, wurde damals sichergestellt.

Anhand der Seriennummer konnten US-Ermittler feststellen, dass die Kalaschnikow zehn Monate zuvor von der CIA an den jordanischen Geheimdienst geliefert worden war. Die Waffe gehörte zu einer für moderate syrische Rebellen bestimmten Lieferung, die neben Hunderten Kalaschnikows auch panzerbrechende Raketen sowie Mörser-Granaten umfasste.

Schwarzmarkt für CIA-Waffen

Das von der saudischen Regierung bezahlte Kriegsgerät sollte vom jordanischen Geheimdienst über die Grenze gebracht werden, landete aber auf illegalen Waffenmärkten im Jordantal und der jordanischen Wüstenstadt Maan.

Das haben amerikanische und auch jordanische Offizielle inzwischen zugegeben. Bei den Käufern der Waffen, berichtet die «New York Times», soll es sich um kriminelle Netzwerke, lokale Beduinenstämme sowie dubiose Zwischenhändler handeln, welche die Ware ins benachbarte Ausland weiterverkauft hätten.

Geld für Geländewagen

Die enormen Profite sollen sich Mitarbeiter des jordanischen Geheimdienstes geteilt, von den Erlösen teure Geländewagen und andere Luxusgegenstände gekauft haben. Der Diebstahl zeige die «chaotischen Folgen von Programmen, mit denen sogenannte moderate syrische Rebellen ausgebildet werden sollen», folgert die «New York Times». Das Blatt zitiert den amerikanischen Aussenamtssprecher John Kirby, der trotz Korruption und Vetternwirtschaft beim jordanischen Geheimdienst die «historische Zusammenarbeit» mit dem Königreich der Haschemiten fortsetzen will. Man werde auch zukünftig alles tun, um «partnerschaftlich» die Sicherheit Jordaniens zu garantieren.

Minister bestreitet Meldungen

Voraussetzung dafür sei die Bereitschaft der Jordanier, angesichts der wachsenden Bedrohung durch den IS und andere islamistische Terrorgruppen die eigenen Fehler beim Namen zu nennen und zu korrigieren. Anzeichen dafür gibt es bisher allerdings wenig.

Während ungenannt bleiben wollende jordanische Offizielle die Waffendiebstähle thematisieren, bezeichnete Jordaniens Medien-Minister, Mohammed al-Momani, die Meldungen über die Waffendiebstähle als «unzutreffend». Der Geheimdienst, behauptete der Minister erbost, sei berühmt für sein «professionelles Vorgehen und seine Disziplin».